Aktuelle ERP-Marktuntersuchung - 108 ERP-Systeme im Vergleich

Sandy Eggert

Der ERP-Markt ist sehr vielfältig und zunehmend wird es schwieriger ERP-Anbieter gleicher Branchenausrichtung zu unterscheiden. Im folgenden Beitrag finden Sie die Ergebnisse der aktuellen Marktübersicht der Zeitschrift ERP Management. Schwerpunkt der Funktionsabfragen waren die Bereiche CRM und Produktion. Weiterhin wurden die Angebote in den Bereiche Support und Betreibermodelle abgefragt.

Im aktuellen ERP-Marktüberblick werden 108 Lösungen von ca. 100 Anbietern, die in der DACH-Region agieren und zum Teil auch internationale Ausrichtungen haben, vorgestellt.

Handel, Fertigung (Kleinserienfertigung, Einmalfertigung sowie Serienfertigung) und Dienstleistung sind stark vertretene Zielgruppen dieser Recherche. Bild 1 zeigt hierzu einen vollständigen Überblick hinsichtlich der Zielgruppen.

 


Bild 1: Zielgruppen der untersuchten Systeme.

 

Branchenabdeckung

Die speziellen Anforderungen des Handels sowie des Maschinenbaus werden von mehr als 60 % der teilgenommenen Systeme angeboten. Ca. 60 % der Systeme sind zudem branchenübergreifend einsetzbar. Weitere stark abgedeckte Branchen sind: Metallverarbeitung, Elektroindustrie und der Anlagenbau.
 

CRM-Funktionen

Die Systeme wurden auf die Bereiche CRM und Produktion genauer untersucht. Dabei wurden die Abfragebereiche in die unterschiedlichen Bereiche des CRM aufgeteilt: operatives, kommunikatives und analytisches CRM. Im Bereich des operativen CRM wird von nahezu allen Systemen das Kunden- bzw. Adressmanagement abgedeckt. 

Dokumentenmanagement-Funktionen, wie die Verwaltung von Kundenakten, Kontakt-, Termin-, Vorgangs- und Projektmanagement werden von ca. 90 % der Systeme angeboten. 

Innerhalb des kommunikativen CRM werden die E-Mail- und Office-Integration von ca. 90 % der Systeme abgedeckt. Auch Serienmailfunktionen, E-Mail-Kampagnenmanagement und eine CTI-Integration bieten ca. 80 % der Systeme an. 

Im Bereich des analytischen CRM werden vorrangig Funktionen zum Reporting und Projektauswertung angeboten. Weitere wichtige Funktionen des analytischen CRM, wie Wettbewerbs- und Zielgruppenanalysen sowie BI-Analysen (OLAP, Data Mining) bieten leider nur ca. die Hälfte der untersuchten Systeme an. Bild 2 verdeutlicht die Funktionsabdeckung im Bereich analytisches CRM.

 


Bild 2: Funktionen im Bereich analytisches CRM.

 

Produktion

Im Bereich der Produktion werden von mehr als 80 % der Systeme die Funktionen der Arbeitsplan- und Stücklistenverwaltung, Materialbedarfsplanung sowie der Betriebsdatenerfassung angeboten. Weiterhin liegt ein hoher Abdeckungsgrad in der Fertigungsauftragsbearbeitung mit den Funktionen: Fertigungsauftragsfreigabe und -durchführung, Fertigungsauftragsfeinplanung, Arbeitsplan- und Stücklistenverwaltung sowie Fertigungsleitstand. Im Bild 3 wird die Abdeckung der Funktionen aus dem Bereich Produktion dargestellt.
 

Einführungsmethoden

Viele Anbieter bieten ausschließlich klassische Softwareeinführungsmethoden basierend auf dem klassischen Wasserfallmodell oder auch dem V-Modell an. Einige Anbieter bieten zudem auch agile Methoden zur ERP-Einführung, wie z. B. Scrum an. Zudem stellen Anbieter zum Teil auch eigene Tools zur Unterstützung des Einführungsprojektes zur Verfügung. Diese sind für den Anwender teilweise sogar kostenpflichtig.
 

Betreibermodelle

Hier werden entsprechend der Antworten vor allem on premise, Hosting und Cloud Computing unterschieden. Am häufigsten wird im Rahmen der Recherche die Betreiberart on premise, also das herkömmliche Betreiben auf dem Kundenserver angeboten. Hinzu kommen Hosting-Angebote. Hosting bedeutet im Allgemeinen das Betreiben der ERP-Lösung über Fremdanbieter. Hierfür entscheiden sich oft Anbieter, die keine IT-Ressourcen im Unternehmen haben, weil sie sich stärker auf ihr Kerngeschäft konzentrieren wollen [1]. Auch die Anzahl an Anbietern, die ihre Lösung per Cloud Computing anbieten steigt zunehmend. Das Grundprinzip von Cloud Computing ist die gemietete, ortsunabhängige, webbasierte Bereitstellung der IT-Lösung [2]. Cloud Computing ist damit ein verbrauchsabhängiges Mietmodell, bei dem der tatsächliche Ressourcenverbrauch je User flexibel gestaltet und abgerechnet werden kann [3]. Dies erhöht letztlich auch die Flexibilität der ERP-Anwender. 

 


Bild 3: Funktionsabdeckung im Bereiche Produktion.

 

Fazit

Die Marktübersicht zeigt ein deutlich höheres Angebot an Lösungen, die auch per Cloud Computing betrieben werden können. Dies bietet enorme Vorteile für mittelständische Unternehmen. Um auch die Akzeptanz für eine Cloud-Nutzung zu erhöhen, müssen die ERP-Anbieter die Sicherheitsaspekte im Cloud-Betrieb noch stärker hervorheben.    

Die vollständige Marktübersicht erhalten Sie hier

 

 

Schlüsselwörter:

ERP-Marktüberblick, Branche, Übersicht, Funktionen, CRM, Support, Betreibermodelle

Literatur:

[1] Eggert, S.: ERP in der Cloud - Wie können sich Cloud-Anwender rechtlich absichern?, In: ERP Management 1/2011, S. 34-36.
[2] Braß, D.; Zimermann, R.: Software as a Service – am Beispiel einer Business Intelligence-Lösung in der Logistik. In: Fröschle, H.-P.; Reinheimer, S. (Hrsg.): Cloud Computing & SaaS. HMD Heft 275. dpunkt Verlag. 2010.
[3] Repschläger, J., Pannicke, D.; Zernekow, R.: Cloud Computing: Definitionen, Geschäftsmodelle und Entwicklungspotenziale. In: Fröschle, H.-P.; Reinheimer, S. (Hrsg.): Cloud Computing & SaaS. HMD Heft 275. dpunkt Verlag. 2010.