ERP-Auswahl, ERP-Wettbewerb

Die besten ERP-Systeme

Der Wettbewerb zum ERP-System des Jahres 2019
Lesedauer:  7 Minuten
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Seit mehr als zehn Jahren führt das Center for Enterprise Research an der Universität Potsdam den Wettbewerb zum ERP-System des Jahres durch. Dieser Beitrag beschreibt das Verfahren, nach dem die Preisträger bestimmt werden, zeigt einige Veränderungen der Wettbewerbsbedingungen im Laufe der Jahre auf und nennt die Gewinner 2019 in den Kategorien Handwerk, Serienfertigung, Lebensmittelindustrie, ERP für Industrie 4.0/IoT, ERP für professionelle Dienstleistungen, Omni-Channel-Unterstützung und Beste Technologie. Zusätzlich wird der Gewinner des KMU-Sonderpreises bekannt gegeben.

Das Verfahren

Für den Wettbewerb kann sich nur anmelden, wer von der Jury ausdrücklich dafür nominiert wurde. Damit will die Jury gerade innovative Anbieter ermuntern, sich in einer der ausgeschriebenen Kategorien zu bewerben. In jedem Jahr werden ca. 100 Systeme für die Teilnahme am Wettbewerb nominiert; jeder Juror hat die Möglichkeit dazu. Allerdings erkennen nicht alle Anbieter die darin liegende Chance, sich im Wettstreit der Besten zu messen.

Die Kategorien, in denen Bewerbungen erfolgen können, werden durch die Jury jedes Jahr neu festgelegt. Das hat den Hintergrund, aktuelle Entwicklungen wie z.  B. die zunehmende Einführung von ERP-Systemen in bisher IT-fernen Branchen zu honorieren. Die Anbieter stehen nur in der jeweiligen Kategorie miteinander im Wettbewerb. In Kategorien mit wenigen Bewerbern gewinnt das dort beste System, auch wenn es im Vergleich zu anderen Anbietern in anderen Kategorien zum Beispiel nicht die gleiche Funktionstiefe und Kundenabdeckung aufweist. Auch findet der Vergleich nur zwischen Anbietern statt, die sich aktiv beworben haben. So werden alle Anbieter einer Kategorie, von denen Referenzanwendungen publiziert wurden, durch die Jury nominiert. Eine vorherige Selektion findet nur durch die Anbieter selbst statt, die sich dem Wettbewerb nicht stellen wollen und nicht durch die Jury. Einen Überblick über das Verfahren gibt Bild 1.

2019 wurde der Preis in folgenden Kategorien vergeben:

  • Handwerk
  • Serienfertigung
  • Lebensmittelindustrie
  • ERP für Industrie 4.0/IoT
  • ERP für professionelle Dienstleistungen
  • Omni-Channel-Unterstützung und
  • Beste Technologie

Zusätzlich wird jährlich von der Jury ein KMU-Sonderpreis vergeben. Er wird an das Unternehmen vergeben, dessen System besonders für den Einsatz in kleinen und mittelständischen Unternehmen geeignet ist.

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Bild 1: Überblick über das Auswahlverfahren.

Die nominierten Anbieter wählen eine Kategorie, in der sie sich bewerben und erläutern anhand von sieben vorgegebenen Kriterien, welche Eigenschaften und Vorteile ihr System, auch im Praxiseinsatz bei Kunden, aufweist. Folgende Kriterien wurden 2019 an das Teilnehmerfeld der ERP-Anbieter gestellt:

Einführungsmethodik: Welches Vorgehen wird bei der Einführung eines ERP-Systems verfolgt? An dieser Stelle ist die Vorgehensweise der Einführung des ERP-Systems bei einem Kunden zu beschreiben und zu begründen.

Kundenkommunikation/Vertriebsmarketing: Hier ist eine kurze Darstellung von Initiativen zur Förderung des Bekanntheitsgrades, der Darstellung und Vermittlung von Customer Awareness und eigener Kompetenz gefragt.

Forschung und Entwicklung: In dieser Kategorie sollen die Aktivitäten im Bereich Forschung und Entwicklung vorgestellt sowie eventuelle Kooperationen zu Forschungseinrichtungen erläutert werden. Dies kann anhand geeigneter Projekte oder weiterer Vorhaben geschehen.

Konkreter Kundennutzen: In dieser Kategorie soll eine Stellungnahme eines Kunden zum konkreten Nutzen aufgrund der Einführung des Systems – beispielsweise auf der Basis von Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen – erläutert werden.

Brancheneignung durch spezifische Funktionen: Bei diesem Kriterium soll die besondere Eignung des Systems für die gewählte Kategorie dargestellt werden. Dabei sollen die speziellen Anforderungen sowie die Umsetzung durch die ERP-Lösung beschrieben werden.

Ergonomie: Die Ergonomie beschreibt die benutzergerechte Gestaltung eines Systems. Für eine Einschätzung der Ergonomie soll beschrieben werden, wie sich die Einhaltung ergonomischer Prinzipien im System widerspiegelt. Zwei aussagekräftige Screenshots mit Erläuterungen sollten ergänzend eingereicht werden.

Technologie und Integrationsumfang: Dieses Kriterium erfordert eine Beschreibung der Systemarchitektur, der Wandlungsfähigkeit und Flexibilität des ERP-Systems. Ebenfalls sollten Aussagen zur Releasefähigkeit von Individualanpassungen getroffen werden. Ferner wird eine Beschreibung der Anbindung von Lieferanten und Kunden über das Internet sowie die Interoperabilität mit anderen Anwendungssystemen gefordert.

Die Bewertungskriterien werden durch die Jury vor Beginn des Wettbewerbs gewichtet. Bild 2 zeigt den Wandel der Gewichtungen im Laufe der Jahre. Dabei zeigt sich die wesentliche Bedeutung der Kategorien Kundennutzen und Brancheneignung, die in den letzten Jahren stets fast die Hälfte der Bewertung ausmachten. Sehr interessant ist auch, dass in nachfragestarken Jahren die Bedeutung der Kundenkommunikation aus Sicht der Jury sinkt. Einen insgesamt steigenden Anteil nimmt Forschung und Entwicklung ein, was die Notwendigkeit einer guten Zusammenarbeit zwischen Anbietern und Forschungseinrichtungen deutlich macht. Das Kriterium Kundenkommunikation hat in diesem Jahr deutlich an Bedeutung für die Juroren gewonnen.

Alle schriftlichen Bewerbungen werden von der Jury einer ausführlichen Begutachtung unterzogen. Dabei bewerten stets mindestens drei Juroren jede Einsendung unabhängig voneinander. Zusätzlich wird geprüft, dass die Einsendung in der richtigen Kategorie teilnimmt und mindestens 500 von den maximal erreichbaren Punkten erhält. In jeder Kategorie kommen höchstens die drei besten Anbieter in die nächste Runde.

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Bild 2: Wandel der Gewichtungen im Laufe der Jahre.

Diejenigen Anbieter und Systeme, die zur öffentlichen Anbieterpräsentation eingeladen werden, erhalten bereits die Auszeichnung „Finalist: ERP-System des Jahres“. Bei der öffentlichen Anbieterpräsentation, die im Oktober 2019 unter großer öffentlicher Anteilnahme auf der ERP-Fachmesse und dem ERP-Kongress in Frankfurt stattfand, stehen dann bis zu drei Bestplatzierte jeder Kategorie der gesamten Jury gegenüber. Die Anbieter-Präsentation besteht aus dem Vortrag des Finalisten und Rückfragen der Jury. Direkt im Anschluss an die Präsentation werden die präsentierten Kriterien von den Juroren bewertet. Bei 10 bis 12 Einzelvoten zu jedem Anbieter und Kriterium gewinnt das System in jeder Kategorie, welches die Gesamtheit der Jury am besten überzeugt und gewinnt somit den Wettbewerb.

Im Jahr 2019 erhielten folgende Systeme den Titel „ERP-System des Jahres 2019“:

 

ERP für professionelle Dienstleistungen

Die godesys AG konnte die Juroren aufgrund ihrer interessanten Interpretation von WfMS und DMS in die Oberfläche, der Funktionsintegration und der sehr ansprechenden Ergonomie überzeugen. Vor allem die Öffnung der Tools hat der Jury gefallen. So hat auch der Kunde etwas von der Open Source Philosophie.

Omni-Channel-Unterstützung

Auf Platz 1 schaffte es die CVS Ingenieursgesellschaft mbH aufgrund des hervorragenden Omni-Channel-Marketings und der weitgefächerten Kundenkommunikation über sehr viele Kanäle. Unter anderem das individuell anpassbare Dashboard und die Autovervollständigung beim Suchassistenten schaffen eine sehr gute Ergonomie für Power User. Das Unternehmen bietet eine zuverlässige Technologie für alle auftretenden Betriebsarten und schafft eine umfassende Interpretation und Integration der verschiedenen Channel.

ERP für Industrie 4.0/ Internet of things

Die KI-Anwendungen von der Asseco Solutions AG haben die Juroren beeindruckt. Außerdem ist das allgemeine Vorgehen des Unternehmens unter Partizipation des Kunden herauszustellen. Das Unternehmen schafft die Abdeckung vieler Industrie 4.0 Aspekte und zeichnet sich durch die starke Integration der Maschinenebene ins ERP-System aus. Zusätzlich ist das Marketing-Programm für die Sichtbarkeit, Lead-Generierung und Kundenbindung/-gewinnung ausgewogen.

Handwerk

Die WERBAS AG geht aus dieser neuen Kategorie durch sehr guten Branchenfokus, Erfahrung im Umgang mit Handwerksbetrieben und dem modularen Schulungskatalog als Gewinner hervor. Der konkrete Kundennutzen zeigt sich durch die kundenspezifischen Funktionen des Systems. Zudem setzt die WERBAS AG auf die Nutzung neuer Medien.

Serienfertigung

Die Jury honorierte bei der oxaion GmbH
das sehr innovative Vortragsformat. Das Unternehmen hat die Steuerung über das Kanban-Board gut realisiert und verfügt außerdem über mobile Lösungen. Die Kommunikation zu den Bestandskunden ist zusätzlich sehr gut. Das System zeichnet sich daneben durch eine übersichtliche Oberfläche aus.

Lebensmittelindustrie

Die CSB-System AG stellt digitale Werkzeuge als Hilfsmittel zur Systemeinführung bereit. Dadurch und durch ein umfangreiches Portfolio an Kanälen zur Kommunikation, die integrierte Prozessberatung und das Qualitätsmanagement und die Lieferkettenabbildung erhielt die CSB-System AG den 1. Platz in dieser Kategorie. Das Unternehmen verfügt über ein hohes Branchenwissen und schafft für seine Kunden einen hohen branchenspezifischen Nutzen.

Beste Technologie

In dieser Kategorie hat die TimeLine Business Solutions Group durch die Fähigkeit zur flexiblen Maskenkonfiguration und die Technologie zur Dateneingabe aus PDFs und E-Mails gewonnen. Das System verfügt über eine beeindruckende Entwicklungsumgebung auch von Entwicklungen für Drittsysteme.

KMU-Sonderpreis

Die Jury entschied sich in diesem Jahr für die D&G Software GmbH. Der
hohe Kundennutzen im Bereich KMU und der Umfang und die Durchführung verschiedener Projekte haben die Jury überzeugt.

Alle Finalisten – und nicht nur die Preisträger – verfügen über außerordentlich innovative und für die jeweiligen Branchen besonders geeignete Lösungen. Der Wettbewerb hat auch 2019 gezeigt, dass sich gerade die mittelständischen Anbieter durch Kundennähe und einen zielorientierten Umgang mit neuen Technologien auszeichnen.

 

 


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