ERP-Technologie

Mit 5G in die Kurve

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Seit 17 Jahren identifiziert die Gartner Group in regelmäßigen Abständen Megatrends der Informations- und Kommunikationstechnik, die aktuell besonders gehypt werden und die in den kommenden fünf bis zehn Jahren marktbestimmende Elemente sind. In diesem Herbst sind es vor allem Anwendungen rund um künstliche Intelligenz, die die Unternehmensanwendungen in der nächsten Zukunft beeinflussen werden. In der Tat gibt es dazu inzwischen hunderte von Anwendungsbeispielen, wie sich entlang der gesamten Supply Chain ERP- und CRM-Funktionen durch artificial Intelligence verfeinern lassen. Da kommt die Gartner-Prognose, dass mit 5G der nächste Mobilfunkstandard am Horizont auftaucht vergleichsweise unspektakulär daher. Doch Vorsicht: 5G soll nicht nur die heutige LTE-Technologie ablösen um mehr Bandbreite für Video-Streaming und virtuelle Realitäten zur Verfügung zu stellen. 5G wird Internet-Anwendungen in die Lage versetzen, innerhalb von etwa einer Millisekunde zu reagieren. Dazu muss eine Übertragungsrate von mindestens 20 Gigabit pro Sekunde erreicht werden – der heutige LTE Standard bringt es auf ein Gigabit pro Sekunde…

Ein erstes populäres Anwendungsbeispiel werden wir bei der Winterolympiade im südkoreanischen Pyeongchang (nicht zu verwechseln mit dem nordkoreanischen Pjöngjang) erleben. Mit Hilfe von 5G sollen Internet-Nutzer überall auf der Welt den Absprung eines Skispringers quasi in Echtzeit aus der Perspektive einer im Helm untergebrachten Kamera mitverfolgen können. Bei der Fahrt durch den Eiskanal eines Bobfahrers ist man dann genauso mittendrin und dabei wie beim Riesenslalom.

Noch ist der 5G-Standard nicht Realität. Aber es lohnt sich bereits heute, sich auf die Möglichkeiten einzustellen, die sich aus diesem Mobilfunkstandard ergeben. Rund 500 Milliarden mobile Endgeräte können damit erreicht werden, die Daten in Echtzeit senden oder empfangen. Die wenigsten mobilen Geräte werden dabei unmittelbar von Menschen genutzt – Smartphones beispielsweise oder Autos. Aber über 90 Prozent – also immer 450 Milliarden – sind Maschinen, die mit Sensoren, Kameras, Mikrofonen ausgestattet sind und kontinuierlich ihre Umgebung und sich selbst beobachten. Sie sind Fertigungsmaschinen, die die eigene Arbeitstemperatur und die Präzision, mit der sie ihre Arbeit verrichten, messen. Sie gleichen ihre Taktfrequenz mit anderen Maschinen ab. Sie melden sich, wenn eine Wartung notwendig werden sollte. Als Roboter – oder genauer Co-Bots – beobachten sie ihre Umgebung, um die Gesten ihrer menschlichen Kollegen zu verstehen. Und natürlich kommunizieren die Maschinen mit den Werkstücken, an denen sie arbeiten, um zu erkennen, welcher Arbeitsschritt als nächstes gefordert ist.

Nach Schätzungen der Gartner Group werden im Jahr 2020 erst drei Prozent der Mobilfunk-Anbieter diesen Standard anbieten. Bis dahin sind auch „erst“ 50 Milliarden Geräte im Internet der Dinge aktiv. Aber schon in den zwanziger Jahren dürfte die Anzahl der Maschinen im mobilen Internet die 500 Milliarden erreicht haben. Das ist das Tempo, mit dem sich die digitale Infrastruktur weiterentwickelt. Wir gehen sprichwörtlich mit 5G durch die Kurve in eine völlig andere Welt.

Es ist höchste Zeit, sich auf diesen Ritt vorzubereiten. Anschnallen allein hilft nicht. Jeder Unternehmer und Chief Digital Officer sollte jetzt damit beginnen, eine Vision der Zukunft zu entwickeln und daraus eine Digitalstrategie abzuleiten. Dazu ist es notwendig, die eigenen Stärken und Schwächen zu formulieren und damit eine realistische Einschätzung der Wettbewerbsstärke in sich verändernden Branchen und Märkten zu erzielen.

Und erst dann geht es um die Frage der technischen Umsetzung. Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf die Geschäftsprozesse im Unternehme und auf die Geschäftsmodelle der Branche. Es wäre falsch, zunächst ein Stück Digitalisierung hier und ein wenig Vernetzung dort zu versuchen, ohne den Blick auf das große Ganze geschärft zu haben. Die technische Umsetzung ist der Abschluss dieses Projekts, nicht der Anfang. Wer das nicht beherzigt, fliegt mit 5G aus der Kurve.

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