ERP-Betrieb

RPA-Plattformen

Aufbau und ausgewählte Software-Anbieter

12. Oktober 2020 von Malte Horstmann und Peter Preuss

RPA-Plattformen

Robot Process Automation (RPA) ist eine Prozessautomatisierung, bei der Softwarelösungen regelbasierte Aufgaben, die hauptsächlich im Back-Office-Bereich anfallen, automatisiert durchführen. In diesem Beitrag werden die zentralen Komponenten solcher RPA-Plattformen vorgestellt und drei Lösungen miteinander verglichen.

Gartner definiert Robot Process Automation (RPA) als: „[…] a productive tool (sold as licensed software) that allows a user to configure one or more scripts (which some vendors refer to as “bots”) to activate specific keystrokes in an automated fashion” [1]. Bei dieser Form der Prozessautomatisierung erledigen Software-Roboter regelbasierte Aufgaben, die hauptsächlich im Back-Office-Bereich anfallen. Diese virtuellen Arbeitskräfte benutzen dabei die gleichen grafischen Benutzerschnittstellen und folgen den gleichen Prozessschritten wie ein menschlicher Mitarbeiter. Im Prinzip gilt: Je komplexer die IT-Landschaft ist und je mehr Systembrüche es bei einem Prozess gibt, desto höher ist der Mehrwert, den RPA schaffen kann. Die virtuellen Arbeitskräfte übernehmen dann die Datenübertragung zwischen den IT-Anwendungen. Esko u.a. ordnen RPA-Lösungen daher auch als „lightweight IT“ ein [2].

RPA-Plattformen

Bild 1 zeigt den typischen Aufbau einer RPA-Plattform. In der Entwicklungsumgebung werden die Bot-Skripte erstellt und getestet. Anschließend werden sie in einem zentralen Repository gespeichert und können von einem Process Controller über die RPA-Management-Komponente abgerufen und in einer ausgewählten Laufzeitumgebung ausgeführt werden. 

Bild 1: Architektur einer RPA-Umgebung.

Es werden zwei Laufzeitumgebungen unterschieden: Im beaufsichtigten Modus bzw. Attended Mode nimmt der Bot die Rolles eines virtuellen Assistenten auf dem Rechner eines Fachabteilungsmitarbeiters ein. Die Bots arbeiten unter der Aufsicht und mit den Benutzerrechten eines Mitarbeiters auf dessen Computer. Diese Laufzeitumgebung sollte insbesondere dann verwendet werden, wenn der Prozess nicht vollständig automatisierbar ist und einzelne Schritt weiterhin manuell durchgeführt werden müssen. Im Gegensatz dazu laufen bei der unbeaufsichtigten Prozessautomatisierung bzw. im Unattended Mode die Skripte auf dedizierten virtuellen Maschinen mit speziellen Benutzerkennungen. In beiden Fällen können die RPA-Läufe vom Process Controller über eine Management-Umgebung überwacht und anschließend analysiert werden.

In diesem Beitrag werden die RPA-Software-Lösungen von Automation Anywhere, UiPath und Blue Prism vorgestellt und anschließend miteinander verglichen. Laut der Forrester Wave Studie aus dem Jahr 2019 zählen diese drei Produkte zu den Leadern im RPA-Markt [3].

Automation Anywhere Enterprise RPA Platform

Automation Anywhere unterscheidet bei seinen Software-Robotern zwischen Task Bots und Meta Bots. Wenn ein manueller Prozess automatisiert werden soll, wird hierfür ein Task Bot angelegt. Meta Bots sind standardisierte Automatisierungsfunktionen, die in unterschiedlichen Task Bots mehrfach verwendet werden können. Sie werden in einem Meta Bots Repository gespeichert. Die RPA Platform von Automation Anywhere besteht aus dem Bot Creator, dem Bot Runner, dem Enterprise Control Room sowie dem IQ-Bot. Mit dem Bot Creator, der webbasierten Entwicklungsumgebung von Automation Anywhere, werden die Task Bots erstellt. Diese Automatisierungsprogramme bestehen aus einzelnen Aktionen, die beispielsweise Mausbewegungen oder Tastatureingaben repräsentieren. Das RPA-Management erfolgt über den Enterprise Control Room. Hierüber werden die Bots und die unterschiedlichen Laufzeitumgebungen (Bot Runner) verwaltet, die Benutzerrollen gepflegt und die Softwarelizenzen administriert. Die Bots Runner können auf beaufsichtigten und unbeaufsichtigten (virtuellen) Windows-Rechnern betrieben werden. Der IQ-Bot soll bei Automatisierungsanforderungen unterstützen, die semi-strukturierte Eingabedaten verarbeiten. Mit Hilfe unterschiedlicher KI-Verfahren (Klassifikation, Semantische Analyse, Mustererkennung etc.) kann der IQ-Bot dann so trainiert werden, dass er beispielsweise den Inhalt einer eingescannter Eingangsrechnung interpretieren kann.

UiPath Enterprise Automation Platform

Die UiPath Enterprise Automation Platform besteht aus den drei Kernkomponenten UiPath Studio, UiPath Robot und UiPath Orchestrator und bietet zusätzlich noch weitere Produkte für Prozess-Analysten und Software-Tester an. UiPath Studio ist eine windowsbasierte Entwicklungsumgebung. Hiermit werden einzelne Aktivitäten angelegt, die dann in Form eines Sequenz-, Fluss- oder Zustandsdiagramms orchestriert werden. Es gibt beispielsweise Prozess-Aktivitäten für jede beliebige Tastatur- und Mauseingabe eines Anwenders. Darüber hinaus stehen auf dem Marketplace UiPath Connect viele weitere Komponenten für die Erstellung eigener Skripte zur Verfügung. Die zu automatisierenden Prozesse können zudem über einen Rekorder aufgezeichnet werden. Der Orchestrator ist für das RPA-Management verantwortlich. Hiermit können Bots in einer gewählten Laufzeitumgebung (UiPath Robot) gestartet und protokolliert werden. Bei der beaufsichtigten Prozessautomatisierung wird die Laufzeitumgebung auf dem Rechner eines Fachbereichsmitarbeiters installiert und dieser kann dann die freigegebenen Automatisierungsprogramme starten.

Blue Prism Connected-RPA platform

Connected-RPA ist die aktuelle Automatisierungsplattform von Blue Prism. Sie besteht aus dem Blue Prism Studio, dem Control Room und den Runtime Resourcen. Mit der Entwicklungsumgebung Blue Prism Studio werden die Automatisierungsprogramme erstellt. Hierbei sind die drei Elemente Prozess, Geschäftsobjekt und Anwendungsmodell von zentraler Bedeutung. In einem Prozess können mehrere Geschäftsobjekte verwendet werden, die für die Interaktionen mit Anwendungen, Dokumenten oder Webservice verantwortlich sind. Für jede Anwendung, mit der die Bots interagieren, werden im Blue Prism Studio sogenannte Anwendungsmodelle angelegt, die dann in unterschiedlichen Prozessen angesprochen werden können. Die so entwickelten Automatisierungsprogramme werden über den Control Room eingeplant und in ausgewählten Laufzeitumgebungen gestartet. Die Laufzeitumgebungen (Runtime Ressources) können auf den Rechnern im Fachbereich (Attended Mode) oder auf virtuellen Maschinen (Unattended Mode) betrieben werden. Blue Prism hat auch einen Marketplace (Digital Exchange), über den Kooperationspartner zahlreiche Add-Ons anbieten. Einige dieser Add-Ons versuchen durch KI-Einsatz die Automatisierung von Prozessen mit semi-strukturierten Eingabedaten zu ermöglichen.

Vergleichskriterien und Bewertung

Im Folgenden werden die drei RPA-Lösungen anhand von fünf allgemeinen und vier technischen Kriterien miteinander verglichen (Bild 2).

Bild 2: Vergleichskriterien.

Kriterium A-1 (Funktionalitätsschwerpunkt): Auch wenn alle Hersteller mit der Entwicklungsumgebung, dem RPA-Management und der Laufzeitumgebungen vergleichbare Kernfunktionalitäten anbieten, hat jedes RPA-Produkt dennoch seinen eigenen Schwerpunkt, über den es sich von den Mitbewerbern abgrenzt. Bei Automation Anywhere liegt der Fokus auf der schnellen Implementierung grundlegender Bots. Blue Prism wiederum legt den Schwerpunkt auf die Bereitstellung zahlreicher Robots im Unattended Mode. Die RPA-Plattfor

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[1] Gartner, Robotic Process Automation (RPA), <https://www.gartner.com/en/information-technology/glossary/robotic-process-automation-rpa>

[2] Bygstad, B.: Generative innovation: a comparison of lightweight and heavyweight IT, in: Journal of Information Technology 32 (2) 2016, S. 180-193

[3] Le Clair, C.: The Forrester Wave: Robotic Process Automation, Q4 2019, https://www.quanton.co.nz/wp-content/uploads/2019/12/Forrester-Wave-Robotic-Process-Automation-Q4-2019.pdf

 




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