Usability

Sandy Eggert

Usability beschreibt das Ausmaß, in dem ein Produkt von einem bestimmten Benutzer verwendet werden kann, um bestimmte Ziele in einem konkreten Kontext effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen [1]. Die sich daraus ergebende Anforderung an ERP-Lösungen ist eine möglichst intuitiv bedienbare Benutzeroberfläche kombiniert mit nachvollziehbarerer Funktionalität. Usability bezieht sich folglich auf die ergonomischen Anforderungen zur Benutzung von Anwendungssystemen. Neben dem Begriff Usability sind auch Begrifflichkeiten wie Bedienbarkeit, Bedienerfreundlichkeit, User Friendliness, Ease of Use, Benutzerfreundlichkeit, Handhabbarkeit, Nutzungsqualität zur Beschreibung der Nutzungsqualität von Softwarelösungen gängig [2].

Faktor Mensch
In Bezug auf ERP-Systeme kann eine Verbesserung der Usability die Zufriedenheit der Nutzer, den Lernerfolg, die Arbeitsproduktivität und auch die Wirtschaftlichkeit der Investition erhöhen und gleichzeitig die enormen Kosten der ERP-Einführung senken [2]. Hierbei muss vor allem auch der Faktor Mensch berücksichtigt werden. Seine Erfahrungen, das Wissen, wie eine Aufgabenstellung auf das System über tragbar ist und seine Fähigkeit, Ergebnisse und Handlungsalternativen zu beurteilen haben starken Einfluss auf die Bewertung von ERP-Systemen [3]. In diesem Zusammenhang spielt auch die demografische Entwicklung eine bedeutende Rolle. Einerseits entstehen neue Anforderungen der älter werdenden Nutzerschicht, zum anderen haben jüngere User-Generationen, welche bspw. zu den Digital Natives zählen, einen erhöhten Anspruch an eingängigere, einfach zu bedienende Nutzeroberfläche. Hinzu kommt die Verfügbarkeit auf unterschiedlichen (mobilen) Geräten, deren Anpassung an verschiedene Bildschirmgrößen verbunden mit der vollen funktionalen Abdeckung.

Anforderungen an ERP-Lösungen
Aus historischer Sicht war die Entwicklung von ERP-Lösungen eher funktionsgetrieben, d. h. das Vorhandensein gewünschter Funktionen stand im Vordergrund und nicht, wie diese Funktionen zur Verfügung gestellt werden. Das dahinter stehende primäre Ziel war es, möglichst alle betriebswirtschaftlichen Probleme in einer einzigen Applikation lösen zu können [4]. Leider spielte das Vorhandensein einer bedienerfreundlichen Benutzeroberfläche in der Vergangenheit eine untergeordnete Rolle, sodass bspw. das Realisieren einer einfachen Anforderung nicht im Rahmen des einfachen Customising möglich war, sondern tieferes Systemwissen verlangte.
Die Entwicklungen der letzten Jahre haben jedoch gezeigt, dass die Bedeutung der Usability bei Softwareprodukten, welche intensives und teures Training verlangen, was im Speziellen auf ERP-Systeme zutrifft, stark wächst. Eine verbesserte Usability aus Anwendersicht erhöht die Erlernbarkeit des Systems und reduziert die Schulungs- und Trainingskosten. Weiterhin können Fehlerraten und Supportkosten reduziert werden, was unmittelbar auch zu einer erhöhten Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter führt. [2]

Messung der Usability
Zur Erhebung und Bewertung der Usability im Allgemeinen existieren unterschiedliche Methoden. Im Kontext der betrieblichen Anwendungen eignen sich vor allem drei wesentliche Methodengruppen: heuristische, formale und empirische Methoden. Hierzu existieren bereits wissenschaftliche Ansätze, welche in unterschiedlichen Forschungsprojekten evaluiert werden konnten (z. B. [2] und [3]). Einige Anbieter arbeiten bereits mit Forschungseinrichtungen zusammen und verbessern innerhalb von Usability-Projekten sukzessive die Benutzeroberflächen ihrer Systeme.

Literatur:

[1] DIN EN ISO 9241 Teil 11, in: http://usability.is.uni-sb.de.
[2] Piazolo, F.; Promberger, K.: Usability von ERP-Systemen. In: ERP Management 4/2009.
[3] Gronau, N.; Fohrholz, C.: Anpassung der Bedienung komplexer Informationssysteme an die demografische Entwicklung. In: Industrie Management, 3/2013.
[4] Schnittler, V: Prägende Merkmale von ERP-Lösungen der Zukunft - Entwicklungstendenzen bei und Benutzeranforderungen an Unternehmenssoftware. In: ERP Management 1/2011.