Digitalisierung, ERP-Digitalisierung, ERP-Technologie

Cloud Computing

Heiko Janssen im Interview mit der Redaktion der Zeitschrift ERP Management

15. Januar 2016

Cloud Computing

Im Interview zum Thema Cloud Computing beleuchtet Heiko Janssen welche Vorteile der Einsatz dieser Betriebsform bringt. Vor dem aktiven Einsatz muss jedoch auch eine konsequente Aufgabenverteilung für das Management und der IT-Abteilung erfolgen.

Welche Vorteile bestehen speziell für mittelständische Unternehmen durch die Nutzung von Cloud Computing?

Cloud Computing bietet Unternehmen die Möglichkeit, IT-Leistungen bedarfsgerecht und flexibel in Echtzeit als Service über das Internet zu beziehen oder innerhalb eines Firmennetzwerks bereitgestellt zu bekommen. Das bedeutet gerade für mittelständische Unternehmen, dass fertige Lösungen, die die eigenen Geschäftsprozesse unterstützen, nutzbar sind, ohne interne Belastung mit Entwicklung und Betrieb der Lösungen. Da dem Mittelstand nur vergleichsweise kleine IT-Organisationen zur Verfügung stehen, ist es hier besonders sinnvoll, den Standardbetrieb einzukaufen. So kann sich die IT-Abteilung auf das IT-Management, also die Steuerung der zugekauften Services, konzentrieren und nutzt ihr Potenzial zur Unterstützung des Geschäftsbetriebes in Form von Prozess- und IT-Beratung. Durch die Fokussierung der geschäftskritischen Themen und der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema Cloud Computing können nach und nach auch weitere Bereiche in die Cloud verlagert werden.

Wie räumen Sie Bedenken zur Datensicherheit aus?

Das Thema Datensicherheit lässt sich nicht ausräumen. Wie in den ‚klassischen‘ IT-Umgebungen muss die Geschäftsleitung auch beim Cloud Computing den Themen Governance, Risikomanagement, Compliance sowie Datenschutz und Datensicherheit besondere Aufmerksamkeit schenken. Cloud-spezifische Herausforderungen gibt es sowohl hinsichtlich Vertraulichkeit und Integrität der Daten als auch bei der Integration von Cloud-Services in bestehende Business-Continuity- und Incident Management-Prozesse.

Eine aktive Auseinandersetzung mit den rechtlichen und vertraglichen Bedingungen zu den angebotenen Cloud-Services ist unabdingbar und gehört zur Führungsverantwortung. Ein enger Dialog zwischen dem IT-Leiter und der Geschäftsführung ist dabei enorm wichtig. Hier sollten die Rahmenbedingungen aus Sicht des Datenschutzes und der Datensicherheit eindeutig definiert und mit den möglichen Risiken abgewogen werden. Das Telekommunikationsgesetz und das Bundesdatenschutzgesetz legen alle relevanten Inhalte fest, die bei einer Risikoanalyse zu beachten sind. Die Einhaltung gesetzlicher und unternehmenseigener Vorgaben können dann im Vertrag sichergestellt werden.

Sicherheitsbedenken dürfen nicht als Argument gegen eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Cloud Computing vorgeschoben werden. In der Praxis ist dies oftmals der Fall. Dabei ist beispielsweise E-Mail-Verkehr wesentlich sicherheitsanfälliger als Rechenleistungen von Amazon aus der Cloud zu beziehen. Würde man E-Mailing mit der gleichen Einstellung beurteilen wie Cloud Computing, könnte man die Kommunikation im Unternehmen sofort einstellen.

Ein international tätiger, hochspezialisierter IT-Dienstleister, für den Cloud-Services zum Kerngeschäft gehören, kennt sich beim Thema Datensicherheit in jedem Fall besser aus als ein mittelständisches Unternehmen. Zudem sind Sicherheit und Zuverlässigkeit Grundvoraussetzung für vertrauensbasierte Geschäftsbeziehungen. Ohne diese wird kein Dienstleister auf Dauer erfolgreich sein können.

Welche organisatorischen Entwicklungen muss das Unternehmen zur effizienten Nutzung von Cloud Computing vornehmen?

Zunächst gilt die Maßgabe „Chefsache IT“ – sprich der Austausch auf Augenhöhe zwischen der IT und dem Management. Beide müssen „dieselbe Sprache sprechen“. Das Management muss wissen und einschätzen können, wie abhängig das Geschäft von der Zuverlässigkeit und dem sicheren Funktionieren der IT ist. Daneben muss es sich zu einer klaren Haltung bekennen, wie innovativ und aktiv impulsgebend es die IT-Systeme und -Lösungen einsetzen möchte.

Um die IT zu einem Erfolgsfaktor zu machen, braucht ein Unternehmen eine klare Zielvorstellung: Aus der Geschäftsstrategie wird die IT-Strategie abgeleitet. Sie ist der Hebel, um die technischen Möglichkeiten mit den Erfordernissen der Geschäftsstrategie in Einklang zu bringen. In der IT-Strategie müssen zum einen die IT-Fähigkeiten, die erforderlich sind, um die geschäftsstrategischen Vorgaben erfüllen zu können, abgebildet werden. Daneben muss die IT-Strategie beantworten, wie das Unternehmen die erforderlichen Kompetenzen wirtschaftlich und gesetzeskonform auf Dauer bereitstellen kann. Schließlich muss aus der IT-Strategie eine konkrete Roadmap abgeleitet werden.

Für den Erfolg eines Unternehmens ist es wichtig, dass die Aspekte des Geschäftes und die der IT möglichst effizient aufeinander abgestimmt werden. Gelingt diese Fokussierung auf das Geschäft und der notwendige Umbau der IT-Organisation, dann können die Möglichkeiten von IT-Trends, wie z.B. Cloud Computing im Zuge der Strategieumsetzung nutzbar gemacht werden.

Sehen Sie Alternativen zu Cloud Computing mit ähnlichen Vorteilen?

Cloud Computing wird sich auf jeden Fall durchsetzen. Wir Deutschen agieren hier noch deutlich konservativer und vorsichtiger als andere – allen voran die Amerikaner. Aber auch im europäischen Ausland, wie in den Niederlanden oder Skandinavien, ist die Anzahl der eingesetzten Cloud-Lösungen deutlich höher.

Eine Alternative stellen eigentlich nur Kombinationen aus Servicemodellen von Cloud Computing und deren Betriebsformen – also individuell zusammengestellte Cloud-Lösungen – dar. Mögliche Servicemodelle sind Software-as-a-Service, Platform-as-a-Service oder Infrastructure-as-a-Service. Diese können individuell kombiniert werden mit den Betreibermodellen Public Cloud, Private Cloud und Hybrid Cloud.

Ein erster Schritt für mittelständische Unternehmen kann z.B. die Private Cloud für Software-as-a-Service-Lösungen sein, da hier der Datenschutz weiterhin zu Verunsicherung führt.

Wie entwickelt sich Ihrer Meinung nach der Gebrauch von Cloud Computing im Zusammenhang mit ERP-Systemen/Unternehmensanwendungen?

Die meisten ERP-Plattformen stehen mit Blick auf Cloud-fähige Lösungen vor einem radikalen Umbruch ihrer Architektur. Viele Systeme sind zu modernisieren. Hierbei spielt nicht nur die reine Cloud-Fähigkeit, also die Nutzung über das Internet eine Rolle. Vielmehr werden die Integrationsanforderungen an die Systeme steigen. Kleinere Anpassungen an den bestehenden Systemen werden nicht ausreichen.

Es gibt erste Produkte am Markt, welche diesen Anforderungen plattformseitig gerecht werden und alte monolithische Strukturen durch ein Cloud-fähiges System ersetzen. Sicherlich fehlt es hier noch an weiteren Bausteinen, die den Einsatz in verschiedenen Branchen und Unternehmensgrößen möglich machen. Aber die Basis ist vorhanden und es werden weitere Lösungen anderer Anbieter folgen.

Generell werden monolithische Systeme mehr und mehr aufgebrochen. In diesem Zusammenhang wird auch das Thema IT-Orchestrierung eine immer wichtigere Rolle spielen. Es gilt, die Systemebene so zu konfigurieren, dass die einzelnen IT-Systeme modulweise ineinandergreifen und das Zusammenspiel der Module einwandfrei funktioniert.    







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