Im Rahmen von make-or-buy-Entscheidungen kommt es bei großen IT- und Prozessprojekten gelegentlich zu der Fragestellung, ob ein Entwicklungsauftrag intern oder extern vergeben werden soll. Unabhängig von Kapazitätsrestriktionen wird dann schnell die vermeintlich mangelnde Konkurrenzfähigkeit der eigenen IT als Argument eingebracht. In meiner Tätigkeit als Trusted Advisor empfehle ich dann, ein unabhängiges Assessment der Fähigkeiten der internen Entwicklung vornehmen zu lassen. In dieser Folge des „Trusted Advisor“ erläutere ich, wie wir dabei vorgehen.
Eingekleidet wird das IT-Assessment in eine Zufriedenheitsbefragung der IT-Mitarbeiter. Deren Ergebnisse geben wertvollen Aufschluss über die Binnenkultur in der Abteilung und über das Verhältnis zum Rest des Unternehmens. Nicht durch Abfrage, sondern nur durch eigene Expertise können die folgenden Themenbereiche bewertet werden:
Eingesetzte Technologie. Hier kann ermittelt werden, ob die verwendeten Informatik-Technologien state-of-the-art sind. Wenn z.B. noch mit 32-bit-Compilern gearbeitet wird oder die Generierung der Oberflächen den HTML5-Standard nicht berücksichtigt, wenn synchrone oder betriebssystemabhängige Prozeduraufrufe erzeugt werden, dann sind die eingesetzten Technologien veraltet.
Die Zielarchitektur der eigenentwickelten Systeme und sowohl Vorhandensein als auch Reichweite eines Architekturmanagements sind zu bewerten. Gut für die interne IT, wenn bei Entscheidungen über die Realisierung von Business-Anforderungen explizit auch Architekturfragen adressiert und beantwortet werden.
Entwicklungsprozesse und -werkzeuge sind ebenfalls zu bewerten. Wie agil ist die Entwicklung wirklich? Passen die Prozesse zum Umfeld? Gibt es z.B. moderne Werkzeuge zur Codeverwaltung? Diese und andere Fragen stehen an dieser Stelle im Fokus.
Organisation der IT: Hier ist einzuschätzen, ob sich die IT im Wesentlichen mit sich selbst befasst oder ob sie in der Lage ist, Business-Anforderungen zu verstehen und an ihrer eigenen Kompetenz spiegeln kann. Am Rande spielen auch Führungsfragen der IT eine Rolle.
Schließlich sollte eine Landkarte der in der IT vorhandenen Kompetenzen erstellt werden. Diese umfassen die verwendeten Prozesse und Vorgehensweisen sowie die fünf Schichten moderner Softwarearchitekturen (Oberfläche, Workflow, Applikation, Daten, Infrastruktur).
Wertvolle Hinweise liefert darüber hinaus eine offene Frage nach Verbesserungsmöglichkeiten am Schluss der Zufriedenheitsbefragung der IT-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Aus den Antworten lassen sich Schlüsse ziehen, die helfen, die eingangs gestellte Frage umfassend zu beantworten.