ERP-Betrieb

Prozessmanagement und Big Data – Eine neue Herausforderung

Lesedauer:  3 Minuten
gadatsch top 1

Der Beitrag betrachtet „Big Data“ unter dem Blickwinkel des Geschäftsprozessmanagements. Unternehmen erkennen, dass sie mit Big Data einen Ansatz haben, neue Geschäftsprozesse zu entwickeln und bestehende Prozesse zu verbessern. Um alle Potenziale auszuschöpfen, reicht es nicht aus, bestehende Geschäftsmodelle unter Einsatz neuer Technologien zu überarbeiten, sondern Big Data auch zur Entwicklung völlig neuer Konzepte zu nutzen.

Prozessmanagement gilt als etabliertes Thema. Auslöser der Entwicklung war die funktionale Unternehmensorganisation und die fragmentierte IT-Unterstützung mit zahlreichen Ineffizienzen der Arbeitsabläufe.
Nach etwa 25 Jahren Prozessmanagement-Erfahrung kommt durch das Trendthema Big Data erneut Bewegung in die Gestaltung von Arbeitsabläufen. Auch wenn das Verständnis zum Begriff noch nicht einheitlich ist [1] und begriffliche Varianten wie „Smart Data“eher für Verwirrung sorgen, lassen sich Veränderungen in der Geschäftsprozessgestaltung feststellen.
Im Kontext von Big Data-Publikationen taucht häufig die Definition des Analysten- und Beratungshauses Gartner [2] auf. Demnach wird von Big Data gesprochen, wenn Data Volume (hohes Mengenvolumen), Data Velocity (zeitnahe Verarbeitung) und Data Variety (Vielfalt möglicher Daten) in einer IT-Anwendung zusammentreffen. Diese Definition wurde später variiert [3]. Kern der Veränderungen ist ein Wandel weg von rein technischen Definitionen hin zu mehr betriebswirtschaftlichen Aspekten. Als gutes Beispiel kann der Versuch des Softwareunternehmens Hortonworks genannt werden: Big data is about „building new analytic applications based on new types of data, in order to better serve your customers and drive a better competitive advantage“[4].

gadatsch1
Bild 1: Wertbeitrag von Big Data im Kontext des
Prozessmanagements (in Anlehnung an [5]).

Neu ist, dass Datentypen (Text, Bild, Video, Beziehungsdaten, Maschinendaten u. v. m.) in sehr kurzer Zeit verarbeitet und interpretiert werden. Die klassischen prozessunterstützenden Systeme liefern nur strukturierte tabellenorientierte Datensätze, wie Kundenaufträge, Bestellungen etc.
Big Data-Anwendungen können strukturierte und nicht strukturierte Daten verarbeiten. Die Beispiele sind Sensor- oder Logdaten aus der Produktion, Bewegungs- oder Verkehrsdaten aus mobilen Anwendungen. Eine besondere Bedeutung nimmt das „Social Web“ein, d. h. Anwendungen wie Twitter, Facebook und andere soziale Netzwerke. Hier entstehen interessante Informationen wie Beziehungsdaten (wer ist mit wem „befreundet“), Meinungsäußerungen („Mir gefällt der Pullover von A“) u. v. m.

Im Kontext Prozessmanagement
Der Wert von Informationssystemen ist nur grob bestimmbar. Häufig wird danach gefragt, worin der besondere Nutzen von Big Data besteht. Im Grunde genommen handelt es sich um einen klassischen Informationsmanagementprozess. Dieser beinhaltet die Erfassung, Speicherung, Analyse und die benutzerorientierte Aufbereitung von Informationen. Im Unterschied zu klassischen Datenanalysen ist bei Big Data die sehr schnelle Verarbeitung von extrem großen und vielschichtigen Datenmengen hervorzuheben. Der Wertbeitrag ergibt sich daher indirekt aus dem Zusammenspiel von Unternehmens-, Prozess- und IT-Strategie (Bild 1). Die Unternehmensstrategie richtet sich einerseits an die organisatorische Ebene des Unternehmens, beeinflusst also die Aufbauorganisation. Andererseits beeinflusst sie die technische Ebene in Form der IT-Strategie, welche ihrerseits die IT-Architektur (Hardware, Software) steuert. Beide Ebenen ermöglichen zielorientierte und leistungsfähige Prozesse. Big Data spielt hier also eine „enabler“-Rolle. Neue technische Möglichkeiten ermöglichen neue Strategien und damit neue oder optimierte Geschäftsprozesse.


Das könnte Sie auch interessieren

Vom Vibe Coding zum Agentic Coding

Vom Vibe Coding zum Agentic Coding

Wie professionelle Softwareentwicklung mit Coding Agents gelingt
Coding Agents beschleunigen den Softwareentwicklungsprozess heute deutlich – in einem Tempo, das etablierte IT-Prozesse herausfordert. Aus Beobachtungen in mehreren Trainings zeigt der Beitrag drei Spannungsfelder, die sich aktiv gestalten lassen: Governance, Integrationsprozesse und die Transformation der Arbeitskultur. Unser Autor gibt konkrete Empfehlungen, wie die berechtigten Einwände gegen Vibe Coding ausgeräumt werden können.
Executive Briefing: ERP Anwender Lounge Special 

Executive Briefing: ERP Anwender Lounge Special 

Von Experten für Entscheider: Strategische Insights von der Hannover Messe
Wer die ERP Anwender Lounge mit Impuls-Vorträgen und Networking auf der Hannover Messe verpasst hat, sollte sich den Termin für 2027 vormerken. Die ERP Lounge Insights bieten eine fundierte Verdichtung zentraler Trends, strategischer Perspektiven und bewährter Best Practices. In 3 min. Impact Keynotes gaben führende Experten hochverdichtete Einblicke, u.a. ohne eine belastbare ERP-Grundlage bleibt das Potenzial von KI weitgehend ungenutzt.
Großhandel, Götter und Grundsätze der Buchführung

Großhandel, Götter und Grundsätze der Buchführung

Warum Pacioli, Zeus und ein ERP-Award besser zusammenpassen, als man denkt
Was verbindet Pacioli, Zeus und einen ERP-Wettbewerb und macht sie zu einer relevanten Quelle für strategische Führungsimpulse? Zwischen Renaissance, Antike und der modernen ERP-Welt gibt es überraschend klare Parallelen. Wer erkennt, warum Venedig, Triest, Kotor und Olympia mehr als nur historische Fußnoten sind, gewinnt neue Perspektiven auf Steuerung, Risiko und Timing unter Wettbewerbsdruck. Setzen Sie Akzente mit fundierten Perspektiven.
Adaptive Service Level Agreements

Adaptive Service Level Agreements

Wie flexible Verträge Innovation ermöglichen und welche Risiken sie bergen
Klassische SLAs sichern Stabilität –doch genau das macht sie oft zur Innovationsbremse. Anpassungen werden aufgeschoben, Chancen bleiben ungenutzt. Wie lassen sich Verträge so gestalten, dass Veränderung nicht stört, sondern systematisch ermöglicht wird? Der Beitrag zeigt, wie adaptive SLAs als „Living Contract“funktionieren und Innovation schon während der Laufzeit fördern –praxisnah und direkt umsetzbar für IT- und ERP-Verantwortliche.
Zehn ERP-Praktiker über Projekterfolg

Zehn ERP-Praktiker über Projekterfolg

Was in Auswahl, Implementierung und Betrieb wirklich zählt
ERP-Projekte scheitern selten an der Software selbst, sondern an unklaren Prozessen, fehlender Vorbereitung und mangelnder organisatorischer Einbindung. Zehn erfahrene ERP-Praktiker aus Deutschland und der Schweiz berichten aus ihrer Projektpraxis und zeigen, welche Faktoren bei Auswahl, Einführung und Betrieb von ERP-Systemen wirklich entscheidend sind – von der oft unterschätzten Phase Null bis zur realistischen Einordnung von KI.
Von ERP bis Non-ERP: fünf Reifegrade beim KI-Einsatz

Von ERP bis Non-ERP: fünf Reifegrade beim KI-Einsatz

Warum KI-Agenten das alte ERP-Paradigma radikal verändern
sponsored
ERP-Systeme waren lange reine Verwaltungssoftware im Hintergrund. Mit agentischer KI ändert sich das grundlegend: Aus einem System of Record wird ein System of Action, das Prozesse aktiv steuert und Entscheidungen unterstützt. Der Artikel zeigt, wie Agentic AI ERP Unternehmen produktiver macht, Kosten senkt und neue Wettbewerbsvorteile schafft –und warum Führungskräfte dieses Thema jetzt im Blick haben sollten.
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht am Allgemein. Setzen Sie ein Lesezeichen auf den permalink.