Der Mittelstand wird digital

Andree Stachowski, Geschäftsführer proALPHA

Industrie 4.0 ist bereits in vielen Unternehmen angekommen. Das zeigt eine gemeinsame Studie von Pierre Audoin Consultants (PAC) Deutschland und proALPHA. Mehr als 100 IT- und Fachbereichsverantwortliche wurden für die Studie dazu befragt, welche Chancen und Herausforderungen sie durch die Digitalisierung und Industrie 4.0 sehen und welche Rolle ERP-Lösungen dabei spielen.

71 % der befragten Unternehmen gaben an, bereits Industrie 4.0-Projekte gestartet zu haben. Ein Drittel der Teilnehmer an der Studie betrachtet die Digitalisierung als nicht viel mehr als ein „Buzzword“ oder prüft beziehungsweise evaluiert momentan noch den potenziellen Mehrwert von Industrie 4.0-Inititativen. Ein großer Teil (92 %) erhofft sich durch die Digitalisierung optimierte Prozesse und dadurch mehr Effizienz im Unternehmen. Im Fokus stehen dabei Serviceleistungen für Kunden und die Erwartung, besser auf deren Wünsche eingehen zu können (72 %). 

Von Organisation über Wissen bis Technik – alles spielt zusammen
Für den Erfolg von Industrie 4.0-Projekten sind verschiedene Faktoren entscheidend: 82 % der Befragten erwarten, dass die Geschäftsleitung die Digitalisierung vorantreibt. Dabei ist diese Einschätzung bei den Fachbereichen mit 90 % stärker ausgeprägt als bei den IT-Verantwortlichen mit 75 %. Als ebenfalls wichtig erachtet werden die abteilungsübergreifende Zusammenarbeit mit 89 % und die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern. Circa 90 % der Unternehmen geben an, dass für erfolgreiche Industrie 4.0-Projekte moderne ERP-Systeme notwendig sind. Ein großer Teil der vorhandenen Systeme erfüllt die entsprechenden Anforderungen jedoch noch nicht: 57 % der Befragten schätzen ihr ERP-System als zu starr ein, um damit erfolgreiche Prozesse zu verbessern. In der Konsequenz wollen mehr als 60 % der Unternehmen in den kommenden zwei Jahren ihre ERP-Systeme modernisieren und haben dafür bereits Budget eingeplant. Das Zusammenspiel von Management, Mitarbeitern und Technik bildet somit die Basis für erfolgreiche Industrie 4.0-Projekte. 

Starten – gern mit kleinen Schritten 
Insgesamt beinhaltet die Digitalisierung mehr Chancen als Risiken. Die richtige Digitalisierung entscheidet über die Wettbewerbsfähigkeit und damit die künftige Position des eigenen Unternehmens am Markt. Es gilt, Erfahrungen zu sammeln und darauf aufzubauen, statt abzuwarten.
Denn durch die Digitalisierung entstehen neue Geschäftsmodelle, Produkte, Services und digitale Plattformen. In der produzierenden Industrie gibt es mittlerweile genügend Beispiele, etwa von Unternehmen wie Trumpf, Festo oder Bosch. Möglichkeiten bieten sich auch im Mittelstand beispielsweise über erste Pay-per-Use-/Performance-Modelle. Industrie 4.0 wird jedoch in vielen Fällen noch vor allem mit der effizienten Produktion in Verbindung gebracht, insbesondere in Deutschland. In anderen Ländern liegt der Fokus viel stärker auf digitalen Services. Dafür ist es jedoch notwendig, die eigene Komfortzone zu verlassen und ungewohnte Perspektiven zu nutzen. 
Die eigenen Ziele eines Digitalisierungsprojekts sind von Anfang an klar zu definieren. Dennoch bedeutet ein Start in Richtung Digitalisierung nicht sofort eine Umstellung des kompletten Unternehmens: In vielen Fällen bringen kleine Schritte bereits deutliche Verbesserungen. Ein Beispiel: proALPHA hat einen Prototyp auf Basis eines Raspberry Pi entwickelt, der eine direkte Ansteuerung von Produktionsmaschinen aus dem ERP-System heraus möglich macht. Gemeinsam mit dem Pilotkunden des Systems, der Günther Spelsberg GmbH + Co. KG, wurde der Prototyp in einem Proof of Concept getestet. 
Schlüsseltechnologien des Projekts waren ein ERP-Schnittstellenmodul sowie der vergleichsweise simple Einplatinenrechner Raspberry Pi. Dieser erhält vom Schnittstellenmodul maschinenlesbar aufbereitete Produktionsbefehle aus dem ERP, die er anschließend direkt an die Maschine weiter kommuniziert. Auf diese Weise lassen sich Maschinen automatisch steuern, die ursprünglich dafür gar nicht vorgesehen waren. Über einen Rückkanal wird der jeweilige Produktionsfortschritt an das ERP-System gemeldet, sodass dieses die Fertigung auf Basis von Echtzeitdaten steuert. 
Die Fähigkeit eines ERP-Systems, alle für den Produktions- und Logistikprozess benötigten Ressourcen zu erfassen und zu verteilen, prädestiniert es als Leitinstanz der modernen Fertigung. In Zukunft werden diese Systeme weitere, produktionsnahe Aufgaben übernehmen. Das Beispiel zeigt, wie einfach der Einstieg in das Thema Industrie 4.0 sein kann. 
Wer noch evaluiert, welche Schritte die eigene Digitalisierungsstrategie enthält, sollte ebenso einen Blick auf sein ERP werfen: Nicht alle vorhandenen ERP-Systeme erfüllen die Anforderungen an Integrationsfähigkeit, Flexibilität oder mobile Einsatzfähigkeit. Denn nur wenn die technischen Voraussetzungen vorhanden sind, lassen sich die Potentiale der Digitalisierung umfassend nutzbar machen. 

Mehr dazu unter https://web.proalpha.com/digitalisierung-im-mittelstand