ERP-Technologie

Industrie 4.0 – Chance oder Blase?

1. Dezember 2015

Industrie 4.0 – Chance oder Blase?

Industrie 4.0 ist das Schlagwort im produzierenden Gewerbe. Doch was verbirgt sich hinter diesem Begriff genau? Es ist eine neue Vernetzung und eine erweiterte Nutzung bereits vorhandener Technologien. Vielfältigere Methoden Daten zu sammeln und auszuwerten und die Rückkopplung mit Produktionsplanung, Service und Produktentwicklung eröffnen ganz neue Wege für die Industrie. Dies wird aber nicht mit einem großen Knall plötzlich vorhanden sein. Es wird eine schleichende Revolution, deren Intensität und Geschwindigkeit von den Unternehmen selbst vorgegeben wird.

Was verstehen Sie unter Industrie 4.0?

Vernetzte Fabriken, in der Maschinen, Werkstücke, Fertigungsunternehmen, Kunden, Lieferanten und Logistikdienstleister permanent und vor allem selbsttätig Informationen austauschen. Neben den Produktionsanlagen werden auch Produkte mit Sensoren und eingebetteten Kleinstcomputern ausgestattet und bilden zusammen ein Netzwerk, ein sogenanntes cyber-physisches System. Diese Systeme sind in der Lage, sich aus internetbasierten Cloud-Diensten mit weiteren Informationen zu versorgen und sich damit über den gesamten Produktlebenszyklus kontinuierlich zu optimieren. 

Die vierte industrielle Revolution betrifft die Fertigungsindustrie in ihrer gesamten Bandbreite. Zum einen horizontal gesehen entlang der Wertschöpfungskette. Zukünftig könnte das so aussehen: Intelligente Produkte liefern Betriebsdaten, Service- und Qualitätsinformationen, auf die der Hersteller direkt reagieren kann. Die Beteiligten der globalen Logistikkette kommunizieren miteinander und stellen eine Just-in-Time-Belieferung sicher. Zum anderen vertikal gesehen entlang der betrieblichen Organisation. Maschinen vernetzen sich mit vor- und nachgelagerten Systemen und optimieren selbstständig Produktionsplanung und -steuerung über die komplette Supply Chain – unter Einbezug von Partnern und Lieferanten. Ausfälle von Maschinen fließen so direkt in die Produktionsplanung ein, Konstruktionsänderungen haben Auswirkungen auf die Fertigung, eintreffende Kundeninformationen lösen direkt und kontextabhängig Ereignisse aus.


Welche Ziele sind mit dem Thema Industrie 4.0 verbunden und sind diese Themen auch im Mittelstand relevant?

Mit Industrie 4.0 betreten mittelständische Unternehmen kein völliges Neuland, viele Technologien sind bereits heute erfolgreich im Einsatz. Die Schlagwörter Supply-Chain-Management (SCM), Product-Lifecycle-Management (PLM), Manufacturing Execution System (MES), Enterprise Content Management (ECM) oder RFID stehen stellvertretend für Technologien und Lösungen, die in der Industrie bereits heute etabliert sind und schon lange ihren Weg in die ERP- und CRM-Lösungen gefunden haben.

Neu sind vielmehr die Intensität, mit der diese Themenfelder die Diskussion innerhalb der Branche bestimmen, und die Möglichkeit, noch mehr Datenquellen anzuzapfen. Mehr Daten heißt aber nicht automatisch bessere Daten. Eine zentrale Herausforderung stellt die Aufbereitung, Analyse und Verdichtung der unterschiedlichen Datenquellen in der Smart Factory für operative und strategische Entscheidungen dar. Mit Big Data und Business Intelligence lassen sich die dazu erforderlichen Werkzeuge bereits heute in die ERP-Branchenlösungen der KUMAVISION integrieren. 

Neue Möglichkeiten verspricht die Korrelation von Betriebsdaten mit externen Datenquellen, um bisher unbekannte Zusammenhänge aufzudecken und Trends früher zu erkennen. So sind beispielsweise Szenarien vorstellbar, die Serviceintervalle von Maschinen und Anlagen unter Einbeziehung von Klima, eingesetzten Materialien und anderen Umgebungsparametern individuell zu steuern. Im Gegenzug fließen solche neue Erkenntnisse in die Entwicklung ein und die Qualität über den gesamten Produktlebenszyklus steigt. 

Zum Fehlschlag wird die vierte industrielle Revolution allerdings, wenn alle auf den großen Wurf warten. Denn der wird nicht kommen, sondern sich in einem schrittweisen Prozess entwickeln. Und die Entwicklung bestimmen die Unternehmen, die sich jetzt damit beschäftigen.


Was bedeutet Industrie 4.0 für Anbieter von ERP-Lösungen und welche Anforderungen werden gestellt?

Die Nachfrage nach kunden- und auftragsindividuellen Produktvarianten steigt. Die Konzepte der Industrie 4.0 fördern die Individualisierung mit dem Ziel, die Einzel- und Auftragsfertigung im Maßstab der seriellen Fertigung abzubilden. An das Produktmanagement werden damit verstärkte Anforderungen hinsichtlich Flexibilität, Geschwindigkeit und Kommunikation gestellt. So muss der Informationsaustausch mit Kunden und Lieferanten automatisch und bidirektional erfolgen, um die Vielzahl von Varianten bei kleinen Losgrößen überhaupt sinnvoll handeln zu können. Das in der Automotive- und Zulieferindustrie weit verbreitete EDI-Verfahren bietet sich dabei für unternehmensübergreifende Prozessketten an. Für ERP-Anbieter liegt die Herausforderung darin, hierfür die Basis zu liefern. Typisch für die Smart Factory ist die beschriebene Echtzeit-Vernetzung aller an der Wertschöpfung beteiligten Instanzen. Damit steigen jedoch nicht nur die Sicherheitsanforderungen, sondern auch Befürchtungen vor unbefugtem Zugriff auf Fertigungsprozesse, Produktinformationen und Unternehmensdaten. Schließlich werden auf der einen Seite mehr Daten als bisher übertragen und auf der anderen Seite unternehmensübergreifende Kommunikationskanäle zwischen Lieferanten, Kunden, Partnern und Produkten eröffnet. Die Task Force Industrie 4.0 von KUMAVISION hat
eshalb bereits Anfang 2015 ihre Arbeit aufgenommen. In diesem Team ausgewiesener Spezialisten werden Aktivitäten rund um die Smart Factory gebündelt. Fachleute aus verschiedenen Unternehmensbereichen beleuchten bereits heute kritisch Entwicklungen, Produkte und Business-Modelle, um gemeinsam mit Kunden Best-Practice-Lösungen für morgen zu entwickeln. Damit wird der Grundstein für eine fundierte Beratung und eine strategische Weiterentwicklung des Produktportfolios gelegt.


Welche konkreten Entwicklungen erwarten Sie in den nächsten 5 Jahren?

Neben der immer dichter werdenden Vernetzung in der Wertschöpfungskette stellt sich die Frage, ob bisherige Businessmodelle in der Fertigungsindustrie auch morgen noch Bestand haben werden. Neue Produktionsverfahren wie der 3D-Druck versprechen die zeitnahe, praktisch ortsunabhängige Fertigung von Neu- und Ersatzteilen und lassen die Grenzen zwischen Handel und Produktion verschwimmen: Im Mittelpunkt werden nicht mehr nur allein die einzelnen Teile, sondern auch die zugrundeliegenden 3D-Konstruktionsdaten stehen. Die Herstellungsprozesse werden sich gravierend verändern. Schon stehen unterschiedliche Materialen zur Verfügung. Der 3D-Druck birgt das Potenzial, in unterschiedlichen Bereichen massiv Kosten zu reduzieren. 


Werden Fertigungsunternehmen zukünftig auch Datenhändler oder gibt es eigene Plattformen, die die 3D-Konstruktionsdaten und die Herstellung bzw. die Herstellungskapazitäten (3D-Drucker) managen? 

Welche konkreten Entwicklungen es geben wird, ist schwer vorherzusagen. Die technischen Grundlagen sind bereits heute gegeben. Es kommt darauf an, bis zu welchem Grad vor allem der Mittelstand bereit ist, sich darauf einzulassen.    

 


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