Cloud und die aktuellen Entwicklungen im Mittelstand

Interview mit Mark Muschelknautz

Die Akzeptanz von Cloud-Angeboten im ERP-Bereich ist vor allem im Laufe des letzten Jahres deutlich gestiegen. Während in 2015 noch 64 % unserer Kunden Cloud-Angebote im Bereich ERP kategorisch ausgeschlossen haben, waren es Anfang 2017 nur noch 28 %.

Der deutsche Mittelstand war bisher eher zurückhaltend in der Nutzung von Cloud-Angeboten im ERP-Bereich. Können Sie dies bestätigen und haben Sie eine Erklärung dafür? 

Wir können die Zurückhaltung bestätigen. Unter unseren Kunden – fertigungsnahe Mittelständler mit 50 - 2.000 Mitarbeitern, haben noch bis 2015 über 60 % Cloud-Angebote im Bereich der Unternehmenssoftware kategorisch ausgeschlossen. Als Gründe äußern die meisten Kunden Sicherheitsbedenken, die teilweise begründet sind, in vielen Fällen aber auch auf Unkenntnis der technischen und rechtlichen Gegebenheiten beruhen. Gleichzeitig stellen wir fest, dass Cloud primär aus einer technischen, IT-dominierten Sicht beurteilt wird und sich in Deutschland noch wenige Unternehmen mit anderen, eher produktivitätsbezogenen Effekten beschäftigen. Stichworte wären: Einführung neuer Geschäftsprozesse, Aktivierung von Fachabteilungen, Time-to-Market für Innovationen, usw.


Wie beobachten Sie die aktuelle Entwicklung? 

Die Akzeptanz von Cloud-Angeboten im ERP-Bereich ist vor allem im Laufe des letzten Jahres deutlich gestiegen. Während in 2015 noch 64 % unserer Kunden Cloud-Angebote im Bereich ERP kategorisch ausgeschlossen haben, waren es Anfang 2017 nur noch 28 %. 8 % hatten in 2015 einige Anwendungen genannt, die sie sich als Cloud-Service vorstellen konnten, das waren in 2017 schon 32 %. Diese Ergebnisse decken sich mit anderen, weniger ERP-zentrierten Markterhebungen wie beispielsweise dem Bitkom-Cloud-Monitor 2017. Auch hier verzeichnet das Segment der mittleren Unternehmen von 100 bis zu 1.999 Mitarbeitern den größten Zuwachs bei der Akzeptanz und Nutzung von Cloud-Technologien: 65 % der Unternehmen nutzen bereits Cloud-Anwendungen, nur noch 18 % sind Planer und Diskutierer. Bei den KMUs (20 – 99 MAs) nutzen inzwischen 64 % gegenüber 52 % im Vorjahr die Cloud. 


Was genau erwarten Kunden von einer cloud-basierten Bereitstellung der ERP-Lösung? 

In unseren Anwenderbefragungen nennen Kunden als wichtigste Kriterien für eine cloud-basierte ERP-Lösung die Möglichkeit der Private Cloud, das bedeutet eine 1:1 Installation je Unternehmen auf dezidierten Servern. Kunden erwarten außerdem, dass der Hosting Partner garantieren kann, wo die Daten liegen, vor allem innerhalb der EU oder innerhalb Deutschlands. Die messbare Reduktion der IT-Betriebskosten wird erst an fünfter Stelle genannt, ebenso die schnellere Verfügbarkeit neuer Funktionen und der Vorteil stets auf der aktuellen Version zu sein.


Sind die Anforderungen je nach Branche des Anwenderunternehmens unterschiedlich? 

Teilweise. Es gibt Branchen die hinsichtlich Cloud-Anwendungen weniger Berührungsängste haben als andere:  zu nennen wären hier vor allem Handelsunternehmen und Unternehmen aus dem Bereich Professional Services. Auch bei den Fertigungsunternehmen stellen wir fest, dass Firmen mit einer B-to-C Vertriebspraxis vielfach schon cloud-basierte Anwendungen betreiben. Auch die Nutzung von Webshops – unabhängig von der Branche – ist ein starker Treiber für die Akzeptanz der Cloud. Übrigens sehen wir häufig, dass die Akzeptanz von Cloud-Angeboten eher funktions- oder abteilungsbezogen variiert. Sie scheint tendenziell höher bei Vertretern der Geschäftsleitung oder in den Fachabteilungen zu sein, als in der IT-Abteilung.