ERP-Technologie

Die UX von heute ist der KI-Enabler von morgen

Asseco-Vorstand Ralf Bachthaler im Interview über Flow Mode, Ziele und Entwicklungen
03.12.2025 - von Redaktion ERP
Lesedauer:  4 Minuten

Wie verändert KI die Arbeit im ERP-System – und welche Rolle spielt UX dabei? Können Mensch und Maschine wirklich als Team agieren? Ralf Bachthaler von Assecco gewährt spannende Einblicke in eine Zukunft, die näher ist, als viele denken. Was passiert, wenn Benutzersteuerung und KI-Automation verschmelzen? Und wie sieht die neue Einfachheit im ERP-Alltag tatsächlich aus? Was heute noch visionär klingt, wird Alltag: intuitive Systeme, vereinfachte Prozesse und neue Formen der Effizienz. 

Ralf Bachthaler © Asseco Solutions
Ralf Bachthaler © Asseco Solutions

Tatsächlich sind wir in diesem Jahr vorrangig mit dem Ziel in den Wettbewerb gestartet, den innovativen Nutzungsansatz unserer Lösung für das Zielpublikum konkret erlebbar zu machen. Uns war klar, dass es nicht ganz einfach werden würde, die hohe Benutzerfreundlichkeit darin im Wettbewerb vergleichbar zu machen. Unser Flow Mode optimiert die UX nicht mithilfe einer verbesserten Farbgebung oder besonders ergonomischen Anordnung der Bedienfelder. Sie nähert sich der ERP-Nutzung aus einer völlig anderen Richtung. Das vereinfacht die tägliche Arbeit im System ungemein, lässt sich jedoch gegebenenfalls nicht leicht mit den klassischen Bewertungskriterien von UX abbilden.

Wir haben mit unserem Flow Mode erstmals ein umfassend prozessorientiertes Nutzungskonzept für die ERP-Welt entwickelt. Der Ausgangspunkt sind dabei nicht länger die Daten im ERP-System, sondern die Abläufe, zu denen diese gebraucht werden. Der Flow Mode führt die Anwenderinnen und Anwender Schritt für Schritt durch die einzelnen Stufen ihrer Aufgabenbearbeitung. Eingaben, die benötigt werden, werden aktiv vom System abgefragt. Auf alles andere, was für diesen Prozessschritt gerade nicht relevant oder erforderlich ist, wird verzichtet. Die User erhalten damit eine übersichtliche, strukturierte und ansprechende Darstellung ihrer jeweils aktuellen Aufgabe. Das vereinfacht die tägliche Arbeit ungemein – und hier wiederum sind wir beim Kern der Benutzerfreundlichkeit.

Interessanterweise ist der beschriebene Flow Mode nicht nur ein Vehikel für Benutzerfreundlichkeit, sondern bildet gleichzeitig auch das zentrale Fundament für eine wertschöpfende KI-Nutzung. Dass der Einsatz von hochgradig autonomen KI-Agenten ein hohes Potenzial birgt, steht außer Zweifel. Doch ohne digital beschriebene Prozesse können diese nicht auf sinnvolle Weise genutzt werden. Der Flow Mode liefert ihnen klar strukturierte, verlässliche Prozessschienen, an denen sie sich zur korrekten Aufgabenbearbeitung orientieren können. Solche Prozessleitplanken sind unerlässlich für einen wirklich nutzenstiftenden KI-Einsatz.

Ich sehe uns derzeit an der Schwelle zu einer völlig neuen Stufe der Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. Schon bald wird es Standard sein, dass menschliche User und KI-Agenten gemeinsam an Prozessen zusammenarbeiten. Eine Zukunft, die bereits begonnen hat. Der Mensch gibt die Richtung vor, steuert und überwacht, während die KI den dahinterstehenden Prozess automatisiert und zeitraubende, manuelle Bearbeitungsschritte übernimmt. So werden völlig neue Effizienzniveaus in der täglichen Praxis erreicht – die gleichzeitig im Kontext des anhaltenden Fachkräftemangels und der angespannten Wirtschaftslage geradezu unerlässlich geworden sind.

APplus bietet ein durchgängiges Modell mit sieben Stufen der Prozesssteuerung / UX © Asseco Solutions
APplus bietet ein durchgängiges Modell mit sieben Stufen der Prozesssteuerung. © Asseco Solutions

Was mich gerade in der UX-Kategorie sehr beeindruckt hat, waren die großen Fortschritte, die die Branche insgesamt beim Thema Benutzerfreundlichkeit erzielt hat. Ergonomie und eine moderne Optik waren lange Zeit Eigenschaften, die in der ERP-Welt eher stiefmütterlich behandelt wurden. Und so ist das auch heute noch zu großen Teilen, das sehen wir immer wieder in Kundenprojekten und Ausschreibungen. Umso froher bin ich, dass sich hier mittlerweile ein Umdenken vollzieht. Man lässt viel zu schnell außer Acht, welch große Rolle es für die Gesamteffizienz spielt, wenn Mitarbeitende einfach gerne mit ihrem System umgehen.

Bleiben Sie nicht auf der Stelle stehen. Seien Sie mutig, unkonventionell und denken Sie nach vorn! Nur wer selbst neugierig bleibt auf die technologischen Möglichkeiten von morgen, schafft das Fundament für echte Innovation.

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