Vernetzung von ERP-Systemen
Auswahl von Software-Lösungen zur Nutzung von betriebs-wirtschaftlichen Standards in ERP-Systemen

Daniel Neuß, David Julian Hornung und Axel Winkelmann

ERP-Systeme sind in Unternehmen weit verbreitet und häufig die zentralen Quellen von betriebswirtschaftlichen Daten. Gerade durch die Zusammenarbeit in Liefernetzwerken und durch die Technologien der Industrie 4.0 ist die Vernetzung von Firmen ein immer wichtigerer Faktor. Die vielen unterschiedlichen Systeme und Technologien können nur durch einheitliche Standards miteinander verbunden werden. Wie diese Standards in bestehende Systemlandschaften eingeführt werden und welche Möglichkeiten es für die individuellen Konfigurationen gibt, wurde im Rahmen einer Studie untersucht und ausgewertet. Die Ergebnisse der in der Praxis eingesetzten Varianten werden in diesem Artikel aufgezeigt und erläutert. Diese Ergebnisse liefern einen umfassenden Überblick über die Möglichkeiten, um die Standards einzusetzen.

 

Der Informationsaustausch zwischen mehreren Unternehmen verändert sich durch die Verbreitung neuer Technologien, betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen und die Erwartungen der Konsumenten. Die Verknüpfung mehrerer Informationssysteme ist gleichzeitig ein wesentlicher Bestandteil der IT-Infrastruktur im Industrie 4.0-Umfeld. Eine Vernetzung von unterschiedlichen Geräten und Informationssystemen kann jedoch nur realisiert werden, wenn die betreffenden Systeme miteinander kommunizieren können. Eine direkte Kommunikation scheitert jedoch häufig an fehlenden Schnittstellen oder einer mangelnden Kompatibilität. Für einen reibungslosen Datenaustausch können E-Business-Standards (kurz: eStandards) verwendet werden. Durch Verwendung dieser wird eine gemeinsame Sprache beim Informationsaustausch festgelegt, sodass die Daten für eine automatische Weiterverarbeitung genutzt werden können. Dies verringert den Kommunikationsaufwand zwischen den beteiligten Unternehmen und erhöht die Geschwindigkeit des Informationsaustausches. Ein manuelles Auslesen der Daten vom Ausgangssystem sowie ein manuelles Einpflegen in das Zielsystem wird somit vermieden, was zu weniger Fehlern und Kostensenkungen führt. Durch die weite Verbreitung der ERP-Systeme [1] und deren mehrjährige Einsatzdauer haben diese und die bestehende IT-Infrastruktur einen großen Einfluss auf die Einführung der Standards.

Da davon ausgegangen werden muss, dass ein eventuell weniger passendes ERP-System nicht ausgetauscht wird, nur um einen spezifischen eStandard zu realisieren, wird im nachfolgenden Beitrag darauf eingegangen, auf welche unterschiedlichen Weisen sich bestimmte eStandards in die IT-Landschaft integrieren lassen, indem die Funktion der ERP-Systeme gezielt erweitert wird.
 

Was sind E-Business-Standards?

E-Business-Standards umfassen alle Arten von Vereinbarungen hinsichtlich des Formats der für Geschäftsbeziehungen relevanten elektronischen Daten, Dokumente und Datenaustauschprozesse [2]. Sie sind somit nicht selbst mit Software gleichzusetzen, sondern beschreiben sowohl auf fachlicher als auch auf technologischer Ebene das Format, in welchem ein elektronischer Datenaustausch realisiert werden soll. Mit dem Ziel die Geschäftsdaten auf eStandard-konforme Weise zu speichern oder zur Weitergabe an einen Geschäftspartner zu extrahieren, wird somit meist eine Software-Komponente benötigt, welche die Daten im benötigten Format erzeugt und verwaltet. Grundsätzlich hängt die Frage der zu wählenden Software von der Auswahl des eStandards ab. Die Entscheidung leitet sich von verschiedenen Faktoren, wie der Zielsetzung, dem Geschäftsszenario, der Branche und dem Wirtschaftsraum ab. Durch ihre unterschiedlichen Aufgaben lassen sich die eStandards in fünf fachliche Kategorien aufteilen, wie in Bild 1 verdeutlicht wird.
 

Bild 1: Einsatzbereiche der eStandard-Kategorien.

Identifikationsstandards haben die Aufgabe, Produkte oder auch Unternehmenseinheiten eindeutig zu identifizieren. 

Klassifikationsstandards unterstützen Unternehmen bei der hierarchischen Klassifizierung ihrer Produkte. Durch die Anreicherung mit definierten Merkmalen bieten diese auch unternehmensübergreifend eine einheitliche Strukturierung und ermöglichen so homogene Stammdaten-
strukturen.

Ein mögliches Einsatzszenario für die Nutzung von Katalogaustauschstandards ist der Vertrieb über elektronische Marktplätze. Diese Standards dienen dazu, die strukturierten und multimedial angereicherten Produktinformationen, verlässlich zum elektronischen Marktplatz zu übertragen und so einen neuen Vertriebskanal zu eröffnen.

Transaktionsstandards hingegen enthalten verschiedene Nachrichtentypen, die zum bilateralen Austausch von Geschäftsbelegen dienen. So können beispielsweise ganze Prozessabläufe wie Bestellung, Lieferavis und die darauffolgende Rechnung angestoßen und vollautomatisch, elektronisch abgewickelt werden, die dann in Prozessstandards zusammengefasst werden [2].
 

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