ERP-Digitalisierung, ERP-Einführung, ERP-Technologie

Bewertung der unternehmensweiten Anwendungssystem-Landschaft

Lesedauer: 2 Minuten

05. April 2021 von Norbert Gronau

Bewertung der unternehmensweiten Anwendungssystem-Landschaft

In einigen Unternehmen mit starkem Wachstum oder starker M & A-Tätigkeit haben sich häufig zahlreiche Anwendungssysteme “angesammelt”, die mehr oder weniger gut die aktuellen wertschöpfenden Geschäftsprozesse abdecken. Typischerweise, gerade im Mittelstand, besteht ein sehr starker Handlungsbedarf bei nahezu allen derzeit eingesetzten Systemen. Als Trusted Advisor muss ich die Anwendungslandschaft bewerten und eine Reihenfolge der Investitionen in neue Anwendungssysteme ermitteln und inhaltlich begründen.

 

Als Methode eignet sich dafür die sog. Wandlungsfähigkeitsanalyse. Sie wurde vor circa 15 Jahren an den Universitäten München und Potsdam entwickelt und ermöglicht es, nach verschiedenen Dimensionen den Handlungsbedarf einzuschätzen. Ausgangspunkt sind zwei Bewertungsdimensionen, der vom betrachteten Informationssystem genutzte IT-Stack einerseits und die Fähigkeit des Unternehmens, dieses System selbst an veränderte Geschäftsszenarien anzupassen andererseits. Zum ersten Kriterium, der so genannten technischen Wandlungsfähigkeit, existiert ein Kriterienkatalog mit circa 70 Fragen, der eine Einschätzung der technischen Zukunftsfähigkeit von Software auf allen Ebenen ermöglicht. 

 

Um die zweite Dimension zu bewerten, werden – in Abstimmung mit den Process Ownern des zu untersuchenden Systems – vier sinnvolle, aber außerhalb des derzeitigen funktionalen Scopes liegende Szenarien definiert. Anschließend wird gemeinsam bewertet, welcher Aufwand benötigt wird, um das jeweilige Szenario inhouse zu realisieren. 

 

Auf diese Weise erhält man zwei wesentliche Einsichten, einerseits in den Grad der technologischen Überalterung, zum anderen zu den Fähigkeiten der Organisation im Hinblick auf die Anpassbarkeit der Systeme. In einer Portfoliodarstellung angeordnet, müssen diejenigen Systeme als erstes ausgetauscht werden, die technisch veraltet sind und schlecht von der eigenen Organisation angepasst werden können. Um die Systeme der zweiten Welle zu bestimmen, sind dann individuelle Entscheidungen zu treffen.

 

Diese Methode stellt sicher, dass ein Investitionsprogramm zur digitalen Transformation das jeweilige Unternehmen stets handlungsfähig lässt und andererseits mit einem vergleichsweise geringen Investitionsvolumen bereits ein sehr großer Beitrag zur Zukunftsfähigkeit erreicht werden kann. Ein weiterer Vorteil ist, dass die hier beschriebenen Ergebnisse relativ schnell erarbeitet werden können. Gerade in mittelständischen Unternehmen sind Dokumentationen der eingesetzten Systeme oder gar Architekturmanagement als betriebliche Funktion nur sehr schwach ausgeprägt.







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