ERP-Betrieb

B2B-Studie Internet der Dinge

Lesedauer:  4 Minuten
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Das „Internet der Dinge“ (im Englischen Internet of Things, kurz IoT) stellt ein neues, disruptives Paradigma der drahtlosen Vernetzung zwischen einer Vielzahl von Objekten mit dem Internet dar. Es zielt auf die digitale Durchdringung vieler Aspekte des Wirtschaftslebens sowie auf die direkte Verbindung physischer Objekte mit Informationssystemen. Aktuell wird IoT als dynamische, selbstkonfigurierende, globale Netzwerkinfrastruktur gesehen, die heterogene Objekte miteinander verbindet. Die Objekte selbst besitzen unterschiedliche Grade von Smartness, also Fähigkeiten zur Umweltwahrnehmung, Entscheidungsfindung, Speicherung von Informationen sowie zur Vernetzung mit anderen Objekten. Um die Nutzung von IoT in der deutschen Wirtschaft zu untersuchen, wurden in einer Studie [1] mittels einer Onlinebefragung 5.777 Unternehmen unterschiedlicher Branchen um die Einschätzung der Potenziale und Hindernisse der IoT-Nutzung gebeten. Dieser Beitrag gibt einen Einblick in den Stand von IoT-Einführungsprojekten und aufkommenden Herausforderungen und schätzt das zukünftige Potenzial der Technologie ab.

Die konkrete Ausprägung der Objekte, Dienste und Analysen unterscheidet sich in den unterschiedlichen Branchen sehr. Sie bilden die Grundlage für die Einsatzmöglichkeiten und die Einbindung in die Geschäftsprozesse, u. a.:

  • Für Versicherer stellt die Sammlung von Daten mittels verteilter Sensoren und verbundener Geräte (z. B. Smartphones, Connected-Home oder Connected-Car) eine Möglichkeit dar, um Risiken besser abschätzen zu können und individualisierte Produkte anzubieten. Zudem lassen sich Risiken auch dadurch verringern, dass Alarmierungs- und Präventionsprogramme angeboten werden [2].
  • Im Handel kann durch bessere Überwachung der Bestände die Lagermenge reduziert und die Einkaufsplanung optimiert werden [3, 4]. Auch die Produkteigenschaften, Lager- und Transportbedingungen können über die gesamte Lieferkette hinweg besser kontrolliert werden [5, 6]. In der Kundeninteraktion haben die Mitarbeiter aktuellere Daten zu Lagermengen und Lieferzeiten an der Hand und können den Kunden somit besser beraten. Eine Kopplung mit Verhaltensanalysen eröffnet zudem die Möglichkeit zur Verbesserung und Individualisierung des Einkaufserlebnisses.
  • In der Fertigung bildet IoT die Basis für die Transformation zur Industrie 4.0. Maschinen und Werkstücke kommunizieren miteinander, werden zu Informationsträgern und organisieren die Produktion autonom. Indem sich die Verarbeitungspläne mit dem Werkstück durch die Fabrik bewegen und die Daten der Bearbeitungsschritte aufgezeichnet werden, wird ein weiterer Schritt in Richtung Automatisierung getan.
  • Im Handel und der Fertigung stellt die inner- und zwischenbetriebliche Logistik ein weiteres Einsatzgebiet von IoT dar [9, 10]. Über Sensortechnologie können Lagerorte und Transportwege in Echtzeit nachvollzogen werden. Die Überwachung der Transportbedingungen sowie die Planung von Logistikleistungen auf Daten mit hoher Aktualität erhöhen die Effizienz und reduzieren die Risiken während des Transports.
  • Die Überwachung von Vitaldaten, Identifikation und Authentifizierung sowie die Alarmierung in Notfällen sind Anwendungsfelder im Gesundheitswesen [11]. In der häuslichen Alten- und Krankenpflege können mit vernetzter Sensorik Effizienzgewinne erzielt und die stationäre Infrastruktur entlastet werden [9].

Im Folgenden wird eine Studie [1] zu dem Stellenwert und der Nutzung von IoT in der deutschen Wirtschaft ausgewertet, bei der 5.777 Unternehmen unterschiedlicher Branchen zu ihrer Einschätzung der Potenziale und Hindernisse der IoT-Nutzung befragt wurden.
IoT: Ziele und Erwartungen

Mit dem Einsatz von IoT werden unterschiedliche Ziele verfolgt. Potenzialanalysen nennen häufig die Schaffung neuer Geschäftsmodelle, die datengestützte Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen, aber auch die bessere Überwachung und Optimierung von Geschäftsprozessen. Für die Befragten steht die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen (50 %) sowie die Effizienzerhöhung (40 %) im Vordergrund. Nur ein geringer Anteil (5 %) will IoT für neue Geschäftsmodelle oder die verbesserte Prozessüberwachung nutzen.

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Bild 1: Die Mehrheit der Unternehmen erwartet
in fünf Jahren signifikante Umsatzsteigerungen durch IoT.

Neue Technologien werden zumeist als Investition in die Zukunft des Unternehmens gesehen. Entscheidungsträger erhoffen sich davon entweder Umsatzsteigerungen oder Kostensenkungen durch verbesserte interne Abläufe. Die Teilnehmer der Studie wurden daher gefragt, ob sie derzeit bereits Effizienz- und Umsatzsteigerungen erfahren und welche Wirkung die IoT-Nutzung für sie in fünf Jahren voraussichtlich haben wird (Bild 1).
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Literatur

[:de][1] Gronau, N., Thim, C., Fohrholz, C.: B2B-Studie 2017: Wettbewerbsfaktor Analytics im Internet der Dinge, Berlin 2017.
[2] Manral, J.: IoT enabled Insurance Ecosystem – Possibilities, Challenges and Risks. NTT DATA FA Insurance Systems (NDFS), 2015.
[3] Wolfram, G.: Die Metro-Group-Future-Store-Initiative – Die Zukunft des Handels aktiv gestalten! In: Riekhof, H-Ch.: Retail Business in Deutschland: Perspektiven, Strategien, Erfolgsmuster, Gabler, Wiesbaden 2008, S. 617–631.
[4] Yuan, R., Shumin, L., Baogang, Y.: Value Chain Oriented RFID System Framework and Enterprise Application, Science Press, Beijing 2007.
[5] Ilic, A., Staake, T., Fleisch, E: Using sensor information to reduce the carbon footprint of perishable goods, IEEE Pervasive Computing 8 (1), 2009. S. 22–29.
[6] Dada, A., Thiesse, F.: Sensor applications in the supply chain: the example of quality-based issuing of perishables, in: Proceedings of Internet of Things, Zurich 2008.
[7] O’Marah, K. / Manenti, P.: The Internet of Things Will Make Manufacturing Smarter. In: Industry Weekly 2015.
[8] Koch, V., Kuge, S., Geissbauer, R., Schrauf, S. (2014): Chancen und Herausforderungen der vierten industriellen Revolution, Strategy&.
[9] Atzori, L. / Iera, A. / Morabito, G.: The Internet of Things: A survey. In: Computer Networks, Vol 54 (15), 2010, S. 2787–2805.
[10] Karakostas, B.: A DNS architecture for the internet of things: A case study in transport logistics. In: Procedia Computer Science, Vol. 19, 2013, S. 594–601.
[11] Vilamovska, A. M., Hattziandreu, E., Schindler, R., Van Oranje, C., De Vries, H., Krapelse, J.: RFID Application in Healthcare – Scoping and Identifying Areas for RFID Deployment in Healthcare Delivery, RAND Europe, 2009.
[12] Gronau, N.: Wettbewerbsfaktor Analytics 2015, Berlin 2016.[:en][1] Gronau, N., Thim, C., Fohrholz, C.: B2B-Studie 2017: Wettbewerbsfaktor Analytics im Internet der Dinge, Berlin 2017.
[2] Manral, J.: IoT enabled Insurance Ecosystem – Possibilities, Challenges and Risks. NTT DATA FA Insurance Systems (NDFS), 2015.
[3] Wolfram, G.: Die Metro-Group-Future-Store-Initiative – Die Zukunft des Handels aktiv gestalten! In: Riekhof, H-Ch.: Retail Business in Deutschland: Perspektiven, Strategien, Erfolgsmuster, Gabler, Wiesbaden 2008, S. 617–631.
[4] Yuan, R., Shumin, L., Baogang, Y.: Value Chain Oriented RFID System Framework and Enterprise Application, Science Press, Beijing 2007.
[5] Ilic, A., Staake, T., Fleisch, E: Using sensor information to reduce the carbon footprint of perishable goods, IEEE Pervasive Computing 8 (1), 2009. S. 22–29.
[6] Dada, A., Thiesse, F.: Sensor applications in the supply chain: the example of quality-based issuing of perishables, in: Proceedings of Internet of Things, Zurich 2008.
[7] O’Marah, K. / Manenti, P.: The Internet of Things Will Make Manufacturing Smarter. In: Industry Weekly 2015.
[8] Koch, V., Kuge, S., Geissbauer, R., Schrauf, S. (2014): Chancen und Herausforderungen der vierten industriellen Revolution, Strategy&.
[9] Atzori, L. / Iera, A. / Morabito, G.: The Internet of Things: A survey. In: Computer Networks, Vol 54 (15), 2010, S. 2787–2805.
[10] Karakostas, B.: A DNS architecture for the internet of things: A case study in transport logistics. In: Procedia Computer Science, Vol. 19, 2013, S. 594–601.
[11] Vilamovska, A. M., Hattziandreu, E., Schindler, R., Van Oranje, C., De Vries, H., Krapelse, J.: RFID Application in Healthcare – Scoping and Identifying Areas for RFID Deployment in Healthcare Delivery, RAND Europe, 2009.
[12] Gronau, N.: Wettbewerbsfaktor Analytics 2015, Berlin 2016.[:]

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