Digitalisierung, ERP-Technologie

Dr. ERPel und der Rückschritt im ERP-Dschungel

Die Gefahren der proprietären Abhängigkeit
Lesedauer:  2 Minuten
ERP

Unabhängigkeit von proprietärer Technologie ist eine äußerst wichtige technologische Weichenstellung für ein zukunftsfähiges ERP-System. Damit meint Dr. ERPel nicht den (unentschieden stehenden) Kampf zwischen Microsoft und Java, sondern die vielen anderen Technologien, die zum sicheren und performanten Betrieb eines ERP-Systems gehören.

„Der Kampf zwischen Microsoft und Java steht unentschieden“

Neulich konnte Dr. ERPel einer Systemvorführung beiwohnen, die ihn fast vom Glauben an den gesunden Menschenverstand abfallen ließ. Folgendes war geschehen: Ein international sehr bedeutender Anbieter mit einer beachtlichen Präsenz leider zumeist veralteter ERP-Systeme in Deutschland führt sein neuestes Release bei einem potenziell millionenschweren Kunden vor.

„Dr. ERPel war begeistert: Alles wie im Lehrbuch“

Um plattform- und geräteunabhängig zu bleiben, hatte der Anbieter die gesamte Benutzerinteraktion auf das zukunftsweisende HTML 5 umgestellt. Das hat große Vorteile, da das ERP-System ohne Client-Installation in jedem Browser und auf jedem Gerät prinzipiell die gesamte Funktionalität zur Verfügung stellen kann. Angesichts des Trends zu Industrie 4.0 eigentlich ein riesiger Vorteil. Doch während Dr. ERPel noch versonnen vor sich hinlächelte und an das Gute im Entwickler glaubte, wurde das nächste Thema aufgerufen, Projektmanagement. „Da muss ich ja gar nicht so genau hinsehen, denn vor zwei Jahren habe ich bei genau diesem Anbieter eine tolle Projektmanagementlösung gefunden“, dachte Dr. ERPel.

„Doch dann fiel ihm die Kinnlade herunter“

Denn der Anbieter hatte seine eigene Projektmanagementlösung entfernt und stattdessen die vielen wenig sinnvollen Schaltflächen von MS Project eingebaut. Das heißt, der potenzielle Kunde, der an sehr vielen Arbeitsplätzen Lesezugriff auf Projektpläne benötigt, hat nun gar nichts von der schönen neuen Welt. Denn überall muss er nun ein proprietäres Betriebssystem, eine Lizenzverwaltung, einen Exchange-Server, einen bestimmten Browser und wer weiß was noch alles installieren, von den zusätzlichen Lizenzkosten und Wartungsaufwänden ganz zu schweigen. Damit ist auch eine Entkopplung der ERP-Entwicklung von der Infrastrukturentwicklung unmöglich geworden.

Dr. ERPel denkt dazu: Microsoft kann froh und dankbar sein, dass es so doofe ERP-Anbieter gibt, die ohne jede Not (und offenbar auch ohne jeden Verstand) alle ihre technologischen Vorteile wegschmeißen, nur um einen Balkenplan mit proprietärer Software anzeigen zu können.

Das könnte Sie auch interessieren

Intelligentes Kalkulationsmanagement

Intelligentes Kalkulationsmanagement

Abweichungen erkennen, bevor sie teuer werden
Budgetabweichungen entstehen im industriellen Projektgeschäft häufig nicht erst während der Ausführung. Ihre Ursachen liegen vielfach bereits in frühen Annahmen, unvollständigen Mengengerüsten und fehlender Abstimmung. Intelligentes Kalkulationsmanagement verbindet Kalkulation, Risikoanalyse, ERP-Daten und Projektsteuerung. Der Beitrag zeigt, wie Unternehmen Abweichungen früher sichtbar machen und Verantwortung systematisch verankern können.
ERP ist nicht mehr das Betriebssystem des Unternehmens

ERP ist nicht mehr das Betriebssystem des Unternehmens

Vom System of Record zum kontrollierten System of Action
ERP-Systeme bleiben das transaktionale Rückgrat von Unternehmen – doch in der KI-nativen Welt reicht ihre Rolle allein nicht mehr aus. Unternehmenswissen verteilt sich über zahlreiche Systeme, während KI Kontext, Governance und systemübergreifende Prozesse benötigt. Ein Business-Operating-System kann diese Lücke schließen: als semantische, KI-fähige und systemunabhängige Schicht zwischen Menschen, Daten, Prozessen und Anwendungen.
Treffsichere Prozessanalysen in Zeiten des Wandels

Treffsichere Prozessanalysen in Zeiten des Wandels

Wie kausales Process-Mining eine schnelle Anbindung ermöglicht
Die grundlegenden Techniken des Process-Mining wurden vor etwa 20 Jahren entwickelt. Ziel war es, mithilfe von Daten aus transaktionalen Systemen detaillierte Analyseergebnisse zu Prozessen zu erlangen [1]. Process-Mining stellte damit einen Gegenentwurf zu zeitaufwändigen, ungenauen Prozesserhebungen mit Interviews und Workshops dar. Um den Austausch von Prozessdaten für die Forschung zu erleichtern, entwickelten Forscher aus der Gruppe von Prof. Dr. Wil van der Aalst an der TU Eindhoven ein XML-Format für Event-Logs. Die Idee war, dass Process-Mining-Werkzeuge dieses Format als Importschnittstelle unterstützen. Nun konnten Unternehmen aus ihren Systemen Prozessdaten in eine Datei in diesem Format transformieren und diese Datei an Projektpartner weiterreichen, um Process-Mining-Techniken darauf anzuwenden. Einige anonymisierte Dateien wurden auch für Forschungszwecke veröffentlicht, was die Forschung in diesem Bereich beflügelte. So dienlich wie Dateiformate für Event-Logs ...
Steuer-Compliance im ERP-Kontext

Steuer-Compliance im ERP-Kontext

Steuer-Compliance im ERP systematisch gestalten
 1. Steuerliche Anpassungen außerhalb des ERP-Systems? Im Jahresabschluss werden steuerliche Abweichungen von handelsrechtlichen Wertansätzen häufig außerhalb des ERP-Systems ermittelt und in Excel fortgeschrieben. So bildete ein Unternehmen handelsrechtlich eine Drohverlustrückstellung von 50 Mio. Euro, die steuerlich grundsätzlich nicht angesetzt werden darf. Die steuerliche Korrektur lag ausschließlich in mehreren Excel-Dateien. Bei einer späteren Prüfung mussten unterschiedliche Versionen abgestimmt und die Verbindung zum ursprünglichen Geschäftsvorfall aufwendig rekonstruiert werden. Das Praxisproblem liegt damit im Medienbruch: Der handelsrechtliche Wert befindet sich im ERP-System, der steuerliche Wert und seine Herleitung dagegen außerhalb. Unterschiedliche Bearbeitungsstände und manuelle Abstimmungen erschweren die Nachvollziehbarkeit. Hinzu kommen Anforderungen der GoBD an Nachvollziehbarkeit und Unveränderbarkeit. Der Tax Ledger als ...
Integrierte Prozessarchitektur: Basis digitaler Wertschöpfung

Integrierte Prozessarchitektur: Basis digitaler Wertschöpfung

Erkenntnisse aus der Wohnungswirtschaft
Die Wohnungswirtschaft braucht neue Antworten auf steigende Komplexität, Kostendruck und wachsende Digitalisierungsanforderungen. Eine integrierte Prozessarchitektur schafft dafür den Ordnungsrahmen: Sie verbindet end-to-end-Prozesse, wiederverwendbare Prozessmodule, Workflows und interoperable IT-Systeme. Das ERP wird dabei vom zentralen Prozessführer zum stabilen System of Record und schafft Raum für flexible, spezialisierte digitale Lösungen.
Task-Management-Tools im Vergleich: 5 im Praxistest

Task-Management-Tools im Vergleich: 5 im Praxistest

Stärken, Schwächen und Funktionen anhand klarer Bewertungskriterien
Ob Excel-Liste oder Kanban-Board: Die Wahl des richtigen Task-Management-Systems entscheidet mit darüber, ob wachsende Unternehmen den Überblick behalten oder im Chaos versinken. Der Artikel stellt listenbasierte und kanban-orientierte Ansätze gegenüber – Struktur versus Flexibilität, lineare Ordnung versus visueller Workflow. Anhand konkreter Tools und Praxisszenarien zeigt sich, welches Konzept in welchem Szenario wirklich überzeugt.
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Allgemein. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den permalink.