ERP-Einführung

Leasing als Finanzierungsform für ERP-Projekte

Lesedauer: 7 Minuten

11. April 2021 von Benedict Bender, Clementine Bertheau und Norbert Gronau

Leasing als Finanzierungsform für ERP-Projekte
© Pixabay / Convegni_Ancisa

In jedem ERP-Auswahlprojekt ist früher oder später der Punkt der Entscheidung für ein bestimmtes ERP-System von einem ausgewählten Anbieter erreicht. Nach Abschluss der Prozessworkshops liegt ein konkretes Angebot vor und spätestens dann müssen die Finanzierungsformen für die Einführung der ERP-Software evaluiert werden. Durch die Digitalisierung verändern sich die Märkte und Unternehmen haben zuweilen hohe Investitionskosten, um die digitale Transformation zu vollziehen. Damit geht auch die Nachfrage nach neuen flexibleren Finanzierungsmöglichkeiten für diese Investitionen einher.

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Grafik Zusammenspiel Leasinunternehmer, Leasingnehmer, Softwareanbieter

In der Vergangenheit wurde Software entweder direkt aus vorhandenen Rücklagen, laufendem Cashflow oder mittels klassischer Bankkredite finanziert. Mit der zunehmenden Verbreitung von Cloud- und Software as a Service (SaaS)-Lösungen bieten Softwareanbieter neue subskriptionsbasierte Formen der Finanzierung. Allerdings muss die Entscheidung für die Cloud nicht zwangsläufig aus Cashflow-Gesichtspunkten getroffen werden. Insbesondere bei den hohen Kosten von ERP-Projekten, die die Auswahl, die Einführung, den Betrieb und schließlich auch die Ablösung umfassen, ist die Finanzierung aus liquiden Mitteln nicht unbedingt praktikabel. Neben den Softwareanbietern haben das auch Leasingunternehmen erkannt. Während Leasing insbesondere für die Finanzierung von Gebäuden, Anlagen, Maschinen und Betriebsfahrzeugen schon seit geraumer Zeit genutzt wird, wird nun auch das Angebot der Leasingunternehmen für die Finanzierung der immer komplexer werdenden Hardware und Software häufiger in Betracht gezogen.

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Leasinganbieter für Unternehmenssoftware

Das Center for Enterprise Research hat Leasingunternehmen unterschiedlicher Größe zu den Rahmenbedingungen und Konditionen, die mit dem Leasing von ERP-Software einhergehen, befragt. Im deutschsprachigen Raum wurden insgesamt 17 Leasingunternehmen identifiziert, die Softwareprojekte finanzieren. Dabei muss zwischen Leasinggesellschaften, die direkt als Leasinggeber fungieren und Leasingmaklern, die einen Leasingnehmer mit einem passenden Leasinggeber zusammenbringen, unterschieden werden. Vier Leasingunternehmen konnten für die Befragung gewonnen werden. Die Ergebnisse werden in den folgenden Absätzen dargestellt.

Beim Leasing wird eine Dreiecksbeziehung zwischen dem Leasingnehmer, dem Systemanbieter bzw. dem Systemhaus und dem Leasinggeber hergestellt. Dafür wird ein Vertrag zwischen dem Leasingnehmer und dem Leasinggeber geschlossen. Ein Leasingmakler kann zusätzlich als Vermittler zwischen Leasinggeber und Leasingnehmer fungieren. Der Leasinggeber kauft die zu finanzierenden Objekte, die Software und Hardware und überlässt diese dem Leasingnehmer. Letzterer entrichtet dem Leasingunternehmen eine vertraglich vereinbarte Leasinggebühr für die Nutzung. Der Leasinggeber gehört entweder direkt zu einer Bankengruppe, arbeitet exklusiv mit einer bestimmten Bank zusammen oder agiert bankenunabhängig. Manche Leasingunternehmen sind zertifizierte Partner von bestimmten Systemherstellern. Beispielsweise arbeiten die ALVG und Miller Leasing mit SAP zusammen, finanzieren aber auch andere Systeme. Alle von uns befragten Leasinganbieter bieten die Finanzierung jeglicher Systeme system- und anbieterunabhängig an.

Anbieterspezialisierung

Wie der Vertrag konkret ausgestaltet ist, hängt von der Art des Leasings (Vollamortisation oder Teilamortisation) ab, die vereinbart wird. Bei der Vollamortisation werden über eine Grundlaufzeit mindestens die Anschaffungs- und Herstellungskosten sowie die Finanzierungskosten des Leasingunternehmens durch den Kunden in Form von Leasingraten abgezahlt. Bei der Teilamortisation wird durch die Leasingraten nur ein Teil der Kosten getilgt. Für den verbleibenden Teil der Kosten gilt ein Andienungsrecht. Mit dem Andienungsrecht hat das Leasingunternehmen die Möglichkeit, dem Kunden nach Ablauf der Leasingdauer die Software zum Marktpreis zu verkaufen, ist dazu jedoch nicht verpflichtet. Es gibt zudem sowohl kündbare als auch unkündbare Leasingverträge. Bei den kündbaren Verträgen kommt es bei einer vorzeitigen Beendigung zu einer Abschlusszahlung, wodurch eine Vollamortisation für das Leasingunternehmen erreicht wird. Die meisten Leasingunternehmen bieten auch kündbare Leasingverträge und Mietkauf an. Zudem werden von Leasingunternehmen in der Regel auch eine Sale-and-lease-back-Möglichkeit angeboten.  Dabei finanziert der Kunde sein Projekt aus Eigenkapital und überführt es oder Teile davon später in ein Leasing. Da die Leasingart durchaus ein Auswahlkriterium bei der Suche nach einem geeigneten Leasingunternehmen darstellen kann, zeigt Tabelle 1, welche Leasingoptionen von den befragten Unternehmen angeboten werden.

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Tabelle 1: Vergleich der Leasingoptionen. 

Kostenarten

Die Kosten, die durch Leasing finanziert werden, umfassen nicht nur die Software und Hardware, sondern bereits die Projektkosten für Auswahl und Einführung. Die meisten Leasingunternehmen finanzieren neben Lizenz- und Hardwarekosten auch Beratungskosten, die bei der Konzeption und Auswahl anfallen sowie Customizing- und Anpassungskosten. Manche Leasingunternehmen finanzieren daneben auch die Schulungs-, Support und Wartungskosten. Es können auch Aufwände, die vor der eigentlichen Nutzungszeit entstehen, vorfinanziert werden. Darüber hinaus können auch Eigenleistungen der Kunden, die im Rahmen der ERP-Einführung anfallen, in die Finanzierung aufgenommen werden.

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Tabelle 2: Vergleich der finanzierbaren Kostenarten für ERP-Projekte.

Leasingkonditionen

Die Attraktivität des Leasings als Finanzierungsform ist neben den grundlegenden strukturellen Vorteilen auch von den konkreten Konditionen des Leasings abhängig. Die Konditionen für das Leasing werden je nach Leasingunternehmen durch das Projektvolumen, die Projektdauer, den geplanten Betriebszeitraum, die Bonität des Leasingnehmers, die Laufzeit des Finanzierungsvertrags sowie die Auswahl des Systemherstellers bestimmt. Bei der ALVG spielt hinsichtlich der Leasingvereinbarung zudem noch die Kapitalmarktsituation eine Rolle. Stanke Leasing betrachtet neben den oben genannten Kriterien auch die allgemeine Situation des Leasingnehmers und die strategischen Überlegungen. Die Leasingverträge können dadurch unterschiedliche Komplexität annehmen. Das ist abhängig vom Projekt und von den Kosten, die finanziert werden sollen. Leasingverträge sind anders als Bankkredite meistens nicht auf feste Darlehenssummen und Laufzeiten festgelegt. Die Flexibilität der Leasingverträge ermöglicht auch, dass spätere Anpassungen und Nachlizenzierungen nachträglich aufgenommen werden können.

Je nach Leasingunternehmen werden Projekte schon ab 30.000 Euro mit einer Dauer von bis zu 10 Jahren finanziert. Die Laufzeit ist dabei immer abhängig von der Bonität des Leasingnehmers. Nicht nur aufgrund der großen Investitionssummen sehen sich alle von uns befragten Leasingunternehmen als Partner der Leasingnehmer und möchten ihrem Kunden neben der Finanzierung auch beratend zur Seite stehen. Manche Leasingunternehmen verfügen über ein großes Partnernetzwerk. Sie haben Expertise im Rahmen der in der Vergangenheit begleiteten Softwareprojekte aufgebaut und bringen diese im Rahmen der Projekte ein. Stanke Leasing und die ALVG zeichnen sich außerdem darüber aus, dass sie ein fest definiertes Projekt- und Beratungsteam für die gesamte Laufzeit bereitstellen, um eine beidseitige Planungssicherheit zu gewährleisten. Den Leasingunternehmen sind die Komplexität der Projekte und mögliche Probleme, die bei der Einführung von ERP-System auftreten können, bewusst. Diese werden bereits in der Ausgestaltung der Verträge und den Zusammenarbeitsstrukturen berücksichtigt. Miller Leasing geht teilweise soweit, dass sie im Lenkungsausschuss der Projekte vertreten ist. Stanke Leasing ermöglicht bis zur Endabnahme und Vertragsbeginn auch den Austausch von Vertragsbestandteilen, falls aufgrund von Problemen bei der Einführung ein anderer Anbieter nachträglich ausgewählt wird. 

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Tabelle 3: Relevante Konditionsparameter und Mindestprojektvolumen für Leasingvereinbarung.

Zusammenfassung

Eine Finanzierung über Leasing ermöglicht in erster Linie die Schonung der Kreditlinien bei der Bank und die Liquidität bei großen Investitionsvorhaben. Hohe Investitionskosten werden in operative Betriebsausgaben umgewandelt. Das kann bis zur Bilanzneutralität führen. In der Regel werden die ersten Zahlungen auch erst zum Zeitpunkt der Abnahme fällig und Investitionen müssen nicht bereits vorab getätigt werden. Dadurch verbessern sich nicht zuletzt auch periodenweise Cashflow- und Erfolgsbetrachtungen. Hinzu kommt die flexiblere Gestaltung der Verträge, die nicht auf feste Darlehenssummen und Laufzeiten festgelegt ist. Investitionen, die zu einem späteren Zeitpunkt hinzukommen, können nachträglich in die Finanzierung aufgenommen werden. Die Kehrseite dieser Art der Finanzierung ist, dass ein weiterer Stakeholder in das ohnehin schon komplexe Projekt aufgenommen wird, was zu einer weiteren Komplexitätssteigerung und möglicherweise höheren Kosten führt. Auch wenn sich die Leasingunternehmen als Partner und Berater verstehen, kann es im Falle eines Abbruchs des Projekts zu Konflikten kommen. Daher gilt, dass bevor die Entscheidung für die Finanzierung mit Leasing fällt, eine Kosten-Nutzen-Analyse mit einem umfassenden Blick auf die Stakeholder erfolgen sollte, die auch andere Finanzierungsmöglichkeiten wie den klassischen Kredit betrachtet. Ähnlich wie bei der Auswahl eines geeigneten ERP-Anbieters sollte die Auswahl eines passenden Leasingunternehmens nach einem Anforderungskatalog erfolgen. Der Leasingnehmer bindet sich nicht nur an eine Finanzierung, sondern an einen langfristigen Partner. 

 

 

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