Vertriebsintermediäre im Cloud Computing
Ermittlung von Wertschöpfungspotenzialen

Christian Koot, Tobias Gold und Rainer Schmidt

Cloud-Services für Unternehmen werden in der Regel direkt durch den Leistungsersteller vertrieben. Die Konditionen großer Anbieter sehen dabei typischerweise sinkende Stückkosten bei steigenden Abnahmemengen vor, wodurch sich für Vertriebsintermediäre die Möglichkeit ergibt, durch Zusammenfassung der Nachfrage von Kundenunternehmen Wertschöpfung zu erzielen. Der vorliegende Beitrag untersucht diese Wertschöpfungspotenziale anhand des Beispiels der Nachfrage nach Cloud-Speicher (IaaS) durch KMU. Dazu werden drei Marktanteilsszenarien für den deutschen Markt betrachtet und mögliche Geschäftsmodelle von Vertriebsintermediären einschließlich der Bereitstellung zusätzlicher Services diskutiert.

Tabelle 1: Speichergebühren Amazon S3, Stand: 05.03.2014 [5].

Cloud Computing [1] ist die hoch automatisierte Bereitstellung von standardisierten IT-Services. Aus Nutzersicht sind diese Cloud-Services ohne nennenswerte Verzögerung nutzbar und erfordern kaum anfängliche Investitionen. Steigen die Bedürfnisse des Nutzers, können zusätzliche Kapazitäten nahezu sofort bereitgestellt werden. Die Abrechnung erfolgt grundsätzlich nach Verbrauch.

Abhängig vom organisatorischen Verhältnis zwischen Service-Erbringer und Service-Nutzer wird entweder von einer Public oder einer Private Cloud [2] gesprochen. Bei einer Public Cloud bietet ein unabhängiger Service-Erbringer seine Cloud-Services öffentlich an. Durch die Bündelung einer Vielzahl von Nachfrageprofilen lassen sich hohe Skaleneffekte realisieren. Sich ergänzende Nachfrageprofile ermöglichen eine effiziente Nutzung der eingesetzten Ressourcen. Ein Beispiel ist die Nutzung eines globalen Rechenzentrums durch die Niederlassungen auf unterschiedlichen Kontinenten. Im Falle einer Private Cloud gehören Server-Anbieter und -nutzer der gleichen Organisation, dem gleichen Konzern usw. an.

Tabelle 2: Speichergebühren Google Cloud Storage,
Stand: 05.03.2014 [6].

Private Clouds streben danach, die Effizienzvorteile und Skaleneffekte einer Public Cloud so weit wie möglich zu realisieren, aber auf die Einschaltung externer Partner aus Sicherheitsgründen und anderen grundsätzlichen Überlegungen zu verzichten. Eine in der Praxis häufig gewählte Mischform ist die sogenannte hybride Cloud. Bei ihr werden typischerweise die unternehmenskritischen Services aus der Private Cloud betrieben, während unkritische Services extern bezogen werden. Eine sogenannte Community Cloud ist der Ansatz, die Private Clouds mehrerer Unternehmen zu bündeln, und so höhere Skaleneffekte zu erreichen.

Grundsätzlich werden drei Ebenen von Cloud-Services unterschieden: In-frastructure as a Service (IaaS), Platform as a Service (PaaS) und Software as a Service (SaaS) [3]. Unter IaaS wird die Bereitstellung von Rechenleistung, Speicher und Vernetzung verstanden. In PaaS werden Entwicklungsplattformen bereitgestellt, die zur Anwendungsentwicklung verwendet werden können. Bei SaaS schließlich werden Anwendungen über das Netzwerk bereitgestellt. Während IaaS den höchsten Aufwand bei der Nutzung erfordert, hat SaaS den geringsten Aufwand.

Tabelle 3: Speichergebühren Windows Azure Storage,
Stand: 05.03.2014 [7].

Vertrieb im Cloud Computing
Cloud-Services werden typischerweise direkt vom Anbieter an die Nachfrager vertrieben. Indirekter Vertrieb unter Einschaltung von Vertriebsintermediären (im Sinne von Handelsunternehmen) hat bis heute keine größere Bedeutung erlangt. Abzugrenzen hiervon sind Anbieter, die eigene Leistungsangebote auf Basis von Cloud-Services anbieten (z.B. Dropbox). Diese stellen keine Vertriebsintermediäre im herkömmlichen Sinn dar. Die geringe Verbreitung von Vertriebsintermediären im Kontext von Cloud-Services überrascht, da die degressiven Preismodelle der Anbieter (Tabellen 1 bis 3) und die grundsätzliche Bündelungsmöglichkeit mit zusätzlichen Leistungen die Vorteile des Handels bei der Effektivität und Effizienz der Marktbearbeitung [4] zur Geltung kommen lassen.
 

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Schlüsselwörter:

Cloud Computing, Vertriebsintermediäre, Skaleneffekte

Literatur:

[1] Mell, P.; Grance, T.: The NIST Definition of Cloud Computing, http://csrc.nist.gov/groups/SNS/cloud-computing/ [Zugegriffen: 05. März 2014].
[2] Hofmann, P.; Woods, D.: Cloud Computing: The Limits of Public Clouds for Business Applications. IEEE Internet Comput. 14, 90–93 (2010).
[3] Benatallah, B.; Casati, F.; Daniel, F.; Yu, J.: Mashups, SaaS, and Cloud Computing: Evolutions and Revolutions in the Integration Landscape. Doc. Based Tutor. ICDE. (2009).
[4] Walsh, G.; Deseniss, A.; Kilian, T.: Marketing, 2. Auflage, Wiesbaden, Springer Gabler 2013.
[5] „Amazon S3“ http://aws.amazon.com/de/s3/pricing/ [Zugegriffen: 05. März 2014].
[6] „Cloud Storage — Google Cloud Platform“ https://cloud.google.com/products/cloud-storage/ [Zugegriffen: 05. März 2014].
[7] „Preisdetails – Speicher | Windows Azure“ http://www.windowsazure.com/de-de/pricing/details/storage/ [Zugegriffen: 05. März 2014].
[8] „Gesamtwirtschaft & Umwelt - Unternehmensregister - Unternehmensregister - Statistisches Bundesamt (Destatis)“ https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesamtwirtschaftUmwelt/Unternehm... [Zugegriffen: 05. März 2014].