Die Hannover Messe bleibt der verlässliche Seismograph einer Branche im Umbruch: Unternehmenssoftware entwickelt sich schneller und folgenreicher als je zuvor. ERP ist zur strategischen Kernfrage auf Vorstandsebene geworden.
ERP als strategische Führungsaufgabe: Erkenntnisse aus der ERP Anwender Lounge auf der Hannover Messe
Zentrales Format für ERP-Entscheider auf der Hannover Messe war in diesem Jahr die ERP Anwender Lounge – konzipiert für Führungskräfte, die Technologie nicht verwalten, sondern strategisch gestalten.
In kompakten dreiminütigen Impact Keynotes lieferten führende Experten präzise, hochverdichtete Einblicke – strukturiert für das Top Management, ohne den Umweg über technische Details. Die zentrale Botschaft war dabei unmissverständlich: Ohne eine belastbare ERP-Grundlage bleibt das Potenzial von Künstlicher Intelligenz im Unternehmen weitgehend ungenutzt.
Den Impuls setzten die Keynotes. Den Unterschied machten die Tischgespräche. Was folgte, war bewusst anders konzipiert als klassische Konferenzformate: Thementische, die Führungskräften Raum gaben, Erkenntnisse zu vertiefen, Positionen zu schärfen und Netzwerke mit echtem Substanzwert zu knüpfen. Hier konnten Teilnehmer in entspannter Lounge-Atmosphäre Ihre Fragen beim Lunch Buffet mit ERP und KI Experten besprechen.
Das Executive Briefing der ERP Lounge verdichtete zentrale Erkenntnisse, führende Trends, belastbare Best Practices und strategische Handlungsempfehlungen – kompakt, praxisnah und konsequent auf Entscheiderlevel ausgerichtet.
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PROGRAMM APRIL 2026
Die Zukunft der ERP-Systeme
Prof. Claus Oetter | VDMA-Geschäftsführer | Vordenker für digitale Transformation im Maschinenbau
Was Sie über Composable Enterprise wissen müssen
Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer | Unternehmer | Pionier der digitalen Transformation
Cloud-Hype oder Pflichtprogramm? So machen Sie Ihr ERP zukunftssicher
Peter Weißmann | „SmartERP-Guru“ | Vice President Sales New Names | Proalpha
Echte Zukunftsfähigkeit für den industriellen Mittelstand entsteht nicht durch technologischen Hype, sondern durch ein ERP, das als intelligentes Rückgrat alle operativen Prozesse nahtlos verzahnt. Cloud-Lösungen sind dabei kein Selbstzweck, sondern eine strategische Architektur-Entscheidung für mehr Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und Sicherheit. Damit Innovationen wie KI ihre volle Wirkung entfalten, benötigen sie zwingend ein stabiles Fundament aus sauberen Daten und integrierten Abläufen; ohne diese ERP-DNA bleibt KI lediglich ein wirkungsloser Demo-Effekt. Unser Fokus liegt auf vorpaketierten und sofort nutzbaren KI-Anwendungen, die Bestände senken, Durchlaufzeiten verbessern und Entscheidungen beschleunigen. Erst das Zusammenspiel von ERP, Cloud und KI macht Unternehmen nachhaltig wettbewerbsfähig.
KI-Agenten: Was sie können – und wo sie Ihr Geschäft gefährden
Lars Tolstrup | Senior Executive EMA @QAD | Strategiebegleiter und Fertigungsflüsterer
Die neue Rolle von ERP-Systemen im Zeitalter von KI:
KI ist im Geschäftsalltag häufig noch nicht greifbar oder viele Unternehmen sind noch nicht auf konkrete Anwendungen vorbereitet. Dabei ist der Wandel bereits in vollem Gange – zumindest bei QAD.
Konkrete KI-Agenten pro Benutzerrolle (Vertrieb, Planung, Einkauf etc.) sind bereits so ausgereift, dass sie nicht nur wie ein Chatbot Fragen von Anwendern zur Systemnutzung beantworten, sondern auch komplexe Aufgaben und Transaktionen in gesamten Prozessen ausführen können.
Das heißt, die Interaktion der Benutzer mit dem ERP-System wird zukünftig weniger über dessen Benutzeroberfläche erfolgen, sondern vielmehr über diese leistungsstarken Agenten. Bei QAD erfolgt dies zur Unterstützung der Menschen in den gesamten produktionsorientierten Prozessen nach dem „Human-in-the-Loop“-Prinzip. Das heißt: KI schlägt vor, aber der Mensch trifft die Entscheidung. Das ist wichtig und wird auch so bleiben. Das ERP-System übernimmt dabei weiterhin die Rolle der Datenspeicherung. Diese Rolle bleibt wichtig, denn KI-Agenten sind nur so gut wie die zugrundeliegenden Daten und die Benutzer, von denen sie lernen.
Dies macht auch die Herausforderungen bei der Entwicklung von Agenten deutlich: Intrasparente Agenten können unkontrolliert Fehlentscheidungen verursachen. Ohne einen starken ERP-Kern führen fragmentierte Systemlandschaften zu „Black-Box“-Entscheidungen. Ohne Audit-Trail und Governance kann das zu Kontrollverlust führen.
Es ist also extrem wichtig, auf die Datenqualität zu achten und dem Menschen die endgültige Entscheidung zu überlassen, ob bestimmte Transaktionen aufgeführt werden sollen oder nicht.
Ein modernes „agentic ERP“ muss sich daher nicht nur von einem „System of Record“ zu einem „System of Action“ entwickeln, sondern auch klare Leitplanken für die KI setzen und auf transparente Agenten zurückgreifen können.
Fazit: KI-Agenten entfalten ihren Nutzen nur mit einem starken ERP, denn ohne werden sie zum systemischen Risiko.
Ruht in Frieden, Masken und Menüs! KI-Agenten, Single Source of Truth und offene Plattformen
Robin Mathar | Comarch AG | Strategischer ERP-Innovationsführer
In zwei Jahren wird die Bedienung von ERP-Systemen kaum wieder zu erkennen sein.
Seit Jahren optimieren wir Workflows, Masken und Automatisierungen – trotzdem muss sich immer noch der Mensch an das System anpassen, statt umgekehrt. Mit generativer KI und agentischen Systemen kehrt sich das in den nächsten zwei Jahren um.
Was bleibt, ist die Business-Logik, die Datenstruktur und eine Plattform als Single Source of Truth für alle Abteilungen. Was geht, sind die Masken, Menüs und Klickpfade. An ihre Stelle tritt der KI-Agent als Berater – mit Zugriff die zentrale Datenbasis, in der Sprache des Anwenders und mit proaktiv ausgeführten Best Practices. Dort gehört das ERP hin: in den Hintergrund, als unverzichtbare Infrastruktur. Endlich können Mitarbeiter tun, wofür man sie eingestellt hat: denken, entscheiden, gestalten.
KI im ERP: Das Feature, das alle wollen – und über dessen Kosten niemand spricht
Christian Salihin | Geschäftsführer TimeLine | Enabler digitaler Wertschöpfung im Mittelstand
KI im ERP wird gerade als Feature verkauft. In Wahrheit ist es eine Betriebskostenposition, die mit jeder Nutzung steigt. Tokens, GPU-Stunden, Strom. Das wird in zwei Jahren spürbar werden, wenn die ersten Rechnungen kommen. Genauso wichtig ist die Datenkategorie: Öffentliche Bauteildaten extern zu verarbeiten ist sinnvoll, eigene Kalkulationen und Bestände gehören auf eigene Infrastruktur. Und drittens: Nicht jedes Problem braucht ein Sprachmodell. Ein Meldebestand braucht keinen Copilot, sondern eine Formel. Bei TimeLine fragen wir bei jedem Use Case drei Dinge: Was kostet er im Betrieb, welche Daten sind beteiligt, und braucht es überhaupt KI.
Fünf Aussagen, die Ihr nächstes Board-Meeting sprengen könnten
Univ. Prof. Dr.-Ing. habil Norbert Gronau | „ERP Papst“ | CEO PCG | Lehrstuhl WI Uni Potsdam
Die Zukunft von ERP-Systemen im deutschsprachigen Raum wird durch mehrere gleichzeitige Bewegungen geprägt:
- Neue Technologien wie Cloud, KI, Automatisierung, API-Plattformen und Integration in IoT- und Datenökosysteme ermöglichen neue Wettbewerbsvorteile.
- Nach wie vor besteht ein reifer Markt mit mehreren guten Alternativen bei starker Vertikalisierung und gleichzeitig zunehmender Konsolidierung.
- Der hohen Dichte von Regulatorik durch europäische Vorgaben zu Datenschutz, Sicherheit, E-Rechnung und Nachhaltigkeitsberichterstattung muss bereits bei der Auswahl des Systems Rechnung getragen werden.
- In der Organisation müssen neue Rollen und Governance-Modelle eingeführt und die Fachbereiche stärker bei Auswahl, Einführung und Weiterentwicklung eingebunden werden.
- Das dafür erforderliche Know-how ist innerbetrieblich nahezu nie auf aktuellem Stand vorhanden. Advisory-Konzepte können dieses Dilemma für anspruchsvolle Projekte auflösen.
Für Unternehmen im DACH-Raum bedeutet dies:
- ERP ist in Zukunft weniger ein einzelnes Projekt und mehr ein kontinuierlicher Transformationspfad.
- Daher: frühzeitig ein klares Zielbild für Architektur, Daten, Prozesse und Organisation entwickeln
- Seine ERP-Strategie eng an Geschäfts- und Digitalstrategie koppeln Partner nach Plattform- und Innovationsfähigkeit auswählen
- Partner nach Plattform- und Innovationsfähigkeit auswählen
Dann können Sie die kommende Generation von ERP-Systemen als Hebel für Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz nutzen – statt nur als notwendige Backoffice-Infrastruktur.
SPEAKER 2026

Prof. Claus Oetter

Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer

Peter Weißmann

Lars Tolstrup

Robin Mathar

Christian Salihin

Prof. Norbert Gronau
ERP LOUNGE 2026









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