ERP-Betrieb

Prozessmodell und Werkzeug

Geschäftsprozessmanagement, Teil 7:

Lesedauer: 4 Minuten

17. Februar 2019 von Norbert Gronau

Prozessmodell und Werkzeug

Als Beispiel für die zahlreichen in der Praxis verfügbaren Methoden zur Modellerung von Geschäftsprozessen wird in dieser Folge die Sprache Process Modeling and Description Language PMDL vorgestellt, die an der Universität Potsdam als Variante der dort für wissensintensive Geschäftsprozesse intensiv genutzten Sprache KMDL entwickelt wurde. Für KMDL und PMDL steht mit dem Modellierungswerkzeug Modelangelo eine sehr effiziente Kombination von Modellierungsmethode und Modellierungswerkzeug. kostenlos zur Verfügung.

Die Process Modeling and Description Language

Die Process Modeling and Description Language PMDL umfasst alle benötigten Objekte für eine Prozesssicht, ergänzt um Maschinen (Bild 1).

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Bild 1. Modellierungssymbole von PMDL

Informationsobjekte werden häufig in der Phase der Istanalyse als Ausgangspunkt für Schwachstellenanalysen benötigt und in der Phase der Sollprozesserstellung als Best Practice-Templates genutzt. Eine weitere Ergänzung wurde mit der Addition eines Maschinenelementes vorgenommen. Im Zeitalter von Smart Objects und Industrie 4.0 wird die Informationserzeugung und -nutzung durch Maschinen eine wesentliche Rolle bei der Analyse und Gestaltung von Geschäftsprozessen spielen.

Modelangelo 

Die aktuelle Version von Modelangelo, dem KMDL-Modellierungs und Analysewerkzeug (Bild 2) wurde am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insb. Prozesse und Systeme der Universität Potsdam entwickelt. Er dient der Modellierung und Analyse von Geschäftsprozessen. Dabei ist Modelangelo nicht einfach nur ein Modellierungswerkzeug zur reinen Dokumentation der Prozesse, sondern fördert umfassend das Management der Prozesse während der Modellierung, der Analyse und der Auswertung. Darüber hinaus werden z.B. verschiedene Sichten auf den jeweiligen Prozess ermöglicht, die syntaktische Korrektheit der Modelle überprüft, Verbesserungspotenziale in Prozessen über vordefinierte Muster identifiziert sowie Auswertungen und Reports erzeugt.

Die derzeitige Version von Modelangelo basiert auf Java. Hierdurch wird eine Unabhängigkeit vom Betriebssystem erreicht, da Java für verschiedene Plattformen zur Verfügung steht (z.B. Linux, Mac OS, Windows). Durch die Prozessverwaltung in Projekten können die Prozesse zweckmäßig organisiert werden. Projekte können lokal und in Cloud-Services gespeichert werden. Die Organisation erfolgt in einer Baumstruktur im Navigator, ähnlich wie im Dateisystem. Ein leicht bedienbarer Modelleditor sowie Wizards und Benutzerdialoge vereinfachen den Modellierungsprozess und minimieren somit den Modellierungsaufwand. Aus der Objektpalette können Objekte einfach per drag and drop in den Modellierungsbereich gezogen werden und die jeweiligen Attribute der Objekte gesetzt werden. Eine im Hintergrund ablaufende Syntaxüberprüfung, die vom Benutzer auch deaktiviert werden kann, gewährleistet, dass lediglich formal korrekte Modelle erstellt werden. Verstöße werden dem Benutzer direkt signalisiert. Der Modellüberblick bietet einen Gesamtüberblick über das aktuelle Modell. Dieser kann auch zur leichten Navigation im Modell verwendet werden. Die Eigenschaften der Objekte sind jederzeit direkt unter Properties sichtbar. Als Bediensprachen sind derzeit Deutsch, Englisch und Chinesisch verfügbar.

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Bild 2: Oberfläche von Modelangelo

In jedem Projekt wird zuerst ein Repository angelegt, in dem alle Objekte gespeichert werden, die mehrmals im Modell vorkommen. Die Syntaxprüfung erfolgt bereits während der Modellierung. Bestehende Modelle können jederzeit gedruckt oder als XML exportiert werden. Auf bestehenden Die Kommunikation mit dem Benutzer wird über Wizards und Dialoge realisiert. Die eingesetzten Assistenten helfen dem Benutzer sowohl bei der Modellierung als auch bei der Analyse und Auswertung. Basierend auf den bisher vorgestellten Komponenten existieren Erweiterungen, die Modelangelo zusätzliche Funktionalität verleihen, für den Betrieb aber nicht zwingend erforderlich sind. Dies sind die Komponenten Analysis, Reporting, Simulation, Staffing und Training. Die Analyse der Modelle wird durch den Einsatz von Prozessmustern durchgeführt. Damit erfolgt eine standardisierte Identifikation von Potenzialen. Die Auswertung der Modelle kann zusätzlich durch individuell definierbare Berichte ergänzt werden. Die Simulationskomponente ermöglicht das Experimentieren und Ausführen der erstellten Modelle. Mit Hilfe einer Staffing-Komponente können Projektteams wissens- und anforderungsorientiert zusammengestellt werden. Eine Trainingskomponente ermittelt den Schulungsbedarf auf Basis ausgewählter Prozesse.

Die zunehmende Integration sozialer Netzwerke wird durch eine (allerdings im Standardlieferumfang nicht aktivierte) Schnittstelle der Personenobjekte zu LinkedIn ermöglicht, um Bild-, Basis- und Skilldaten abrufen zu können.

Mit Hilfe des integrierten HTML-Exports können sämtliche zu einem Projekt gehörenden Modelle in einen Ordner gespeichert und so im Intranet verfügbar gemacht werden.

Nach dem Download von Modelangelo unter www.modelangelo.com ist PMDL bei jeder Anlage eines Projektes als Modellierungstemplate verfügbar.

Dieser Abschnitt ist ein Auszug aus dem Buch „Geschäftsprozessmanagement in Wirtschaft und Verwaltung“ (2. Auflage) Berlin 2016 von Norbert Gronau.

Teil 1: Geschäftsprozessmanagement in Wirtschaft und Verwaltung
Teil 2: Vorgehen im Geschäftsprozessmanagement
Teil 3: Vorgehen bei der Istanalyse
Teil 4: Schwachstellen in Geschäftsprozessen
Teil 5: Werkzeuge für die Schwachstellenanalyse
Teil 6: Methoden für die Geschäftsprozessmodellierung
Teil 7: Prozessmodell und Werkzeug
Teil 8: Heuristischer Entwurf von Sollprozessen
Teil 9: Workflow-taugliche Geschäftsprozesse
Teil 10: Wissensintensive Geschäftsprozesse







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