ERP Auswahl, ERP-Einführung

Einsatz von Beratern

Lesedauer: 3 Minuten

02. September 2022 von Norbert Gronau

Einsatz von Beratern

In ERP-Auswahlprojekten stellt sich immer die Frage, ob bzw. wann ein externer Berater hinzuzuziehen sei. Dazu ist es hilfreich, sich zu überlegen, welches Wissen im Unternehmen verfügbar ist und welches Wissen ein Berater mitbringen sollte. So kennt das Unternehmen seine bisherigen Prozesse sehr gut. Ebenso vorhanden, wenn auch nicht immer artikuliert, ist das Wissen über die Schwachstellen in den derzeitigen Prozessen. Auch die bisher eingesetzten ERP-Funktionen sind im Unternehmen (zumeist) bekannt.

Ein Berater sollte das mitbringen, was nicht zum üblichen Kenntnisstand des Anwenderunternehmens gehört: Best-Practice-Prozesse, branchenweit und darüber hinaus. Der Berater muss nicht Branchenexperte, aber Methodenexperte sein, um Potenziale zur Verbesserung von Geschäftsprozessen zu entdecken. Branchenexperten neigen dazu, in die Richtung zu beraten, in die sie ihr letztes erfolgreiches Projekt ebenfalls geführt haben – Wettbewerbsvorteile erringt man so nicht.

Funktionen des neuen ERP-Systems sind beim Anwenderunternehmen nicht bekannt, aber beim Anbieter und ggf. bei sehr erfahrenen Beratern.

Daher ist es meist sehr sinnvoll, externe Hilfe zum Auswahlprojekt hinzuzuziehen. Allerdings tummeln sich auf diesem Markt neben den wirklich guten Auswahlberatern auch viele schwarze Schafe.

Ein guter externer Berater für Auswahlprojekte kennt den ERP-Markt, hat vielleicht sogar schon darüber publiziert, bietet eine nützliche Website oder arbeitet gar an relevanten Fachzeitschriften mit, beschreibt seine Methodik für Dritte nachvollziehbar, hat aktuelle Referenzen, die auch von der Größe der Unternehmen und der Art der Hilfestellung her passen, ist auch in der Lage, Schwachstellen in Prozessen zu erkennen und Vorschläge zu deren Abhilfe zu machen und zu begründen, ist bereit, sich auch in der anschließenden Phase der ERP-Einführung zu engagieren, z. B. durch Übernahme der Projektsteuerung.

Neben unerfahrenen Beratern gibt es auch eindeutig unseriöse Consultants, die das wichtigste Gesetz für Berater “Du sollst den Zustand Deines Kunden verbessern” uminterpretiert haben in “DU sollst Deinen Kontostand erhöhen”. Aus meiner Beratungspraxis, in der ich häufig auf die Scherbenhaufen früherer Projekte gestoßen bin, kann ich vor folgenden nicht empfehlenswerten Beratungsangeboten nur warnen:

Der Berater will unbedingt erst im Detail sämtliche Ist-Prozesse im Unternehmen aufnehmen – das ist zeit- und kostenintensiv, verbessert den Zustand beim Kunden jedoch nicht und ist daher nicht wertschöpfend.

Der Berater hat ein eigenes Softwaresystem, das angeblich “das beste” ERP-System ermittelt, ist aber nicht in der Lage, zu begründen, wie seine Empfehlung zustande kommt.

Der Berater verdient eigentlich sein Geld mit der Einführung von ERP-Systemen sehr weniger Hersteller und könnte daher daran interessiert sein, dass “sein” System bei der Auswahl ganz vorn liegt.

Der Berater führt nur sehr wenige Auswahlprojekte pro Jahr durch oder es ist gar sein erstes Auswahlprojekt – im Bezahlen von Lehrgeld liegt auch weder Nutzen noch Zustandsverbesserung.

Der Berater ist Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer und hat daher nur einen Blick für die Schnittstelle zu seinem Steuerberatungsprogramm bzw. für die Bewertung von Beständen und Vorräten. Dies ist besonders heikel, da Steuerberater und Wirtschaftsprüfer ein sehr enges Vertrauensverhältnis zu ihren Mandanten aufbauen. Von ERP-Systemen, Geschäftsprozessoptimierung und Auswahlverfahren haben sie dennoch in der Regel keine Ahnung – daher Finger weg!

Schließlich gibt es die Feld-, Wald- und Wiesenberater, die jedes Beratungsmandat auf jedem Gebiet annehmen. Auch vor diesen sei aus den oben genannten Gründen gewarnt.

Mehr Kolumnen des Trusted Advisors lesen Sie HIER







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