Großer Systemvergleich
107 ERP-Systeme im ERP-Marktüberblick

Sandy Eggert und Martha Stritzel

Die ERP-Systeme auf dem deutschen Markt erscheinen zunehmend gleichartig und austauschbar. Doch regelmäßige Umfragen der ERP Management-Redaktion zeigen stets kleine und größere Unterschiede auf. Der Beitrag fasst die Ergebnisse zum ERP-Marktüberblick zusammen. Aktuell stehen die Funktionsbereiche Produktion und Verkauf im Mittelpunkt. Gerade bei Produktionsmodulen differenzieren die Systeme hinsichtlich des Funktionsumfangs. Eine Feststellung, die nicht auf den Verkaufsbereich zutrifft. Größere Einigkeit herrscht bei den Zukunftsplänen der Anbieter. Anwender dürfen sich auf verbesserte Usability und den Ausbau von Mobility freuen.

Im aktuellen ERP-Marktüberblick finden Interessenten über 100 Systeme für Unternehmensanwendungen, deren 98 Anbieter in der DACH-Region agieren – also für deutschsprachige Anwender den Hersteller oder Dienstleister ganz in der Nähe.

Speziell produzierende Unternehmen, die aktiv ein neues ERP-System suchen, haben eine große Auswahl bei über 300 Nennungen allein im Bereich Fertigung. Weitere Zielgruppen, die in dieser Untersuchung fündig werden, sind Dienstleister und Handelsunternehmen, für die jeweils etwa 60 % der Systeme geeignet sind, sowie Unternehmen mit dem Schwerpunkt E-Business bzw. Web-Shop, für die fast ein Drittel der Systeme geeignet ist. Bild 1 zeigt hierzu einen vollständigen Überblick hinsichtlich der Zielgruppen. Den Teilnehmern war es darüber hinaus erlaubt weitere ihrer Zielgruppen zu nennen; zu diesen gehören z. B. Variantenfertiger (fünf Nennungen), Logistikunternehmen (vier Nennungen) und Projektfertiger (drei Nennungen).


Bild 1: Zielgruppen der untersuchten Systeme.

 
Funktionen
Die Systeme wurden auf drei große Bereiche hin untersucht: Produktion, Verkauf und Logistik sowie wenige wichtige Funktionen, die in einem Allgemein-Teil zusammengefasst sind.
 

Produktion
Die Funktionen der Produktionsplanung und -steuerung sind bei den teilnehmenden ERP-Systemen nicht durchgängig vorhanden – und das, obwohl eine Vielzahl der Systeme diesen Branchenfokus hat. Stellvertretend für alle werden die Betriebsdatenerfassung (BDE), das Supply Chain Management (SCM), das Advanced Planning und Scheduling (APS) sowie der Systemteil Manufacturing Execution System (MES) näher betrachtet (Bild 2).

Die BDE ist eine weitreichende Applikation, die organisatorische oder technische Daten umfassen kann. Mit einer Abdeckung von 81 % zählt sie zu den am häufigsten genannten Funktionsmerkmalen der Untersuchung. Intensives Zusammenarbeiten mit Partnern, Zulieferern und Abnehmern steht beim SCM im Mittelpunkt. Je nach Ausgestaltung können sich die Lieferketten anwenderspezifisch unterschieden und sind damit ein großer Strukturierungsaufwand für alle Teilnehmer [1]. Dieser Herausforderung stellen sich zwei Drittel der untersuchten ERP-Systeme. Eine weitere Lösung für die Planung der komplexen Fertigungsprozesse ist das APS, welches die Datenflut des ERP-Systems sinnvoll für vorausschauende Fertigungskonzepte einsetzt. Etwa die Hälfte der 107 ERP-Systeme des Vergleichs weist eine solche Funktion auf. Zuletzt sei das MES genannt (39 %), das gleich mehrere Funktionen der Feinplanung umfasst und daher als umfassende Anwendung für Fertiger gilt.


Bild 2: Beispiele für Funktionsabdeckung im Produktionsbereich.

Verkaufs-, Logistik- und allgemeine Funktionen
Die Features im Verkaufsbereich betreffen Interessenten und Kunden, Angebote und Aufträge sowie Lieferung und Zahlung. Beinahe alle betrachteten Funktionen werden von über 90 % der Systeme bedient und sind kein Alleinstellungsmerkmal in diesem Vergleich. Es lohnt sich daher für den potenziellen Anwender nach tiefer gehenden Kundenmanagementtools zu fragen.

Eine ähnlich hohe Abdeckung ist auch bei der Logistik festzustellen – über 85 % weisen alle betrachteten Merkmale auf. Lediglich die Tourenverwaltung wird nur von 45 % angeboten und gehört damit zu einem entscheidungsrelevanten Kriterium.

Bei den allgemeinen Funktionen ist die universelle Volltextsuche als ein solches Unterscheidungsmerkmal zu identifizieren. Dennoch haben 70 % der eingereichten Systeme eine solche im höchsten Maße anwenderfreundliche Suchfunktion.

IT-Trends und Usability
Weiterhin konnten Anbieter Ihre Ansichten zu den von Ihnen als wichtig eingeschätzten IT-Trends sowie die Bedeutung von Usability für die Softwareentwicklung mitteilen. Etwa ein Drittel der Anbieter gibt an, vorwiegend Cloud Computing und Mobility als IT-Trend zu erkennen und sich mit diesen Konzepten zu beschäftigen. In diesen Bereichen können Anwender in den kommenden zwei Jahren eine Weiterentwicklung im Portfolio der Anbieter erwarten. Weitere häufiger erwähnte Branchenschlagworte waren Industrie 4.0 (über 20 %) und Big Data (etwa 15 %).

Laut den Angaben der Anbieter spielt Usability bei Ihrer Entwicklungsarbeit eine große Rolle. Besonders unabhängige Hersteller wähnen sich im Vorteil, da sie mit dem Kunden im direkten Kontakt stehen und Verbesserungen schnell umgesetzt und zum Branchenstandard werden können. Die Verbesserung der Usability steht aktuell bei ca. 20 Anbietern auf der Aufgabenliste.

Schlüsselwörter:

ERP-Marktüberblick, Branche, Übersicht, Funktionen, Mobile ERP, ERP-Usability

Literatur:

[1] Gronau, N. (2014): Enterprise Resource Planning – Architektur, Funktionen und Management von ERP-Systemen. 3. Auflage, München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag GmbH.

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