ERP-Technologie

Besonderheiten von Cloud-ERP-Systemen

Lesedauer: 5 Minuten

15. Januar 2016 von Eilin Schröder, Martha Stritzel und Sandy Eggert

Besonderheiten von Cloud-ERP-Systemen

Das Thema Cloud Computing wurde in den letzten vier bis fünf Jahren stark diskutiert. Dabei stehen zumeist das ganzheitliche Konzept des Cloud Computing sowie die sensible und konfliktreiche Thematik Datensicherheit im Vordergrund. Speziell der Einsatz für ERP-Systeme wurde bisher wenig betrachtet. Der folgende Beitrag fasst Ergebnisse einer im Jahr 2013 durchgeführten Umfrage zusammen. Das Ziel war es, eine Übersicht zu ERP-Systemen mit Cloud-spezifischen Aspekten zu erhalten.

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Bild 1: Angebotene Funktionsmodule der ERP-Systeme.

Die Teilnehmer der Untersuchung sind ERP-Anbieter, die in die nachfolgenden Gruppen unterschieden werden:

  1. Anbieter, deren ERP-System als Cloud-Lösung vorhanden ist (kurz: Cloud-Lösung vorhanden),
  2. Anbieter, die planen ihr ERP-System als Cloud-Lösung zur Verfügung zu stellen (kurz: Cloud-Lösung in Planung) und
  3. Anbieter, deren ERP-System nicht als Cloud-Lösung vorhanden ist und bei denen keine Absicht zur Erarbeitung einer Cloud-Lösung existiert (kurz: Cloud-Lösung weder vorhanden noch in Planung).

Dies erlaubt eine differenzierte Betrachtung der Antworten hinsichtlich der Cloud-Fähigkeit beziehungsweise -möglichkeit des jeweiligen Systems. Insgesamt nahmen 30 ERP-Anbieter an der Umfrage teil (Tabelle 1).

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Tabelle 1: Übersicht der teilnehmenden ERP-Anbieter
sowie deren Funktionsbereiche (Gruppen 1-3),
Bereitstellungs- und Servicemodelle (nur Gruppen 1 und 2).


Module in der Cloud

Die ERP-Systeme haben unterschiedliche Funktionsbereiche, die laut Angaben der Anbieter als Cloud-Lösung möglich sind (abgesehen von Gruppe 3). Mindestens 80% der Systeme haben ein Dokumentenmanagementsystem (DMS), Controlling-Funktionen, eine Stammdatenverwaltung, Customer Relationship Management (CRM), Projektmanagement-Features, Funktionen für Business Intelligence und das Rechnungswesen. Weniger häufig finden sich Manufacturing Execution Module (MES) (sieben Systeme) und Funktionen zur Unterstützung der Abteilung Forschung und Entwicklung (zwei Systeme). Abgesehen von den unmittelbar abgefragten Funktionsbereichen nennen die ERP-Anbieter u.a. Zeiterfassung, Service-Aufgaben und Prozesse für Immobilienwirtschaft. Die Mehrheit der Anbieter hat mindestens zehn Module in ihrem Portfolio. Drei Anbieter decken nur drei oder weniger Funktionsbereiche mit dem ERP-System ab.


Architekturen

Die ERP-System-Entwicklung erstreckt sich über einen langen Zeitraum. Während der Einsatzsatzzeit des Systems bei verschiedenen Kunden unterliegt das System weiterhin kontinuierlicher Anpassung und Veränderung. Über Jahre hinweg entstanden so Systemarchitekturen, die für die Cloud-Nutzung nicht ausgelegt sind. Gerade die Architektur eines ERP-Systems birgt jedoch viele Hürden beim Umstieg auf die Cloud-Technologie. Dafür ist eine flexible Softwarearchitektur Vorrausetzung.

Die Untersuchung unterscheidet zwei Arten von ERP-Systemen: klassische und webbasierte ERP-Systeme. Das klassische ERP-System ist durch die Nutzung des Client-Server-Modells gekennzeichnet. Wobei der einzelne Arbeitsplatzcomputer als Client genutzt wird [1]. Klassische Systeme haben einen monolithischen Aufbau sowie eine geschlossene Architektur und Struktur, welche nur bestimmte interne Unternehmensprozesse abbilden. Zudem sind Schnittstellen zu Fremdsystemen und grobe Veränderungen der Rahmenbedingungen mit hohem Aufwand verbunden. Die webbasierten ERP-Systeme dagegen zeichnen sich „[…] durch offene, Web-konforme Basisarchitekturen, Plattformunabhängigkeit, ein hohes Maß an Flexibilität, Serviceorientierung, Skalierbarkeit und Interoperabilität aus“ [2]. Weiterhin wird der Web-Browser als Client genutzt, sodass keine Einzelinstallation notwendig ist. Diese Flexibilität kann noch gesteigert werden, indem ein komponentenbasiertes oder serviceorientiertes Architekturmodell umgesetzt wird. [2] Ein derartiger Aufbau wird in der Fachliteratur oft als moderne Architektur bezeichnet. Die Mehrheit der bereits als Cloud-Lösung angebotenen Systeme hat eine moderne System-Architektur (Bild 2).

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Bild 2: Architekturen der ERP-Systeme (n = 30).


Servicemodelle

Für die Anwendung von Cloud Computing gibt es verschiedene Servicemodelle. Die Umfrage beschränkt sich auf die beiden Formen Platform-as-a-Service (PaaS) und Infrastructure-as-a-Service (IaaS), da mit diesen Modellen die Cloud-ERP-Systeme ausgeführt und betrieben werden können. Dabei wird beim IaaS lediglich die IT-Infrastruktur zur Verfügung gestellt während bei Inanspruchnahme von PaaS zusätzlich eine Plattform mit spezifischen Rahmenbedingungen angeboten wird, wie beispielsweise Technologien oder Services die der Cloud-Anbieter unterstützt. [3] Der ERP-Anwender wiederum kann diese über Software-as-a-Service in Anspruch nehmen. Die Anbieter der Gruppen 1 und 2 bevorzugen das IaaS-Modell (Bild 3).

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Bild 3: Servicemodelle zur Nutzung
von Cloud Computing (n = 23).


Bereitstellungsmodelle

Die zwei Basis-Modelle der Cloud-Bereitstellung sind Public und Pri-vate Cloud. Diese unterscheiden sich hauptsächlich durch die Zugriffmöglichkeiten der Anwender: Während bei einer Public Cloud der Zugriff öffentlich ist [4], können auf eine Private Cloud nur bestimmte Nutzergruppen (z.B. Konzernmitarbeiter) oder eine Organisation zugreifen. [5] Zehn ERP-Anbieter der Untersuchung (Gruppe 1 und 2) bieten beide Modelle für ihre Kunden an (Bild 4). Als Grund für das Angebot einer Private Cloud werden dabei Sicherheitsbedenken der Kunden angegeben. Als Vorteil der Public Cloud sehen sie die Kosteneinsparungen und die schnelle sowie unkomplizierte Bereitstellung aller Ressourcen.

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Bild 4: Cloud-Bereitstellungsmodelle
(n = 23, Mehrfachnennungen möglich).


Ausblick

Aus Sicht potenzieller Cloud-Anwender ergeben sich vielfältige Vorteile der Cloud-Nutzung im ERP-Bereich. Zum einen ergibt sich eine gänzlich neue Kostenstruktur eines ERP-Projektes. Der hohe Kostenblock herkömmlicher ERP-Projekte wird in einem Cloud-Projekt transparenter auf die Nutzungsdauer verteilt. Zudem erreicht das Anwenderunternehmen auch ein hohes Maß an Flexibilität hinsichtlich des ERP-Einsatzes. Lizenzen sowie der Moduleinsatz können bedarfsorientiert gebucht werden. Dennoch zögern viele Unternehmen aufgrund der Sicherheitsbedenken. Um dem entgegenzuwirken setzen einige ERP-Anbieter auf Kooperationen mit namhaften Anbietern von Cloud-Plattformen.    

 

AnforderungenArchitekturenCloud ComputingERP-Systeme


[1] Gronau, Norbert: Enterprise Resource
Planning: Architektur, Funktionen und Management von ERP-Systemen. Lehrbücher Wirtschaftsinformatik. Oldenbourg Wissensch.Vlg, 2010.
[2] Grobma, Jewgenij: ERP-Systeme On Demand: Chancen, Risiken, Anforderungen, Trends. Diplomica Verlag, 2008.
[3] Christoph Meinel, Christian Willems, Sebastian Roschke und Maxim Schnjakin: Virtualisierung und Cloud Computing: Konzepte, Technologiestudie, Marktübersicht. Technische Berichte Nr. 44, Hasso-Plattner-Instituts für Softwaresystemtechnik an der Universität Potsdam, 2011.
[4] Gottfried Vossen, Till Haselmann und Thomas Hoeren: Cloud Computing für Unternehmen. dpunkt.verlag, 1. Auflage, 2012.
[5] Christian Baun, Marcel Kunze, Jens Nimis und Stefan Tai: Cloud Computing - Web-basierte dynamische IT-Services. Springer, 2. Auflage Auflage, 2011.




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