ERP-Technologie

Zukunftsfähigkeit von ERP

Lesedauer: 8 Minuten

25. Oktober 2021 von Karl Tröger PSI

Zukunftsfähigkeit von ERP

Zukunftsfähigkeit ist keine technisch messbare Größe, sondern die Fähigkeit zur Anpassung an neue
Herausforderungen in der Industrie und Gesellschaft.  Die Beurteilung der Zukunftsfähigkeit eines ERP-Systems unter den heutigen volatilen, unsicheren, komplexen und mehrdeutigen Umweltbedingungen (VUCA-World) produzierender Unternehmen muss an der Fähigkeit zur schnellen Anpassung an neue Gegebenheiten, Verhaltensweisen, Marktbedingungen und Basistechnologien festgemacht werden. Es geht nicht um einzelne Funktionsbereiche oder Technologien und Zukunftsfähigkeit ist auch keine technisch messbare Größe. Ein ERP-System muss mit den zukünftigen Veränderungen in der Industrie und der Gesellschaft wachsen und sich verändern können. Der folgende Beitrag stellt wesentliche Anforderungen dar und soll Denkanstöße für die Gestaltung zukunftsfähiger Systemlandschaften geben. 

Zukunftsfähigkeit der Unternehmen als Ausgangspunkt und Treiber 

Für die Bewertung der Zukunftsfähigkeit von Softwarelösungen müssen viele Aspekte betrachtet werden. Der Kontext von ERP-Systemen und anderen produktionsnahen Lösungen ist die Wertschöpfung und die damit verbundenen Prozesse. Treiber derartiger Betrachtungen ist das Streben der Unternehmen, ihren wirtschaftlichen Erfolg und damit ihre eigene Zukunft abzusichern. Somit stehen tatsächlich alle relevanten Systeme, Prozesse und Geschäftsregeln im Fokus. ERP-Systeme spielen, zumindest heute noch, eine herausragende Rolle. Verbinden sie doch die Geschäftspartner in einer Lieferkette oder auch die eigenen Standorte mit den wertschöpfenden Prozessen. Hier findet allerdings ein Wandel statt. Immer mehr werden einzelne Services von cloud-basierten Plattformen genutzt und ergänzen bzw. ersetzen sogar teilweise traditionelle Funktionsbereiche eines ERP-Systems. Beispiele finden sich hierzu im Umfeld von Anwendungen der künstlichen Intelligenz oder stark standardisierten Funktionskomplexen wie dem Rechnungswesen. 

Betrachtungen zur Zukunftsfähigkeit von betriebswirtschaftlicher Software müssen demzufolge generell von den Umweltbedingungen, unter denen Wertschöpfung stattfindet, ausgehen. ERP-Systeme werden heute sehr breit angewendet. Dementsprechend ist der Betrachtungsgegenstand sehr groß. Es kommt nicht auf einzelne Funktionen oder Technologien an. Zukunftsfähigkeit lässt sich an der Fähigkeit zur schnellen Anpassung an neue Gegebenheiten, Verhaltensweisen, Marktbedingungen und Basistechnologien festmachen. 

Agilität und VUCA

Die Umgebungsbedingungen für eine verlässliche Produktionsplanung unterliegen immer stärker und schneller werdenden Veränderungen. Zur Beschreibung dieser Veränderung wurde der Begriff der „VUCA-World“ geprägt. Die Rahmenbedingungen werden volatiler, unsicherer, komplexer und mehrdeutig. Letztendlich werden zukünftig Entscheidungen immer mehr unter unsicheren Rahmenbedingen getroffen werden müssen.  

Dies ist planungsseitig aber nur ein Aspekt. ERP-Lösungen müssen zukünftig auch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten mehr leisten. Zu den Schwerpunkten gehören die Steigerung der Energie- und Materialeffizienz, die Unterstützung einer Kreislaufwirtschaft oder auch die Nutzung umweltfreundlicher Energiearten. Gerade die Produktionsplanung kann für die Steigerung der Nachhaltigkeit einen großen Beitrag leisten. Fortschrittliche Algorithmen bestimmen Mengen und Termine auch unter Umweltaspekten, Reihenfolgen werden optimiert und die Ressourcen bestmöglich genutzt. Künstliche Intelligenz kann hierbei unterstützen. Anwendungsfälle sind beispielsweise Bedarfs- oder Verbrauchsprognosen, Forecasts für den Absatz oder die Vorhersage von Kosten- und Umsatzentwicklungen. 

Wandlungsfähigkeit und Vernetzung 

Die Digitalisierung erfordert eine tiefe Integration der Systeme und Prozesse bei gleichzeitig stark gestiegenen Anforderungen an die Flexibilität oder Agilität. Auf den ersten Blick klingt das wie ein Widerspruch in sich. 

Grundvoraussetzung ist dazu die Fähigkeit der beteiligten Systeme, ihre Funktionen und Daten serviceorientiert in einer angemessenen Granularität zur Verfügung zu stellen. Die Services bzw. die API müssen eindeutig beschrieben sein. Es muss also klar sein, mit welchen Inputs eine Funktion wie aufgerufen werden kann und welche Ergebnisse sie unter den gegebenen Randbedingungen liefert. Die Verbindung der Funktionen mit ihren Daten sollte über einen Enterprise Service Bus erfolgen. Damit können flexibel Systeme „zu- oder abgeschaltet“ werden. Dieser ESB unterstützt in der Zukunft nicht nur den Datenaustausch, sondern instanziiert auch Prozesse und kann eine angeschlossene GUI zur Interaktion mit den Systemen anbieten. Neuen Anforderungen an die Funktionalität kann so weitgehend ohne komplexes Customizing Rechnung getragen werden. Es können einzelne Funktionsbereiche auf einfachere Art und Weise ausgetauscht bzw. modernisiert werden. 

Feste hierarchische Systeme werden durch flexibel vernetzbare und wandelbare Systeme abgelöst. Somit müssen auch ERP-Systeme in die Lage versetzt werden, sich mit anderen Softwaresystemen oder technischen Systemen zukünftig automatisch zu vernetzen. 

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Jeder Teilnehmer in diesem Produktionsnetzwerk kommuniziert potenziell mit jeder anderen Komponente, der statische Ressourcenbegriff wird durch eine dynamische Beschreibung ersetzt. Vorbild für derartige Produktionssysteme sind Netzwerkstrukturen aus der Telekommunikation. Heute wird von SDN (Software Defined Networking) gesprochen. Die möglichen Verbindungen werden durch Software gesteuert. Genauso kann es auch in einem Produktionssystem funktionieren. Hier werden die Fähigkeiten einzelner Maschinen und Anlagen im Zusammenspiel mit Werkzeugen, Programmen und der Automatisierung dynamisch „verschaltet“ und es entstehen neue Fertigkeiten. 

Die Ressourcen werden wandelbar. ME- und ERP-Systeme müssen diese gestiegene Komplexität in nicht mehr allzu ferner Zukunft im Zusammenspiel abbilden können.  

Modernität, User Experience und Informationsmanagement

Die Gebrauchstauglichkeit von ERP-Lösungen ist ein Dauerbrenner auf der Agenda der Anwender und Hersteller. Es geht hierbei nicht „nur“ um das User Interface, also Selbstbeschreibungsfähigkeit, Fehlertoleranz oder Erlernbarkeit, sondern auch oder gerade um die übergreifenden Abläufe bei der Bedienung. Jedwede Unterstützung wird angenommen, um Auftragsdurchläufe oder das Handling von Ausnahmen zu vereinfachen oder zu stabilisieren. Daher geht es darum, die Prozessorientierung in den Unternehmen auf die Oberfläche der ERP-Systeme zu bekommen. Datenzusammenhänge müssen auf einfachste Weise herstellbar und visualisierbar sein – und das je nach Aufgabenstellung oder Vorlieben der Nutzer. Idealerweise werden nur wenige Screens im Stil von Dashboards genutzt. Nur relevante Informationen und die im aktuellen Kontext notwendigen Funktionen sollten Anwendern angeboten werden. Das erhöht die Sicherheit bei der Verwendung und schafft Zufriedenheit bei den Nutzern. Am Ende ist User Experience mehr als nur Ergonomie, Farben und Performance. 

Datenmanagement in Zeiten von KI, Analytics und zunehmender Prozessautomatisierung ist, neben dem Management der Abläufe an sich, einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren bei der Digitalisierung. Die Vollständigkeit und Richtigkeit aller Daten macht die Digitalisierung erst möglich. Es kommt also neben der organisatorischen Verankerung in den Unternehmen darauf an, die Prozesse zur Anlage, Pflege und Harmonisierung von Stammdaten, insbesondere in ERP-Systemen, kontrolliert, stabil und sicher ablaufen zu lassen. Hier können mittlerweile integrierte Workflowmanagementsysteme zur Stabilisierung der Abläufe und zur Steigerung der Nachvollziehbarkeit genutzt werden. 

Die Qualität der Daten, also die Aktualität, Richtigkeit und Relevanz für einen bestimmten Prozess, muss kontinuierlich hochgehalten werden. Bewegungsdaten aus dem Shopfloor sind genauso wichtig wie die Auftragsdaten im ERP-System. Werden doch auf dieser Basis Entscheidungen getroffen, Termine ermittelt oder Preise kalkuliert.  

Netzwerkökonomie und Plattformen

Die Digitalisierungsanstrengungen der Industrie sind kein Selbstzweck. Es geht schlicht und einfach um die Wahrung der Wettbewerbsfähigkeit im globalen Rahmen und damit um die Zukunftsfähigkeit der Unternehmen. Eine sich daraus ergebende Top-Anforderung an jeden Teilnehmer in einem Produktionssystem ist Integrationsfähigkeit. Das betrifft Maschinen und Software gleichermaßen. Die Wertschöpfung findet bereits heute in Netzwerken statt. In diesem Kontext ist die Entwicklung von Plattformen zur Auftragsabwicklung der konsequente nächste Schritt. 

Mit der wachsenden Integrationsfähigkeit von Anwendungssoftware und serviceorientierten Architekturen verliert das „Gespenst“ Schnittstelle seinen Schrecken. Plattformen und Markplätze werden in der Zukunft immer mehr integrierbare Funktionen und Services anbieten und nutzbar machen können. Aber auch die Lösungen selbst profitieren von dieser Serviceorientierung. Neue oder weiter entwickelte Funktionen oder Services lassen sich dann deutlich leichter integrieren oder austauschen. Der Leistungsumfang kann zugeschnitten und spezielle Anforderungen von Standorten, Produktionsanlagen oder spezifischen Herstellungsprozessen für bestimmte Produkte können einfacher und ggf. nur lokal wirksam berücksichtigt werden. Moderne Spezialanwendungen werden so ebenfalls nutzbar. Monolithische Strukturen in ERP-Systemen müssen folgerichtig aufgebrochen werden und komponenten orientiert konsumierbar werden. 

Ein solches Vorgehensmodell erfordert allerdings auch ein anderes Vorgehen beim Systembetrieb. Dem Konfigurationsmanagement derartiger flexibel zusammengestellter Lösungen – quasi im Sinne von „Everything-as-a-Service“ – kommt eine enorme Bedeutung zu. 

Internationalisierung und Globalisierung

Die ERP-Systeme als Rückgrat der Produktion in der Industrie mussten den globalen wirtschaftlichen Gegebenheiten schon immer Rechnung tragen. Die Ausweitung des Geschäfts in andere Regionen oder Kontinente und die Etablierung den Globus umspannender Lieferketten ist nicht neu. Verändert hat sich die Geschwindigkeit, mit welcher die Prozesse ablaufen müssen und sich verändern! Das betrifft alle Bereiche eines produzierenden Unternehmens – vom Einkauf über die Produktion bis zur Lieferung, Inbetriebnahme und Service. Aus diesem Grund geht es um die flexible Automatisierung von Prozessen bzw. Workflows. ERP-Systeme müssen heute „on-the-fly“ an neue Gegebenheiten ohne langwieriges Customizing angepasst werden können. Hier helfen im Hintergrund arbeitende Bus-Systeme (im Sinne von ESB), die Ereignisse, Aufgaben und Daten automatisierbar und flexibel gestaltbar zwischen den Teilnehmern einer Lieferkette innerbetrieblich und unternehmensübergreifend transferieren können. 

Die globale Unterstützung der Wertschöpfung im eigenen Unternehmen kann durch die Bereitstellung relevanter Bestandteile einer Gesamtlösung in der Cloud unterstützt werden. Die benötigten Ressourcen können darüber hinaus besser skaliert werden. Dies betrifft aufgrund des geforderten Zeitverhaltens im Wesentlichen die ERP-Systeme. Produktionsnahe Lösungen werden eher an den Rand des Produktionssystems (die Edge) verlagert. 

Ein interessanter Nebeneffekt bei diesem Betriebsmodell ist die Änderung der Kostenstrukturen. Aus Investitionen in Hard- und Software (Capital Expenses – CAPEX) mit ihrem Abschreibungsverhalten werden Betriebskosten (Operational Expenses – OPEX). 

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