ERP-Einführung

Umstellung auf SAP S/4HANA

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© Pixabay / geralt
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Ab 2025 setzt SAP voll auf SAP S/4HANA und stellt den Support für alle Vorgängerversionen ein. Viele Unternehmen lassen sich bisher noch Zeit mit der Umstellung. Doch die Komplexität dahinter sollte nicht unterschätzt werden. Da Windows und Unix von SAP HANA nicht mehr unterstützt werden, stehen etliche Unternehmen vor einer doppelten Migration. Die Einführung von SAP S/4HANA (mit Linux als Betriebssystem) erfordert außerdem auch neue Skills in der Belegschaft.

Wer eine ERP-Lösung von SAP nutzt und auch nach 2025 noch Support des Software-Konzerns erhalten möchte, dem bleibt nur der Wechsel auf SAP S/4HANA. Die Vorgängerversionen werden dann nicht mehr betreut. Bis zu dieser Deadline bleiben nur noch über fünf Jahre Zeit. Und offenbar lassen sich auch viele SAP-Kunden im deutschsprachigen Raum die Zeit. Aus einer Umfrage im DACH-Raum geht hervor, dass 39 % der Unternehmen, die SAP nutzen, innerhalb der nächsten drei Jahre umstellen möchten, 30 % sich noch länger Zeit lassen wollen. Als Gründe dafür werden oft angeführt, dass die älteren Versionen der SAP-Software noch bis 2025 unterstützt würden, dass die Migration kostspielig sei und laufende Prozesse unterbrechen würde. Sind diese Bedenken realistisch oder lauern Probleme, wenn zu lange mit der Umstellung gewartet wird? Um diese Frage zu beantworten, muss zunächst auf einige Hintergründe eingegangen werden.

SAP HANA

Hinter SAP HANA, kurz für High Performance Analytic Appliance, verbirgt sich im Kern ein relationales In-Memory-Datenbanksystem. Diese Plattform bietet eine hohe Flexibilität, da sie unter anderem auch virtualisiert einsetzbar ist. Das In-Memory-System nutzt den Arbeitsspeicher, anstatt der Festplatte zur Datenspeicherung. Dadurch wird der Zugriff beschleunigt, was die Performance des gesamten Systems erhöht. Das schlägt sich konkret in einem drei- bis siebenfach höheren Durchsatz und einer bis zu 1.800 Mal schnelleren Analytik nieder. Außerdem benötigt HANA wesentlich weniger Speicherplatz – weniger als zehn Prozent einer konventionellen Datenbank.

Bisher unterstützen die SAP-Produkte verschiedene Datenbanksysteme, wie IBM Db2, Microsoft SQL Server oder Oracle Database. Die neueste Version ist jedoch ausschließlich auf die hauseigene HANA-Datenbank ausgelegt. Db2, MS SQL und Oracle laufen auf verschiedenen Betriebssystemen, relevant für SAP-Nutzer sind dabei bisher Linux, Windows und Unix. SAP HANA unterstützt nun nur noch Linux.

Herausforderung der doppelten Migration

Mit Linux als einzigem unterstütztem Betriebssystem für SAP HANA müssen alle Unternehmen, die SAP HANA bzw. SAP S/4HANA nutzen wollen, auf dieses Betriebssystem wechseln. Etwa 200.000 SAP-User nutzen derzeit noch Windows, weitere 30.000 verwenden noch UNIX [1].

Wenn bisher mit proprietären Systemen gearbeitet wurde, ist es eher unwahrscheinlich, dass in Unternehmen ausreichende Fachkenntnisse in Bezug auf Open Source-Betriebssysteme vorhanden sind. Systemadministratoren müssen sich im Vorfeld mit einer Reihe neuer betrieblicher Prozesse vertraut machen. Unter Linux wird von der Software-Wartung, bis zur Installation von Patches und Updates einiges anders gehandhabt als beispielsweise unter Windows. Auch Verfügbarkeit und

Disaster Recovery sind anders gestaltet und können sich aufgrund der vielen Schichten der Infrastrukturänderung als sehr komplex erweisen. Die Failover-Implementierung und Wiederherstellung von Betriebssystem, Datenbank und Anwendungen können ebenfalls große Herausforderungen darstellen.

Je nach Systemumgebung muss ggf. mit einem größeren Zeitaufwand für die Migration gerechnet werden. Genau beziffern lässt sich das nicht, da die Dauer von zu vielen individuellen Parametern abhängig ist.

Rechtzeitige Planung ist entscheidend

Neue Technologien und neue Software sollen das Wachstum von Unternehmen fördern, ihre Einführung darf keine kritischen Geschäftsprozesse lahmlegen oder behindern. Daher ist es entscheidend, die Umstellung nicht überstürzt anzugehen, oder Entscheidungen zu lange hinauszuzögern. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um mit Planungen zu beginnen. Dabei müssen sich Unternehmen unter anderem die Frage stellen, wie sie SAP S/4HANA bereitstellen wollen, On-Premises, in der Cloud oder innerhalb eines hybriden Ansatzes. Möglich ist hier vieles, um den individuellen Bedürfnissen nachzukommen.

Wenn es um die On-Premises-Bereitstellung geht, ist Linux grundsätzlich für alle Infrastrukturen verfügbar, von kostengünstigen energiesparenden ARM-Prozessoren über x86-basierte Geräte bis hin zu IBM Z Systems (Mainframes) oder IBM Power Systems und OpenPOWER-Systemen. Hier gilt es dann individuell abzuwägen, welche Hardware bereits im Haus vorhanden ist, wo Ergänzungen und Austausch Sinn machen. Außerdem sollte die eigene IT-Architektur unbedingt mit den Anforderungen der neuen Business Suite abgeglichen werden, um böse Überraschungen zu vermeiden und die Betriebssicherheit während der Übergangsphase zu gewährleisten.

Entscheiden sich Unternehmen für Cloud-Lösungen gibt es auch wieder verschiedene Varianten: Die Implementierung über eine Managed Private Cloud (HANA Enterprise Cloud), über Public Clouds (Azure, AWS, Google, die Telekom und viele spezialisierte und lokale Anbieter) oder eine Hybrid Cloud. Die Public Cloud-Optionen von SAP S/4HANA unterstützen den Wechsel von On-Premises auf Public Clouds oder eine Kombination der beiden Varianten auf dem gleichen Betriebssystem, also Linux.

Ganz allgemein müssen sich Unternehmen auch zwischen einem Brownfield-Ansatz und einem Greenfield-Ansatz entscheiden. Bei ersterer Vorgehensweise werden bestehende Prozesse und Daten auf das neue System angepasst. Das hat einerseits den Vorteil, dass Änderungsumfang und damit Risiko in einem überschaubaren Rahmen bleiben. Andererseits lässt sich damit nicht das volle Potenzial der neuen Lösung ausschöpfen. Beim Greenfield-Ansatz starten Unternehmen auf der grünen Wiese und übernehmen nur ihre Daten, während Prozesse neu aufgesetzt werden. Das kann dann allerdings wieder den Nachteil haben, dass die Implementierung sehr lange dauern kann. Welche Migrationsvariante Unternehmen wählen sollten, muss immer individuell entschieden werden. Generell kann gesagt werden, je näher die Lösung im Unternehmen an einem Standard-SAP liegt, desto eher kommt Greenfield in Frage. Gibt es sehr viele individuelle und komplexe Modifikationen, ist in der Regel die Brownfield-Migration vorzuziehen.

S/4HANA-Umstellungen 

IT-Fachleute müssen sich aktuell generell keine großen Sorgen um ihre berufliche Zukunft machen. Durch die SAP S/4HANA-Umstellungen dürfte die Nachfrage nach SAP-Experten nun noch weiter ansteigen. Für einige Unternehmen mag fehlende Expertise in der eigenen Belegschaft ein Grund dafür sein, die Transformation noch aufzuschieben. Doch das wird das Problem nur noch verstärken, da mit der näher rückenden Deadline entsprechende Experten noch gefragter sein werden.

Für Unternehmen, die bisher keine oder wenig Erfahrungen mit SAP-Implementierung und/oder Linux gesammelt haben, lohnt sich die Zusammenarbeit mit erfahrenen Partnern, von SAP-Integratoren bis zu Hardware- und Linux-Anbietern. Diese Firmen befassen sich schon lange mit dem Thema und kennen die Anforderungsprofile ihrer Kunden schon seit Jahren sehr genau. Sie verfügen über umfangreiche Best Practices, Dokumentationen sowie viele hilfreiche und erprobte Tools zur Migration. Außerdem können Partnerunternehmen in vielen Belangen beraten, etwa, wenn es um die Entscheidung für oder gegen eine Cloud geht. Mit dem richtigen Partner an Ihrer Seite können Unternehmen die SAP S/4HANA-
Migration ruhig und planvoll angehen und sich auf ihr eigenes Kerngeschäft konzentrieren.

Fazit

Unternehmen sollten die Umstellung auf SAP S/4HANA nicht als notwendiges Übel, sondern als Chance für die Zukunft sehen. Sie profitieren von mehr Schnelligkeit und besserer Performance der Datenbanken und können die Möglichkeit nutzen, ihre Prozesse zu verschlanken. Vor einer Kostenexplosion durch die notwendige Betriebssystemumstellung auf Linux muss sich ebenfalls niemand fürchten. Vielmehr sollte dieser Schritt als Investition in die Zukunft angesehen werden, die sich später auszahlt. Hohe Flexibilität bei der Hardware und hochskalierbare Cloud-Lösungen sorgen dafür, dass Linux-Umgebungen sehr preiswert betrieben werden können. Prognosen verheißen dem Betriebssystem außerdem ein weiteres ungebrochenes Wachstum.


Literatur

[1] Worldwide Linux Server Operating Environments Forecast 2015-2019, IDC Dezember 2015


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