ERP Auswahl

Die besten ERP-Systeme 2020

So hat die Jury entschieden

14. Dezember 2020 von Norbert Gronau und Clementine Bertheau

Die besten ERP-Systeme 2020

Traditionell im Herbst kürt das Center for Enterprise Research an der Universität Potsdam jedes Jahr die ERP-Systeme des Jahres. Die feierliche Preisverleihung in Frankfurt am Main am 14. Oktober folgte auch in diesem Jahr auf einen mehrere Monate dauernden hochspannenden Wettbewerb zwischen 29 Systemen in den Kategorien Startup ERP, Plattform ERP, ERP für die Hightech Industrie, Automotive ERP und Internationales ERP. Zusätzlich hat auch in diesem Jahr ein ERP-System die Jury als beste Lösung für kleine und mittelständische Unternehmen überzeugt und wurde mit dem KMU Sonderpreis belohnt. Die Besonderheit in diesem Jahr: Die Live-Präsentationen und die Preisverleihung fanden im Rahmen des ersten hybriden ERP-Kongress statt. Wer die diesjährigen Gewinner sind und wie es zu dieser Entscheidung kam, wird im Folgenden beschrieben.

Das Verfahren

Für den Wettbewerb kann sich nur anmelden, wer von der Jury ausdrücklich dafür nominiert wurde. Damit will die Jury gerade innovative Anbieter ermuntern, sich in einer der ausgeschriebenen Kategorien zu bewerben. In jedem Jahr werden ca. 100 Systeme für die Teilnahme am Wettbewerb nominiert. Für die Wettbewerber ist es eine einmalige Chance, sich im Wettstreit der Besten zu messen. Die Kategorien, in denen Bewerbungen erfolgen können, werden durch die Jury jedes Jahr neu festgelegt, damit es nicht langweilig wird und sich nicht jedes Jahr die gleichen Player durchsetzen. Zudem kann so den aktuellen Entwicklungen auf dem ERP-Markt Rechnung getragen werden. Die Anbieter stehen nur in der jeweiligen Kategorie miteinander im Wettbewerb. In Kategorien mit wenigen Bewerbern gewinnt das dort beste System, auch wenn es im Vergleich zu anderen Anbietern zum Beispiel nicht die gleiche Funktionstiefe und Kundenabdeckung aufweist. Auch findet der Vergleich nur zwischen Anbietern statt, die sich aktiv beworben haben. Die Jury stellt jedoch sicher, dass es in jeder Kategorie eine Chance zu einem fairen und spannenden Wettbewerb gibt.

2020 hatten sich insgesamt 29 Systeme beworben, 13 hatten die Vorentscheidung der Jury überstanden und es ins Finale zur Live-Präsentation geschafft. Die diesjährigen Kategorien, für die ERP-Systeme nominiert wurden, lauteten:

Startup ERP (für Startups und stark wachsende Unternehmen)

Utility Provider (Gas/Wasser/Strom/Wärme/Kälte liefern und abrechnen)

Plattform ERP (Anbieter, die ihr ERP-System als Plattform für den Anschluss weiterer Systeme und Services ansehen)

ERP für die Hightech-Industrie (Elektronik, Pharma, Luft- und Raumfahrt)

Automotive ERP

Public und Nonprofit ERP

Internationales ERP

Nicht in allen Kategorien wurden überzeugende Bewerbungen, die in der Vorauswahl die Mindestpunktzahl von 500 erreichen konnten, eingereicht. Aus diesem Grund beschränkten sich die Anbieterpräsentationen am 13. Oktober auf die Kategorien Startup-ERP, Plattform ERP, ERP für die Hightech-Industrie, Automotive ERP und Internationales ERP. 

Zusätzlich wurde auch in diesem Jahr wieder der KMU-Sonderpreis vergeben, für diesen kann man sich allerdings nicht bewerben. Der Sieger wird aus den finalen Wettbewerbsteilnehmern von der Jury ausgewählt. Er wird an das Unternehmen vergeben, dessen System besonders für den Einsatz in kleinen und mittelständischen Unternehmen geeignet ist. Einen Überblick über das Verfahren gibt Bild 1.

Bild 1: Überblick über das Auswahlverfahren.

Die nominierten Anbieter wählen eine Kategorie, in der sie sich bewerben und erläutern anhand von sieben vorgegebenen Kriterien, welche Eigenschaften und Vorteile ihr System, auch im Praxiseinsatz bei Kunden, aufweist. Folgende Kriterien wurden 2020 an das Teilnehmerfeld der ERP-Anbieter gestellt:

Einführungsmethodik: Welches Vorgehen wird bei der Einführung eines ERP-Systems verfolgt? An dieser Stelle ist die Vorgehensweise der Einführung des ERP-Systems bei einem Kunden zu beschreiben und zu begründen.

Konkreter Kundennutzen: In dieser Kategorie soll eine Stellungnahme eines Kunden zum konkreten Nutzen aufgrund der Einführung des Systems – beispielsweise auf der Basis von Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen – erläutert werden.

Forschung und Entwicklung: In dieser Kategorie sollen die Aktivitäten im Bereich Forschung und Entwicklung vorgestellt sowie eventuelle Kooperationen zu Forschungseinrichtungen erläutert werden. Dies kann anhand geeigneter Projekte oder weiterer Vorhaben geschehen.

Kundenkommunikation/Vertriebsmarketing: Hier ist eine kurze Darstellung von Initiativen zur Förderung des Bekanntheitsgrades, der Darstellung und Vermittlung von Customer Awareness und eigener Kompetenz gefragt.

Brancheneignung durch spezifische Funktionen: Bei diesem Kriterium soll die besondere Eignung des Systems für die gewählte Kategorie dargestellt werden. Dabei sollen die speziellen Anforderungen sowie die Umsetzung durch die ERP-Lösung beschrieben werden.

Ergonomie: Die Ergonomie beschreibt die benutzergerechte Gestaltung eines Systems. Für eine Einschätzung der Ergonomie soll beschrieben werden, wie sich die Einhaltung ergonomischer Prinzipien im System widerspiegelt. Zwei aussagekräftige Screenshots mit Erläuterungen sollten ergänzend eingereicht werden.

Technologie und Integrationsumfang: Dieses Kriterium erfordert eine Beschreibung der Systemarchitektur, der Wandlungsfähigkeit und Flexibilität des ERP-Systems. Ebenfalls sollten Aussagen zur Releasefähigkeit von Individualanpassungen getroffen werden. Eine Darstellung der Integrationsfähigkeit des Systems in bestehende auch unternehmensübergreifende Systemlandschaften ist außerdem in dieser Kategorie erwünscht. Ferner wird eine Beschreibung der Anbindung von Lieferanten und Kunden über das Internet sowie die Interoperabilität mit anderen Anwendungssystemen gefordert.

Bild 2: Wandel der Gewichtungen im Laufe der Jahre.

Die Bewertungskriterien werden durch die Jury vor Beginn des Wettbewerbs gewichtet. Bild 2 zeigt den Wandel der Gewichtungen im Laufe der Jahre. Wie auch in den vergangenen Jahren wurde das Kriterium Kundennutzen hoch gewertet. Das Kriterium Branchennutzung hat hingegen an Bedeutung verloren und spielt nun eher im Mittelfeld gemeinsam mit der Einführungsmethodik sowie Technologie und Integrationsumfang mit. Einen weiteren erheblichen Anstieg verzeichnen die Kriterien Forschung und Entwicklung und Ergonomie. Schlusslicht bildet in diesem Jahr zum wiederholten Male die Kundenkommunikation. Diese Entwicklungen sollten sich die ERP-Anbieter in Vorbereitung auf den Wettbewerb im kommenden Jahr schon jetzt zu Herzen nehmen und die Zeit bis zum Wettbewerb effektiv für die Weiterentwicklung nutzen. 

Alle schriftlichen Bewerbungen werden von der Jury einer ausführlichen Begutachtung unterzogen. Dabei bewerten stets mindestens drei Juroren jede Einsendung unabhängig voneinander. Zusätzlich wird geprüft, dass die Einsendung in der richtigen Kategorie teilnimmt und mindestens 500 von den maximal erreichbaren Punkten erhält. In jeder Kategorie kommen höchstens die drei besten Anbieter in die nächste Runde. Alle Anbieter werden ausführlich über ihr Abschneiden – auch im Vergleich zum Durchschnitt aller Teilnehmer – informiert. Diejenigen Anbieter und Systeme, die zur öffentlichen Anbieterpräsentation eingeladen werden, erhalten bereits die Auszeichnung „Finalist: ERP-System des Jahres“. Bei der Anbieterpräsentation, die im Rahmen des ERP-Kongress 2020 unter großer öffentlicher Anteilnahme vor Ort in Frankfurt und online im Livestream stattfand, stehen dann bis zu drei Bestplatzierte jeder Kategorie der gesamten Jury gegenüber. Die Anbieter wählen aus den sieben Kriterien diejenigen drei aus, die sie öffentlich präsentieren wollen. Für die vier übrigen Kriterien wird die Vornote aus der schriftlichen Bewerbung übernommen. Jede Anbieterpräsentation besteht aus dem Vortrag des Finalisten und Rückfragen der Jury. Direkt im Anschluss an die Präsentation werden die drei präsentierten Kriterien von den Juroren bewertet. In diesem Jahr haben mehrere Anbieter ausgewählte Kunden zur Untermauerung des Gesagten mitgenommen. In jeder Kategorie gewinnt das System den Wettbewerb, welches die Gesamtheit der Jury, die sich aus den Einzelvotings ergibt, am besten überzeugt.

Die diesjährige Jury

Wer sind die Juroren, die die große Verantwortung der fairen Bewertung der Systeme tragen? Der Jury gehören Vertreter aus Wissenschaft, Medien und Beratung an. Der Vorsitzende der Jury ist Prof. Dr.-Ing. Norbert Gronau, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik, insb. Prozesse und Systeme, an der Universität Potsdam und wissenschaftlicher Direktor des Forschungs- und Anwendungszentrums Industrie 4.0. Manche Juroren sind schon lange dabei, andere wurden in diesem Jahr neu gewonnen. Das sorgt für frischen Wind in den Brainstorming Sessions rund um die Kategorien, die ausgeschrieben werden sollen und fruchtbare Diskussionen. Aufgrund der besonderen Umstände durch die Corona-Pandemie war die Jury in diesem Jahr nur teilweise vor Ort bei den Anbieterpräsentationen vertreten. Die anschließende Jurysitzung fand rein digital statt. Einen kleinen Eindruck sehen Sie auf dem folgenden Bild. 

Bild 3: Jurysitzung im Anschluss an die
Anbieterpräsentationen.

Die Preisträger 2020

Im Jahr 2020 erhielten folgende Systeme den Titel „ERP-System des Jahres“. Die Preisverleihung fand im Anschluss an den ERP-Kongress in feierlichem Ambiente statt. Wer nicht nach Frankfurt reisen konnte, hatte die Möglichkeit das Geschehen online im Livestream zu verfolgen:

Startup-ERP: In der Kategorie Startup-ERP für schnell wachsende Unternehmen traten die D&G Software, Vectotax und Optibit gegeneinander an. Sieger wurde das Unternehmen Vectotax mit der Lösung TaxMetall. Die Jury wurde durch die hohe Abdeckung an spezifischen Anforderungen der Zielgruppe, den Technologiemix und die Einführungsmethodik, die klassische und agile Elemente aufweist, überzeugt. 

Plattform ERP: Sehr spannend war auch das Finale in der Kategorie Plattform-ERP. Hier kämpften Modula, Werbas und Weclapp um die Krone, die Weclapp für sich entscheiden konnte. Das System wurde besonders für seine besonders gute Ergonomie, die starken API-Angebote, die Marketplace-Erweiterungen und die interaktive Entwicklung gewürdigt.  

ERP für die Hightech-Industrie: In der Kategorie ERP für die Hightech-Industrie kämpften Asseco gegen Dontenwill und den Newcomer Helium V. Asseco konnte den Preis mit nach Karlsruhe nehmen. Das vorgestellte System begeisterte die Jury u.a. durch die leichte Pflege und Anpassbarkeit, den Abdeckungsgrad der Wertschöpfungskette, die einfache Bedienbarkeit und die Geräteunabhängigkeit. 

Automotive ERP: Traditionell eine der wichtigsten Teilwettbewerbe ist die Kategorie „Automotive ERP“. In einem Fotofinish konnte sich hier die Timeline Business Solution äußerst knapp gegen die ebenfalls sehr gute PSI Automotive & Industry durchsetzen. Timeline hat die Zukunftsthemen KI und IoT erkannt, betreibt Rapid Prototyping, konnten den Kundennutzen gut herausstellen und haben bereits viele Standardfunktionen, die für die Automotive-Branche wichtig sind, integriert. Das und mehr hat die Jury mit dem Preis honoriert. 

Internationales ERP: Um die Krone im Bereich Internationales ERP kämpften die CVS Ingenieurgesellschaft und Abona Deutschland GmbH. Mit einem Kundenbeispiel in 30 Ländern und über 3.000 Nutzern überzeugte CVS mit der Lösung Alphaplan die Jury. Neben diesem Kundenbeispiel konnte CVS die Jury mit der Individualisierbarkeit ihres Systems, der globalen Suchfunktion und der datenbezogenen Architektur für sich begeistern. KMU Sonderpreis: Die Jury verlieh in diesem Jahr erneut der D&G Software GmbH den KMU Sonderpreis. Das ERP-System VS/4 ist nach Ansicht der Jury die beste Lösung für kleine und mittelständische Unternehmen. Es ist geeignet für stark wachsende Unternehmen sowohl im Bereich Logistik, als auch im Handel.  

Bild 4: Hybride Preisverleihung.

Alle Finalisten – und nicht nur die Preisträger – verfügen über außerordentlich innovative und für die jeweiligen Branchen besonders geeignete Lösungen. Der Wettbewerb hat auch 2020 wieder gezeigt, dass sich gerade die mittelständischen Anbieter durch Kundennähe und einen zielorientierten Umgang mit neuen Technologien auszeichnen. Im nächsten Jahr wird der Wettbewerb zum ERP-System des Jahres wieder stattfinden, ergänzt um eine internationale Preisrunde.

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