ERP-Technologie

Business Analytics

Dominanz von Business Intelligence und fehlende Integration

28. Juni 2016 von Corinna Fohrholz und Nadja Weber

Business Analytics

Mit dem Ziel einen detaillierten Überblick über den Einsatz und die Verbreitung von Analysewerkzeugen in deutschsprachigen Unternehmen zu erhalten, hat der Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Electronic Government der Universität Potsdam im letzten Jahr eine Studie mit der Erkenntnis durchgeführt, dass der Bedarf von Business Analytics zwar erkannt, die Nutzung aber ausbaufähig ist. Die Reifegrad-Entwicklung hinsichtlich Business Analytics wird auch in diesem Jahr fortgesetzt. Zusätzlich werden Wirtschaftlichkeitspotenziale durch den Einsatz von Business Analytics identifiziert, um die Vorteile durch dessen Einsatz zu quantifizieren. Der vorliegende Beitrag gibt einen Einblick in erste Ergebnisse aus der aktuellen Studie.

Daten liegen heute in großer und vielfacher Zahl vor, die es effizient und effektiv zu nutzen gilt, um die Wettbewerbsfähigkeit aufrecht zu erhalten. Folglich sollten Daten nicht nur gesammelt und aufbereitet, sondern hinsichtlich zukunftsweisender Entscheidungen ausgewertet werden. Genau in diesem Punkt liegt der Unterschied zwischen Business Intelligence (BI) und Business Analytics (BA).

Business Intelligence umfasst mit Anwendungen wie Standard-, und Ad-hoc-Berichten, Abfragen sowie Alarmen eine vergangenheitsorientierte Sichtweise auf Daten. Fragestellungen nach dem „Warum…“ oder „Was passiert, wenn…“ können mit diesen Funktionen nur unzureichend erschlossen werden, obwohl gerade darin wertvolle Gestaltungs-, Optimierungs- und Innovationspotenziale liegen. Die Lösung dafür besteht in der Anwendung von Analysen, Simulationen, Prognosen und Optimierungen – d.h. in der Anwendung von Business Analytics.
 

Dominanz von Business Intelligence

Anwendungen zur Auswertung von Unternehmensdaten können zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens beitragen. Die befragten Unternehmen sind aber aktuell der Meinung, dass BI und BA Anwendungen in gleichem Maße dazu beitragen.

BI-Anwendungen sind in den befragten Unternehmen im Vergleich stärker repräsentiert. Dies zeigt sich zum einen in der Nutzung der verschiedenen Methoden und der vorhandenen Kompetenz im Bereich BA. Letztere wird durch die Unternehmen nur mit ausreichend bewertet, der Umgang mit BI-Anwendungen, wie Standardberichte oder Abfragen, wird indessen mit befriedigend bewertet. BI-Anwendungen kommen bei ca. 65% der befragten Unternehmen (n = 45) regelmäßig zum Einsatz. Im Vergleich kommen BA-Anwendungen nur bei einem Viertel regelmäßig zum Einsatz. Die Nutzung der Anwendungen ist besonders in klassischen Unternehmensbereichen wie Finanzwesen, Management, Vertrieb sowie Produktion und Logistik stark ausgeprägt (Bild 1). In anderen Bereichen, wie beispielsweise Produktentwicklung, Risikomanagement oder Forschung und Entwicklung (F & E) ist der Anteil der Unternehmen, die BA verwenden, noch sehr gering. Die klassischen Unternehmensbereiche werden auch zukünftig noch an Bedeutung gewinnen.
 

Datenqualität- und Quantität

Datenqualität stellt eine wichtige Grundlage für die erfolgreiche Anwendung von BA dar. Sollen zukunftsweisende Entscheidungen durch entsprechende Analysen vorangetrieben werden, müssen Daten nicht nur in ausreichender Quantität, sondern auch Qualität vorliegen. Die Erkenntnis darüber liegt bei den befragten Unternehmen vor: mit 80% stimmen nahezu alle der Tatsache zu, dass sie eine hohe Datenqualität erreichen wollen. Die Realität zeigt aber, dass erst 44,4% ihre Datenqualität als sehr gut oder gut einschätzen. Da bei 55,6% der befragten Unternehmen die Daten aber immer eher unregelmäßig oder nur projektbezogen bereinigt und gepflegt werden, ist dieses Ergebnis wenig verwunderlich.

Auch hinsichtlich der Datenquantität besteht Verbesserungspotenzial, denn erst 13,3% der befragten Unternehmen nutzen mehr als 50% der verfügbaren Daten für Analysezwecke. Aus den vorhandenen Datenbeständen kann folglich aktuell durch das Erstellen von Berichten, die Definition von Key Performance Indikatoren sowie die Identifikation von Schwachstellen der höchste Nutzen gezogen werden. Zukünftig stehen aber vermehrt analytische Anforderungen im Vordergrund. Unternehmen wollen schneller auf neue Anforderungen reagieren, vermehrt Zukunftsprognosen erstellen und eine höhere Wertschöpfung erzielen. Dieses Vorhaben erfordert neben der Nutzung entsprechender Systeme auch eine erweiterte Datenreichweite – bislang werden hier noch zu wenige Potenziale ausgeschöpft.
 


Bild 1: Nutzung von BI und BA in unterschiedlichen Unternehmensbereichen.

ERP als Quelle für Analytics

Die verfügbaren Daten für Analysen stammen bislang überwiegend aus klassischen Systemen wie ERP- oder CRM-System. Daten aus Social Media Anwendungen werden bislang nur von 11,1%, Daten von Websites von 15,6% der befragten Unternehmen genutzt. Auch wenn laut Aussagen einiger der befragten Unternehmen bereits organisationsweite Analysen möglich sind, lässt sich bei genauerer Betrachtung der genutzten Datenvielfalt vermuten, dass der Innovationsgehalt der Entscheidungen, die auf Basis dieser Analysen getroffen werden, nicht allzu hoch ist.

Denn tatsächlich nutzen erst 13,3% der befragten Unternehmen mehr als die Hälfte der zur Verfügung stehenden Daten für Analysezwecke. Von den Unternehmen die weniger als 50% der zur Verfügung stehenden Daten nutzen, sind gerade einmal 35% der Meinung, dass die operativen Systeme wie ERP,  CRM und MES sie mit ausreichend Daten versorgen.

An dieser Stelle scheint eine Diskrepanz vorzuliegen. Daten liegen aus einer Vielzahl von Systemen vor, werden aber nur in geringen Umfang für Analysen genutzt und dennoch sind die Unternehmen der Meinung, dass die Daten noch nicht ausreichen. Bild 2 zeigt den Zusammenhang zwischen Herkunft der Daten und Nutzung auf. Es ist erkennbar, dass 42% der Unternehmen, die ERP-Systeme als Datenquelle verwenden, weniger als 20% dieser Daten für Analysezwecke nutzen. Lediglich Daten die von externen Marktforschungsunternehmen stammen, werden im Vergleich häufiger für Analysezwecke herangezogen.

Das Problem scheint in der Zusammenführung von Daten aus unterschiedlichen Quellen zu liegen. Diese Vermutung bestätigt sich durch die vorliegenden Ergebnisse der Befragung. Von den Unternehmen gaben nur 17,8% an, dass Daten organisationsweit verfügbar sind. Mehr als die Hälfte der Unternehmen schätzen den Erfolg Ihres Unternehmens bei der Integration von Daten aus unterschiedlichen Abteilungen eher als befriedigend oder ausreichend ein.

Vielmehr wird in den meisten Unternehmen auf Daten aus einzelnen Fachabteilungen zurückgegriffen. Die Finanzabteilung, der Service und Vertrieb sowie der Bereich Logistik bzw. das Supply Chain Management sind die am häufigsten genannten Abteilungen, aus denen Daten verfügbar sind. Dies erscheint logisch, da insbesondere in diesen Bereichen ERP- und CRM-Systeme zum Einsatz kommen und daher auch als primärer Datenlieferant fungieren. Die Produktentwicklung sowie F & E sind dagegen scheinbar kaum als Datenquelle erschlossen. Daten aus dem Social Web, externe Marktforschungsdaten und Websiteanalysen spielen, wie bereits aufgeführt, als Datenlieferant eine untergeordnete Rolle, weshalb Unternehmensabteilungen wie Produktentwicklung oder F & E auch noch nicht von BA profitieren können. Neben der Ausweitung der genutzten Datenquellen, müssen also auch die Fähigkeiten der Datenintegration verbessert werden.
 


Bild 2: Vorhandene Datenquellen und Anteil der Datennutzung im Vergleich.

Investitionsbereitschaft für Analytics

Die Bereitschaft BA einzusetzen und zu nutzen ist sowohl auf Mitarbeiter- als auch auf Managementebene gegeben. Der Trend deckt auf, dass hier sogar der Wille des Top Management größer ist – dieses muss aber seinen Worten mehr Taten folgen lassen und sowohl mehr Schulungen anbieten als auch in BA-förderliche Systeme investieren. Schließlich scheint die Unkenntnis über die Möglichkeiten von Analysen, Simulation, Prognosen und Optimierungen eine große Anwendungsbarriere zu sein (64,4%), dicht gefolgt von fehlenden Investitionen durch die Unternehmensführung. Bislang scheint das Top Management noch eher in Systeme zu investieren, welche die Aufbereitung von Daten für anschließende Analysezwecke ermöglichen (46,7% der Angaben). Erst 13,3% der Unternehmen geben an, dass Investitionen in Tools für Prognosen freigegeben werden.

Auch hinsichtlich der organisatorischen Verankerung von BA müssen noch strukturelle Verbesserungen geschaffen werden. Die übliche Bündelung von Expertise in Fachbereichen gilt bislang nicht für BA. Erst 4,5% verfügen über eine eigene BA-Organisationseinheit. 20,5% geben sogar an, dass BA gar keiner Steuerung unterliegt.
 

Fazit

Die ersten Ergebnisse der Studie haben gezeigt, dass BA in den deutschen Unternehmen immer noch nicht angekommen ist und die Nutzung von BI noch verstärkt im Vordergrund steht. Dies scheint unterschiedliche Gründe zu haben. Es besteht die Möglichkeit, dass Daten von den verschiedenen Anwendungssystemen im Unternehmen noch nicht in der ausreichenden Menge oder Qualität vorliegen, um umfassende Analysen durchführen zu können. Ein weiteres Problem stellt die Integration von Unternehmensdaten aus verschiedenen Quellen dar.

 

 

Big DataBusiness AnalyticsBusiness IntelligenceIntegration





Das könnte Sie auch interessieren

Anbieterportal


alle Anbieter
Sharer Icon: facebookSharer Icon: TwitterSharer Icon: LindekInSharer Icon: XingSharer Icon: EnvelopeSharer Icon: Print
Banner

Mit ERP aus der Krise

Der neu erschienene Sammelband Zukunftsfähig mit ERP-Systemen enthält ausgewählte Artikel namhafter Forscher und Praktiker, um Expertenwissen rund um das Thema eines erfolgreichen ERP-Einsatzes für Anwendungen in der Praxis nutzbar zu machen. Er wendet sich vor allem an IT-Entscheider, die Digitalisierungsanstren- gungen planen und dabei auf einen optimierten ERP-Einsatz setzen.
E-Book bestellen

Wir verwenden Cookies, um die Nutzererfahrung stetig zu verbessern. Mehr Erfahren.

Essentielle Cookies

Cookie Settings
Speichert Einstellungen, die hier getroffen werden. (1 Jahr)

Statistik

Google Analytics | Google LLC | Datenschutz
Cookie von Google für Website-Analysen. Erzeugt statistische Daten darüber, wie der Besucher die Website nutzt. Alle Informationen werden anonymisiert gespeichert. (2 Jahre)