Das wirtschaftliche Umfeld ist heute für viele Unternehmen durch weltweite Wirtschaftsbeziehungen, kurze Produktlebenszyklen und komplexe Wertschöpfungsnetze geprägt. Mit dem Wandel in der Arbeitswelt haben sich auch die Anforderungen an die IT im Unternehmen verändert. Sind ERP-Systeme aus der Cloud in der Lage, diese Anforderungen zu erfüllen?
Von der Globalisierung sind nicht nur internationale Konzerne, sondern längst auch mittelständische Firmen betroffen, die immer häufiger länderübergreifend mit Kooperationspartnern, Zulieferern oder Kunden zusammenarbeiten. Oft finden sich selbst kleine Unternehmen als Teil globaler Wertschöpfungsnetze wieder, in denen je nach Marktsituation die Beziehungen gekappt oder neu geknüpft werden. Unternehmen müssen somit flexibler und wandlungsfähiger sein als je zuvor. Auch Unternehmen, die nicht international ausgerichtet sind, sehen sich zunehmender Vernetzung ausgesetzt: Immer öfter arbeiten sie unternehmensübergreifend in Entwicklung, Herstellung, Montage oder im Service mit Partnern zusammen. Die Folge: Vorgänge werden nicht mehr nur lokal im Unternehmen, sondern an verschiedenen Unternehmensstandorten, bei einem Partner oder auch beim Kunden abgewickelt. In dieser Situation kommt es auf optimale Zusammenarbeit an. Mehr noch: Zunehmende Globalisierung und Vernetzung verlangen geradezu eine neue Qualität der Kommunikation und Koordination. Der effiziente Umgang mit und insbesondere das effiziente Teilen von Wissen und Information werden zu wichtigen Erfolgskriterien im Wettbewerb.
Die Zukunft von ERP
Um die interne und externe Zusammenarbeit, wie sie heute gang und gäbe ist, reibungslos zu gestalten, bedarf es moderner Tools, die ortsunabhängig einsetzbar sind, damit sie die Vernetzung von Unternehmen effizient unterstützen. Besser als vor Ort installierte und betriebene Lösungen können ERP-Systeme aus der Cloud den heutigen Ansprüchen an eine reibungslose Zusammenarbeit gerecht werden, da sie über das Internet bereitgestellt werden und somit von jedem PC mit Internetanschluss erreichbar sind. Cloud-Software ermöglicht es unterschiedlichen Nutzern an verschiedenen Standorten, auf ein und dieselbe Software und auf einen zentralen Datenbestand zuzugreifen. Deshalb verwundert es nicht, dass das bekannte US-Marktforschungsinstitut Gartner deshalb in der aktuellen Studie „Forecast: Software as a Service, Worldwide, 2010-2015, 1H11 Update“ [1] von einer enormen Nachfrage ausgeht: Ist im Vergleich zu 2010 schon in diesem Jahr damit zu rechnen, dass die Umsätze mit Cloud-Software um 21 % auf 12,1 Milliarden US-Dollar steigen, so prognostiziert Gartner bis 2015 einen Umsatz von 21,3 Milliarden Dollar weltweit. Auch in Deutschland, wo Cloud Computing bislang noch mit Skepsis betrachtet wurde, wachsen die Umsätze mit der neuen Technologie laut dem Branchenverband Bitkom zweistellig. Im Jahr 2015 sollen etwa 10 Prozent der gesamten IT-Ausgaben in Deutschland auf diese Technologie entfallen [2].
Externe Partner einbeziehen
Cloud-Software ermöglicht es, Lieferanten oder Kunden direkt in die Geschäftsprozesse einzubeziehen, etwa um Bestellungen aufzugeben oder Lieferungen zu terminieren. Dadurch werden Prozesse erheblich beschleunigt, was sich wiederum in Kostenvorteilen bemerkbar macht. Cloud-Software unterstützt darüber hinaus die Auslagerung kompletter Unternehmensbereiche.
CRM als Vorreiter
Die zunehmende Vernetzung in der Arbeitswelt verlangt jedoch nicht nur ein verbessertes Teamwork, sondern auch mehr Mobilität. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass gerade Online-CRM-Lösungen auf großes Interesse stoßen. Laut Gartner sind sie im Cloud-Software-Markt der größte Umsatzbringer. Die Vorteile liegen auf der Hand: Sie bieten zum Beispiel dem Vertriebler gute Möglichkeiten, auch von unterwegs – etwa vor einem Kundentermin – aktuelle Daten (Offene Posten, Kundenhistorie) abzurufen, um dem Kunden vorbereitet zu begegnen. Mit Hilfe von Cloud-Software kann er zudem Kundenbesuche dokumentieren, ohne dass im Büro ein Abgleich von Informationen oder ein Nachtragen von Daten nötig wären. Vermehrt werden Business-Lösungen inzwischen auch für mobile Endgeräte wie dem iPad oder iPhone angeboten. Dies kann besonders für Unternehmen, die viele Außendienstler beschäftigen, interessant sein.
ERP im Wandel der Zeit
Waren ERP-Systeme in ihren Anfängen zunächst Produktionsplanungssysteme, zum Teil mit Anbindung an das Finanzwesen, kamen im Laufe der Zeit weitere Funktionen wie beispielsweise Personalwesen oder Logistik hinzu. Bis in die 1990er Jahre hinein wurden ERP-Systeme allerdings fast nur von Großunternehmen eingesetzt. In dieser Zeit ist der Begriff ERP untrennbar mit dem Unternehmen SAP verbunden. Später differenzierte sich der Markt besonders im Bereich der kleinen und mittelständischen Unternehmen weiter aus: Eine große Zahl von Lösungen für dieses Segment ist heute erhältlich, vielfach mit branchenspezifischer Ausrichtung. Bis heute weckt der Begriff ERP jedoch Assoziationen von Komplexität und hohen Kosten. Anfangs noch stark mit der Fertigung verbunden, wandelte sich die Bedeutung inzwischen mehr in Richtung allgemeiner Unternehmensorganisation und -steuerung. ERP-on-Demand-Anbieter verwenden deshalb vorwiegend den Begriff Business Software. Selbst im Zusammenhang mit SAP Business ByDesign taucht das Kürzel ERP nur noch vereinzelt auf. Hersteller wie Plex Online, die sich gezielt an die Fertigung wenden, verwenden den Begriff ERP-Software jedoch weiterhin, ebenso cierp3, das seinen Schwerpunkt in der Warenwirtschaft hat. Actindo, Hersteller einer Online-e-Commerce-Lösung spricht von „Cloud ERP“.
ERP wird bezahlbar
Die Zahl der Cloud-ERP-Anbieter in Deutschland ist noch überschaubar. Auch mangelt es den ERP-on-Demand-Systemen zum Teil an ausgereiften fertigungsspezifischen Komponenten (BDS/PPS). Der Hintergrund ist klar. In einer Wissensgesellschaft, in der der produzierende Sektor schrumpft, zielen die IT-Anbieter mit ihren Angeboten aus der Cloud vorrangig auf Dienstleistungsbetriebe, und hier insbesondere auf kleine und mittelständische Firmen. ERP-on-Demand macht nämlich „Enterprise Ressource Planning“ für kleine und mittelständische Unternehmen überhaupt erst möglich und finanzierbar. Grund hierfür ist die Tatsache, dass die Software-Architektur von Cloud-ERP-Systemen auf dem Multi-Tenancy-Konzept beruht, nach dem alle Nutzer auf der gleichen Plattform arbeiten, ohne jedoch die Daten des anderen zu sehen. Updates können somit für alle Kunden gleichzeitig durchgeführt werden, was zu Kosteneinsparungen sowohl beim Kunden als auch beim Hersteller führt. Professionelle Lösungen können somit wesentlich günstiger angeboten werden als im traditionellen On-premise-Modell.
Verhaltene Nachfrage
Dennoch ist der Zuspruch bei ERP-on-Demand-Lösungen laut Gartner noch gering. Die Umsätze werden in diesem Jahr nur moderat von fast 1,5 Milliarden Dollar (2010) auf 1,7 Milliarden Dollar bis Ende 2011 steigen. Mit Blick auf den Gesamtmarkt der ERP-Anwendungen machen die Umsätze mit ERP-on-Demand nur sieben Prozent aus. Nichtsdestotrotz gelingt den Cloud-Anwendungen der Zutritt sozusagen durch die Hintertür, denn in vielen ERP-Teilbereichen wie zum Beispiel CRM gewinnt Cloud-Software immer mehr an Bedeutung. Was durchaus verständlich ist: Als Unternehmer will man schließlich zunächst Erfahrungen mit der neuen Technologie in einem definierten Unternehmensbereich sammeln, ehe man bereit ist, das komplette Unternehmen in die Cloud zu verlagern. Der prognostizierte Erfolg von ERP-on-Demand wird somit wahrscheinlich aus dem Erfolg einzelner ERP-Komponenten erwachsen. Die Cloud-Anbieter sind darauf bestens vorbereitet: Sie haben ihre Software modular aufgebaut.
Literatur
[1] Gartner, Inc. Pressemitteilung vom 7. Juli 2011: www.gartner.com/it/page.jsp?id=1739214[2] Bitkom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e. V. – Pressemitteilung vom 28. Februar 2011: www.bitkom.org/de/presse/8477_67073.aspx[:]