Dr. ERPel beobachtete neulich eine Paarung zwischen einem mittelgroßen Unternehmen (zwischen 300 und 500 Mitarbeiter mit mehreren Standorten, überwiegend in Deutschland aktiv) und einem sehr smarten kleinen Softwarehaus, ebenfalls aus Deutschland.
Die Paarung war deshalb eine Hochzeit im Himmel, weil das Softwarehaus genau die passende Lösung für die speziellen Anforderungen des mittelgroßen Unternehmens bereithielt. Die Funktionen passten, der Preis passte und, nicht zu unterschätzen: angesichts der Größe des Softwarehauses wäre der Kunde König.
“Niemand hält es im Schlaraffenland lange aus”
Die Paarung wurde sogar durch ein angesehenes Beratungshaus offiziell besiegelt und nun stand ja „nur noch“ das Einführungsprojekt vor den beiden. Die Geschäftsführer, die noch nie ein internes Projekt in der Größe gesteuert hatten, waren sich immer noch ein wenig unsicher. Und so griffen sie zu Maßnahmen, um ihre Unsicherheit zu reduzieren. Leider spielte der Softwareanbieter mit.
“All hell broke loose”
Leider waren die Maßnahmen nicht besonders gut geeignet. Man könnte sogar sagen, sie seien an der Grenze zur Dämlichkeit gewesen. Und dass der Softwareanbieter mitspielte, machte das Ganze auch nicht besser. Was war geschehen? Scheinheilig baten die Geschäftsführer den Softwareanbieter, doch mal die Daten der zurückliegenden Geschäftsvorfälle der letzten zehn Jahre einzuspielen. In Anbetracht des bald folgenden Auftrags willigte der Anbieter ein. Tiefer hätte er sein Grab nicht schaufeln können, denn natürlich waren die Daten der Altsysteme alles andere als konsistent. Aus mieser Datenqualität kann aber kein System der Welt eine perfekte und vor allem wahre Auswertung machen. Doch damit nicht genug!
“Dilettanten sind die billigsten Spezialisten”
Eines Freitagmorgens (das Wetter ist nicht überliefert) versammelte sich der gesamte Führungskreis des Unternehmens um die Bildschirme. Eine besondere Show wurde angekündigt: Die Geschäftsführer zeigen die neue Software. Ein Customizing war noch nicht vorgenommen worden, es ging ja nur um einen ersten Einblick. Unglücklicherweise konnte der Anbieter diesen Termin nicht wahrnehmen und Sie ahnen sicherlich schon, was passierte: Nichts ging, nichts lief, nichts funktionierte.
Dr. ERPel meint: Wozu gibt es eigentlich Gehirnchirurgen oder Herzspezialisten, wenn Geschäftsführer diese Operationen auch selber durchführen könnten? Niemand würde in der Medizin auf diese bescheuerte Idee kommen, aber bei Software kann man es ja mal versuchen. Hunderte von Parametern und Tausende von Tabellen sind doch für zwei Geschäftsführer, die das System nicht kennen, kein Hindernis? Doch. Genau dafür gibt es Spezialisten, die Systeme anpassen, funktionsfähig machen und bei Fehlern die Ursache erkennen. Tragisch, dass die beiden Dilettanten den Ruf integrierter ERP-Lösungen in ihrem Unternehmen erstmal kräftig beschädigt haben.