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Die CeBIT wird zur Zombie-Messe

18. Mai 2015

Dr. ERPel erinnert sich noch an die Zeit um das Jahr 2000 herum, als die jedes Frühjahr stattfindende CeBIT wirklich so etwas wie die Krönungsmesse der IT-Branche war. Jeder traf dort jeden, die Kunden informierten sich über neue Produkte und Angebote und im Marketingkalender eines jeden ERP-Anbieters wurde teilweise mehrere Monate lang auf die CeBIT hingearbeitet. Das fachliche Niveau war sehr hoch und auch die liebevoll als Beutelratten titulierten Jugendlichen, die nach Kugelschreibern und Gummibärchen suchten, störten nicht wirklich.

„Sind Cocktails wirklich Fachinformation?“ 

Inzwischen, und das konnte Dr. ERPel auf der diesjährigen CeBIT wieder eindrücklich beobachten, ist diese Messe zu einem Zombie verkommen. Sie ist eigentlich schon tot, aber hat es noch nicht gemerkt und zuckt daher noch verzweifelt. Von einem Überblick über den ERP-Markt kann man keinesfalls mehr sprechen. Nur noch einige wenige Anbieter halten diesem Messetermin die Treue, teilweise allerdings auf Kleinstständen im Format eines iPad Mini. Andere Anbieter unternehmen verzweifelte Maßnahmen, um doch noch den einen oder anderen Kontakt zu erwischen, stellen sich breitbeinig in den Weg, verteilen Gummibärchen oder bieten wenigstens Erfrischungen, Salate, gut gemischte Drinks und ähnliches an. Aber ist das Fachinformation? Dr. ERPel glaubt, das sei nicht der Fall.

„Die CeBIT ist tot, zuckt aber noch“ 

Die Messegesellschaft selbst hat auch noch nicht gemerkt, dass sich die Zeiten geändert haben und dass eine Messe früher ein Instrument der Fach- information war. Sie setzt jetzt auf Spiel, Spaß und Unterhaltung und sieht das Messegelände in Hannover als ganz großen Abenteuerspielplatz. ERP-Anbietern ist von einer Beteiligung an der Messe CeBIT dringend abzuraten! Wenn Sie fertigungsnahe Software anbieten: bitte gehen Sie auf die Hannover Industrie Messe! Der Branchentreffpunkt des deutschsprachigen ERP-Marktes mit einer sehr großen Abdeckung von Anbietern ist jedes Jahr die Messe IT & Business, deren Besuch sich immer lohnt, weil es dort um Fachinformation geht und nicht um Abenteuerspielplätze.

Dr. ERPel

 

Innovation und ERP

Dr. ERPel ist Kunde der großen Dienstleistungsunternehmen Deutsche Bahn und Lufthansa. Bei der Deutschen Bahn fällt ihm auf, dass es in den letzten 25 Jahren praktisch keine für den Kunden erkennbare (oder gar mit Verbesserungen verbundene) Innovation mehr gab. Vor 25 Jahren wurde der ICE erfunden, die letzte Innovation dieses Unternehmens, damals noch als Staatsbahn. Die Bahn verfährt nach dem einfachen Prinzip: Sind die Züge in die Jahre gekommen, werden sie genau so wieder hergerichtet, wie sie damals waren. Neue Sitzlayouts, neue „Customer Experiences“ sind komplette Fehlanzeige. Stattdessen kokettiert der Verspätungsgenerator mit Ideen wie „E-Bike-Transport im ICE“. Schade, dass nicht mal der normale Fahrradtransport im ICE ermöglicht wird.

„Ansonsten beschränkt sich die Bahn darauf, ideenlos den Mangel zu verwalten“

Leider nicht viel anders ist die Situation bei der Lufthansa. Geld verdient das Unternehmen mit den gut zahlenden Fluggästen der Business und First Class. Dennoch geriert sich das Unternehmen mit der Nachahmer-Innovation eines Pseudo-Billigfliegers, der nichts besser macht als z B. easyjet (vgl. dazu die Kolumne von Dr. ERPel in ERP Management 4/2014). Die neueste Idee der müden Lufthanseaten ist es jetzt, den gerade eingeführten Billigflieger nochmal umzubenennen.

„Umbenennung als Innovationsersatz“

Lassen sich diese schlechten Erfahrungen, die man täglich erfahren und erfliegen kann, auf die ERP-Branche übertragen? Nein, findet Dr. ERPel. Ein großer Anbieter ist sehr innovativ, z. B. durch Erfindung einer hauptspeicherresidenten Datenbank, andere große Anbieter feilen intensiv an ihren Preislisten, um auch den letzten Euro noch aus ihren Bestandskunden herauskitzeln zu können. 

„Was machen die mittelständischen ERP-Anbieter?“

Die mittelständischen ERP-Anbieter haben kein Innovationsproblem. Dr. ERPel traf in den letzten Jahren eine faszinierende Vielfalt von innovativen und spannenden Lösungen in allen architektonischen Bereichen eines ERP-Systems, von der Architektur über die Funktionalität, die Integrationsfähigkeit bis zur Benutzungsoberfläche. So verfügen einige Anbieter über außerordentlich pfiffige Entwicklungsumgebungen, mit denen sie individuelle Lösungen für ihre Kunden gemeinsam verwalten und upgraden können.
Allerdings haben viele ERP-Mittelständler ein Kommunikationsproblem. Tolle Ideen, klasse umgesetzt, aber keiner weiß es. Dr. ERPel fordert daher, die Innovation auch nach dem Ausmaß ihrer Verkündung zu bewerten. DB und Lufthansa würden immer noch schlecht abschneiden, aber die mittelständischen ERP-Anbieter könnten hier glänzen. ERP Management wäre übrigens ein prima Medium für die Veröffentlichung derartiger Innovationen.

Dr. ERPel

ERP-Systeme sind orange

Dr. ERPel weiß, dass viele ERP-Anbieter besonderen Wert auf das äußere Erscheinungsbild ihres Logos oder ihrer Marke legen. Wehe, wenn z. B. in dieser Zeitschrift ein Logo nicht vollständig in der richtigen Farbe oder an der richtigen Stelle abgedruckt wurde oder aus Versehen noch ein veraltetes Logo gewählt wurde. Dann ist der ERP-Anbieter furchtbar böse.

Den Zusammenhang zwischen der Qualität des Logos und dem Erfolg im Verkauf von ERP-Systemen konnte Dr. ERPel allerdings noch niemand erklären.

„Beim falschen Logo wird der Anbieter böse“

Nun macht Deutschlands größter ERP-Anbieter, die SAP AG, einen Versuch, mit einem neuen Logo ihr Image deutlich aufzupolieren. Statt in technologieorientiertem Blau mit einer scharfen Spitze erscheint das neue SAP-Logo jetzt in orange. Vermutlich wurde die Farbe nicht wegen der populären US-Fernsehserie „Orange is the new black“ gewählt? Dr. ERPel vermutet andere Gründe hinter der Farbwahl.

„Is orange the new black?“

Vor einigen Jahren musste die SAP AG sehr stark sparen und so wurde auch die Reisekostenrichtlinie angepasst. Statt luxuriöser Business Class-Sessel mussten die verdienten SAP-Mitarbeiter jetzt auf Billigfluglinien ausweichen. So erklärt es sich sicher, denkt Dr. ERPel, dass müde SAP-Mitarbeiter dann auch mit EasyJet geflogen sind. Diese Fluglinie hat ein orangefarbenes Logo und insgesamt einen in der Farbe orange gehaltenen Auftritt und, was für SAP viel bedeutsamer ist, ein sehr einfaches und für jeden sofort durchschaubares Tarifmodell und Angebot im Flugzeug.

„Wird jetzt auch bei SAP alles easy?“

Dr. ERPel vermutet, dass auch die Marketingabteilung einige Male mit EasyJet geflogen ist und festgestellt hat, wie einfach das geht und wie viel weniger gequält als die Lufthansa-Mitarbeiter der Service bei EasyJet funktioniert. Jetzt versucht man es auch bei SAP einmal mit einer neuen Farbe . Dr. ERPel wartet nun natürlich darauf, dass die übrigen Leistungsmerkmale von EasyJet auch noch auf die SAP-Software übertragen werden. Bei der Lizensierung würden sich alle Kunden freuen.

Und dann hat Dr. ERPel noch eine ganz andere Vermutung, warum SAP jetzt orange geworden ist: diese Zeitschrift ERP Management erscheint doch auch mit einer orangefarbenen Farbanmutung. Vermutlich passt sich SAP endlich an den Markttrend an.

Dr. ERPel

Gibt es eigentlich IBM noch?

Vor einigen Jahren feierte IBM das hundertjährige Bestehen der Firma. Unglaublich viel hat das Unternehmen in diesen 100 Jahren geleistet und sich mehrfach komplett neu orientiert.

„IBM hat sich immer wieder neu erfunden“

Wenn IBM nicht in den 1980er Jahren den Personal Computer offengelegt hätte, hätte der PC-Boom sicher nicht in der Form und mit den Auswirkungen stattgefunden. Ebenso hat IBM kurzzeitig mit OS/2 sogar das wesentlich bessere Betriebssystem gegenüber Windows gehabt. Hardwareentwicklungen von IBM haben die Weiterentwicklung der gesamten Bandbreite von Rechnerarchitekturen massiv beeinflusst. Die Datenbank DB/2 war wegweisend. Mit der 1997 von IBM übernommenen Groupwarelösung Notes/Domino entstand ein Angebot für das semistrukturierte Dokumentenmanagement, das jahrelang gegenüber Sharepoint/Exchange oder den Open Source-Lösungen einen Vorsprung von mehr als zwei Jahren hatte.

„Was ist davon übrig?“

Heute scheint IBM die Lust an der Innovation vollständig verloren zu haben. Die Hardware wird an die Chinesen verkauft, die Software nicht mehr oder nur äußerst schlampig weiterentwickelt. IBM sei jetzt eine Service-Company, heißt es. Services sind aber, anders als Hard- oder Software, sehr leicht ersetzbar oder auf andere Anbieter übertragbar. IBM hat immer noch tolle Produkte im Angebot, aber keiner weiß davon; nicht einmal die Kunden, die diese Produkte einsetzen. Wer die oben schon genannte Groupware, mit der Workflows gebaut, Webanwendungen gestaltet und semantisch reichhaltige Anwendungen entwickelt werden können, als Mailsystem vermarktet, darf sich nicht wundern, wenn die Kunden in Scharen zur (inhaltlich und architektonisch deutlich schlechteren) Konkurrenz abwandern. Stattdessen werden z. B. im Bereich Wissensmanagement Softwareklöpse entwickelt, die höchstens drei Zielkunden im gesamten Sonnensystem interessieren könnten. Leider haben diese Zielkunden auch dafür gerade kein Geld übrig und so sterben auch diese Initiativen.

„In fünf Jahren ist IBM weg“

Dr. ERPel sieht und hört heute immer noch von IBM. Allerdings scheint sich die Situation dramatisch verändert zu haben. Die IBM-Chefin bittet gnädig um Audienz bei Apple-Chef Tim Cook. Der hat IBM vor vielen Jahren fluchend verlassen und führt nun das zukunftsträchtigste Unternehmen der Erde. Heraus kamen 100 neue Apps und das Versprechen, sich besonders gut um die IBM-Kunden zu kümmern, die Apple-Geräte einsetzen.

Dr. ERPel meint: Wie tief ist IBM gesunken? Von der Hardware zur Software, von der Software zur Dienstleistung und von der Dienstleistung direkt ins Nirvana. Dr ERPel wettet, dass es IBM als eigenständiges Unternehmen in fünf Jahren, also im Jahr 2020, nicht mehr geben wird. Wettet jemand dagegen?

Dr. ERPel







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