ERP-Einführung

Digitale Transformation von Unternehmen

Lesedauer:  3 Minuten
jeske

Dr. Tim Jeske ist wissenschaftlicher Experte des ifaa zu den Themen Industrie 4.0 und Produktions- und Prozessoptimierung.

 

Wie würden Sie den Begriff „Digitale Transformation“ erklären?

Der zunehmende Einsatz digitaler Technologien in Unternehmen führt zu vielseitigen Veränderungen in Informations- und Kommunikationsprozessen. Informationen werden sehr schnell verfügbar und teilweise in Echtzeit nutzbar. In der Folge lassen sich auch zugehörige Prozesse weiterentwickeln oder neu gestalten. Gleichermaßen können Produkte weiterentwickelt und um datenbasierte Zusatzleistungen ergänzt werden. Dies kann dazu führen, dass Geschäftsmodelle abgelöst, weiterentwickelt oder neu entworfen werden. Der Einsatz digitaler Technologien und der damit verbundene Veränderungsprozess betrifft daher langfristig die gesamte Organisation und wird deshalb als digitaler Transformationsprozess bezeichnet. Im industriellen Umfeld werden diese Veränderungen auch als Wandel zur Industrie 4.0 benannt. 
 

Welche wichtigen Treiber der digitalen Transformation können Sie benennen?

Die Sicherung von Wettbewerbsfähigkeit und Fortbestand eines Unternehmens erfordert dessen beständige Anpassung an Marktsituation und Kundenbedarfe – bspw. im Rahmen des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses. Dazu gehört eine Prüfung des Nutzens neuer Möglichkeiten, wie sie sich u. a. aus der Digitalisierung ergeben. Sie erlaubt völlig neue Geschäftsmodelle, die oftmals das Potenzial haben, bestehende bisher erfolgreiche Modelle kurzfristig abzulösen. Die Sicherung bzw. Weiterentwicklung des eigenen Geschäftsmodells ist daher ein wesentlicher Treiber. Gleichermaßen werden große Produktivitätszuwächse erwartet – diese tragen sowohl dazu bei, die Wettbewerbsposition zu verbessern als auch dem Fachkräftemangel zu begegnen und mit dem demografischen Wandel umzugehen. Hierzu kommen insbesondere Assistenzsysteme zum Einsatz; diese können den Menschen von körperlich anstrengenden sowie von durch Routine geprägten Tätigkeitsanteilen entlasten und so zum Erhalt seiner Arbeits- und Leistungsfähigkeit beitragen.

Welche Schritte gehören aus Ihrer Sicht zum digitalen Transformationsprozess in einem Unternehmen?

Der digitale Transformationsprozess kann bedarfsgerecht initiiert werden und sowohl bei Prozessen, Produkten als auch beim Geschäftsmodell ansetzen – entscheidend ist dabei die Einbettung in die strategische Ausrichtung des Unternehmens. Unabhängig vom konkreten Ansatzpunkt geht es darum, zuerst die Verfügbarkeit von Daten sicherzustellen, um darauf aufbauend Prozesse zu gestalten, die diese Daten mit Hilfe fester Regeln wertschöpfend nutzen (bspw. zur Produktionssteuerung in Abhängigkeit vom Fertigungsfortschritt an den eingelasteten Aufträgen). Anschließend können dynamische Regeln entwickelt werden, die sich basierend auf geeigneten Lernalgorithmen selbst weiterentwickeln. Derartige Ansätze werden häufig als Nutzung künstlicher Intelligenz beschrieben.

Auf welche Herausforderungen stoßen Unternehmen aktuell?

Viele Unternehmen benötigen Unterstützung bei der Identifizierung für sie passender Ansätze aus der Vielzahl an Möglichkeiten der Digitalisierung. Dies gilt insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen, die meist nur über begrenzte Ressourcen verfügen. Dabei ist es wichtig, dass ausgewählte Ansätze zum Stand der Digitalisierung im jeweiligen Unternehmen und zu seiner strategischen Entwicklungsperspektive passen. Dabei besteht eine Herausforderung in der Entwicklung einer Unternehmenskultur, die den Veränderungsprozess unterstützt, klare Zuständigkeiten erlaubt und die Einbindung aller Beteiligten sicherstellt, so dass ausgestaltete Lösungen dem Bedarf entsprechen und Akzeptanz finden. Die aufgrund der fortschreitenden Digitalisierungsbestrebungen hohe Nachfrage nach IT-Fachkräften führt dazu, dass diese nur begrenzt verfügbar sind – dies betrifft vorwiegend kleine und mittlere Unternehmen geringer Bekanntheit – insbesondere wenn diese in ländlichen Regionen ansässig sind. Dort kann zudem eine mangelnde Breitbandanbindung als Digitalisierungshemmnis wirken.

 

Das könnte Sie auch interessieren

Zehn ERP-Praktiker über Projekterfolg

Zehn ERP-Praktiker über Projekterfolg

Was in Auswahl, Implementierung und Betrieb wirklich zählt
ERP-Projekte scheitern selten an der Software selbst, sondern an unklaren Prozessen, fehlender Vorbereitung und mangelnder organisatorischer Einbindung. Zehn erfahrene ERP-Praktiker aus Deutschland und der Schweiz berichten aus ihrer Projektpraxis und zeigen, welche Faktoren bei Auswahl, Einführung und Betrieb von ERP-Systemen wirklich entscheidend sind – von der oft unterschätzten Phase Null bis zur realistischen Einordnung von KI.
Ohne ERP-System keine KI-Transformation im Mittelstand

Ohne ERP-System keine KI-Transformation im Mittelstand

Im Mittelstand entscheidet das ERP über Tempo und Wirkung von KI
Künstliche Intelligenz gilt als Treiber der digitalen Transformation –doch im Mittelstand entscheidet nicht der Algorithmus, sondern das ERP über Tempo und Wirkung. Gut gepflegte ERP-Systeme liefern die verknüpften, kontextualisierten Daten, die KI erst produktiv machen. Sie bilden die Basis für Prozessoptimierung, Automatisierung und neue Geschäftsmodelle. Wer nachhaltige Innovation realisieren will, muss beim ERP ansetzen.
„Der Fokus muss auf Individualisierungen liegen, die ein Unternehmen einzigartig machen“

„Der Fokus muss auf Individualisierungen liegen, die ein Unternehmen einzigartig machen“

Im Management-Talk mit enventa CEO Daniel Plohnke
Was bedeutet die Auszeichnung „ERP-System des Jahres“ für Sie? Es ist toll, dass die Energie und die Leidenschaft, die unser Team in das Produkt steckt, ausgezeichnet werden. Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind, und es ist eine Anerkennung für alle, die über die Jahre daran mitgewirkt haben. Was unterschied Ihre Lösung von den anderen Finalisten? Unser Produkt hat einen klaren Branchen-Fokus auf die Bekleidungs- und Lifestyle-Branche – und ist dazu eine echte Standard-Lösung. Welchen Kundenmehrwert konnten Sie im Wettbewerb am besten zeigen? Die Durchgängigkeit und Transparenz über das gesamte Unternehmen hinweg. Die verschiedenen Geschäftsmodelle, die ein Modeunternehmen heutzutage beherrschen muss, sind eine Herausforderung. Ihre Orchestrierung in einer Lösung erlaubt unseren Kunden, diese mit maximaler Effizienz zu bewältigen. Wie tragen Cloud-Technologien zur Lösungs strategie bei? Speziell in unserem Zielmarkt gibt es häufiger ...
Fünf teure Stolpersteine bei der ERP-Einführung

Fünf teure Stolpersteine bei der ERP-Einführung

Mit diesen Empfehlungen bewältigen Unternehmen solche Hürden
Den meisten Mittelständlern ist längst klar, dass sie im Zuge des digitalen Wandels ihre Prozesse vernetzen müssen. Kaum ein Weg führt dabei an ERP-Systemen vorbei – sie sorgen für Geschwindigkeit und vor allem Transparenz. Doch die Angst vor hohen Kosten, komplexen Projekten und Unruhe in der Belegschaft bremst viele Unternehmen aus. Fünf Hürden gilt es zu umgehen, um das Potenzial voll auszuschöpfen.
RICE-Scoring bringt Struktur in ERP-Entscheidungen

RICE-Scoring bringt Struktur in ERP-Entscheidungen

Mit einer simplen Formel treffen KMU klare Projektentscheidungen
KMU stehen oft vor der Herausforderung, zu viele Digitalisierungswünsche mit zu wenig Ressourcen unter einen Hut zu bringen. Häufig entscheiden Bauchgefühl oder Abteilungsdruck, was umgesetzt wird – mit teuren Fehlstarts als Folge. Das RICE-Scoring bietet eine einfache Formel zur objektiven Priorisierung: Anhand von Reichweite, Wirkung, Zuversicht und Aufwand erkennen Unternehmen, welche ERP-Projekte den größten Nutzen bringen.
Methoden-Toolkit für bessere Entscheidungen

Methoden-Toolkit für bessere Entscheidungen

Mit Argumentenbilanz, Nutzwertanalyse und Co. Alternativen bewerten und Risiken erkennen
Entscheidungstechniken machen den Unterschied zwischen Bauchgefühl und fundiertem Urteil. Sie strukturieren Informationen, zeigen Alternativen auf, gewichten Argumente und machen Folgen transparent. Ob Argumentenbilanz, Nutzwertanalyse, Entscheidungsbaum oder Business Case – die Methoden liefern Entscheidern nachvollziehbare Grundlagen. Am Ende gilt: Gut vorbereitete Entscheidungen zahlen direkt auf den Unternehmenserfolg ein.
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Allgemein. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den permalink.