Was für ein ERP-System setze ich in der Auslandsniederlassung eines kürzlich erworbenen Unternehmens ein?
Wir haben eine Firma aus Belgien gekauft, die unser Produktportfolio sinnvoll ergänzt. Teilweise liefern wir an die gleichen Kunden. Der Produktionsstandort dieser Firma in Ungarn soll nun auf ein neues ERP-System umgestellt werden. Was muss ich dabei beachten?
Geschäftsführer, Produktionsunternehmen für Kommunalmaschinen
Bei der IT-Integration nach dem Kauf eines Produktionsunternehmens kann eine Vielzahl von Problemen auftreten. Diese betreffen technische, organisatorische, sicherheitsrelevante und menschliche Aspekte.
Typischerweise verwendet das aufgekaufte Unternehmen andere Stammdaten in anderen Strukturen und mit anderen Datenqualitätsstandards. Ich rate dringend davon ab, zu rasch diese ungeprüften Daten in das eigene ERP-System am Hauptsitz zu übernehmen. Auch das Vertrauen in die Datenqualität kann erhebliche Probleme verursachen. Hier ist zu erwägen, für eine bestimmte Zeit die vorhandene Software des Unternehmens im Einsatz zu belassen, bis diese Punkte adressiert werden können.Potsdam Consulting benötigt für einen Check der Datenqualität und der Stammdatenprozesse nur wenige Wochen.
Es werden vermutlich voneinander abweichende Prozesse im kaufenden und im aufgekauften Unternehmen existieren. Nach meiner Erfahrung ist es nicht gesagt, dass im kaufenden Unternehmen die besseren Prozesse existieren. Daher muss vor der Integration der Softwaresysteme eine Integration der Prozesse stattfinden, wobei ohne Vorbehalte auf Best Practices auch im übernommenen Unternehmen geachtet werden muss.
Ebenfalls nicht von der Hand zu weisen ist das Problem der fehlenden Mitarbeiterakzeptanz. Insbesondere die IT-Mitarbeiter des übernommenen Unternehmens können sich übergangen oder abgewertet fühlen und dann „Dienst nach Vorschrift“ machen – alles nicht hilfreich bei der reibungslosen Integration eines Unternehmens.
Für den bedeutsamsten Aspekt halte ich jedoch die Chance für eine Überarbeitung der IT-Landschaft insgesamt im Zuge der Integration des gekauften Unternehmens. Wenn das eigene ERP-System auf einer heute unzureichenden technologischen Basis arbeitet, aufgrund zahlreicher Individualanpassungen schwer zu aktualisieren ist und keine oder zu teure Cloud-Lösungen anbietet, dann sollte grundsätzlich über die IT-Strategie nachgedacht werden.
Wenn dies nicht geschieht, besteht die große Gefahr, dass vorschnell Systeme aus dem eigenen Unternehmen dem zugekauften Unternehmen übergestülpt werden. Dies führt nahezu unweigerlich zu den oben von mir geschilderten Problemen, da weder geschultes Personal für die neuen Systeme existiert noch die Datenstrukturen passen. Eine vorschnelle unternehmerische Entscheidung kann hier also zu erheblichen Problemen führen, bis zum Produktionsstillstand. Gar nicht selten treten Probleme bei der Integration von Echtzeitdaten aus MES/MOM auf, die bis zum Stillstand in der Fertigung führen können.
Bei Potsdam Consulting gehen wir daher mit einem ganzheitlichen Konzept an die Post-Merger-Integration heran und vereinbaren Maßnahmen mit der Unternehmensleitung in technischer, organisatorischer, strategische und menschlicher Sicht, um die Integration in kurzer Zeit zu einem vollständigen Erfolg zu machen.
Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Norbert Gronau ist Inhaber des Lehrstuhls für Prozesse und Systeme an der Universität Potsdam. Er ist häufiger Keynote Speaker und Gründer der auf Trusted Advisory spezialisierten Potsdam Consulting Advisory GmbH.
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