Digitalisierung

Digitale Technologien in der Fertigungsindustrie

Digitalisierung im Spannungsfeld von Effizienzsteigerungen und stärkerer Kundenausrichtung

15. Dezember 2019 von Stefanie Naujoks

Digitale Technologien in der Fertigungsindustrie

Fertigungsunternehmen stehen heute zwei großen Herausforderungen gegenüber. Zum einen der globale Wettbewerb, der einen globalen Preisdruck mit sich bringt und damit den Druck auf die Unternehmen erhöht, die Effizienz ihrer Prozesse weiter zu verbessern. Zum anderen sind da die Anforderungen des Marktes, die immer schnelllebiger und komplexer werden.

Während Effizienzsteigerungen in der Produktion seit jeher zum Selbstverständnis gerade der deutschen Fertigungsindustrie gehören, hat das Thema Kundenorientierung noch keinen vergleichbar hohen Stellenwert. Im Konsumgüterbereich ist das durchaus schon so, aber wie sieht es beispielsweise im deutschen Maschinen- und Anlagenbau aus, also im B2B-Bereich? Während es Unternehmen gibt, die ihre Strategie ganz zentral am Kunden ausrichten, ist die Mehrheit der vor allem mittelständischen Unternehmen davon noch recht weit entfernt. Gründe dafür sind volle Auftragsbücher und die grundsätzliche Einstellung, diese neuen Themen auch später noch bearbeiten zu können.

Warum ist es aber wichtig für Fertigungsunternehmen, sich stärker auf den Kunden auszurichten und sich mehr auf seine Bedürfnisse einzustellen?

Der Ursprung liegt in den individuellen Erfahrungen und Erwartungshaltungen im privaten Konsumbereich, wo Kunden es zunehmend gewohnt sind, online Produkte zu bestellen, die bereits am Tag darauf geliefert werden. Zudem werden Produktinnovationen immer schneller im Markt verfügbar, und wenn bei einem Produkt die Servicequalität nicht stimmt, ist die Wechselbereitschaft zu einem anderen Anbieter sehr hoch. Auch die Preissensitivität ist aufgrund zahlloser Preisvergleichsplattformen im Internet sehr hoch, und Kunden erwarten immer höhere Individualisierungsgrade. 

Je mehr sich private Kunden an die Erfüllung ihrer Kundenwünsche gewöhnen, desto eher erwarten sie das auch im Geschäftsumfeld. Der Einkäufer bei einem Geschäftskunden bestellt im Zweifelsfall privat seine Produkte unkompliziert im Internet, erwartet kurze Lieferzeiten und einen erstklassigen, reibungslosen Reparaturservice, sollte dieser einmal notwendig werden. Und genau diese Erwartungshaltung wird er künftig auch gegenüber seinen geschäftlichen Lieferanten haben.

In dem jährlich durchgeführten Survey der teknowlogy Group bestätigten 39 % der befragten Unternehmen, dass das Sicherstellen von Agilität und Innovationskraft eine große Herausforderung für sie ist. Dabei geht es unter anderem um die Fähigkeit, angemessen auf sich immer schneller verändernde und komplexer werdende Kundenanforderungen reagieren zu können. Das Thema Effizienzsteigerung ist für 52 % der befragten Unternehmen eine große Herausforderung (Bild 1).


Bild 1: Ergebnisse des CxO Survey 2019 der teknowlogy Group.

Unternehmen begegnen diesen Herausforderungen zunehmend mit der digitalen Transformation ihrer Prozesse. Dabei spielen vor allem neue, digitale Technologien eine wichtige Rolle, wie z. B. das Internet of Things (IoT), künstliche Intelligenz (KI), Augmented Reality (AR), Wearables, 3D-Druck oder neue Produktionskonzepte. 

„Connected-Worker“-Lösungen

Darunter werden digitale Arbeitsunterstützungssysteme verstanden, die helfen sollen, Arbeitsentscheidungen, -qualität und -effizienz einzelner Mitarbeiter zu verbessern. Mitarbeiter werden mit mobilen Geräten ausgestattet (z. B. Tablets, Smart Watches, Wearables, Smart Glasses oder Kopfdisplays) und an Applikationen des Unternehmens angebunden. Entsprechende Lösungen nutzen Augmented Reality (AR) oder andere Visualisierungstechnologien, um Montage-, Reparatur- oder Kommissionieranweisungen auf ihren Geräten anzuzeigen. Darüber hinaus können Mitarbeiter über Sensoren (z. B. Kameras) auch Daten erfassen. Die Effizienz der Mitarbeiter wird dadurch gesteigert, dass sie ihre Aufgaben freihändig und mit einer geringeren Fehlerwahrscheinlichkeit ausführen können. Letzteres ist auch der Grund, warum Connected-Worker-Lösungen geeignet sind, den Fachkräftemangel zu überwinden, der heute in vielen Branchen eine große Herausforderung ist. 

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