ERP-Einführung

ERP-Sanierung in 4 Schritten

Sanierung und Restrukturierung von notleidenden ERP-Projekten
Lesedauer:  3 Minuten
ERP-
© Adobe Stock / Alex

Große ERP-Projekte erweisen sich immer wieder als enorme Herausforderung für das gesamte Unternehmen. Nicht nur die mitunter beträchtlichen Kosten bergen ein hohes Risiko für die Unternehmensleitung, sondern auch die Tatsache, dass bei einem großen ERP-Projekt alle Prozesse und gewohnten Arbeitsweisen neu gedacht und auf den Kopf gestellt werden müssen. Das ist nicht nur ein großer Kraftakt für nahezu jeden Mitarbeiter, sondern auch ein großes Risiko für das Unternehmen. Hinzu kommt, dass gerade im letzten Sommer 2019 die Medien sehr viel über gescheiterte ERP-Projekte berichtet haben. Die Otto-Gruppe, Lidl und die Deutsche Bank haben zum Teil dreistellige Millionenbeträge in ERP-Projekte investiert, um dann zu scheitern und das ganze Unterfangen abzubrechen. Der folgende Beitrag veranschaulicht, welche vier Schritte zu unternehmen sind, damit trotz erster Anzeichen eines Scheiterns das ERP-Projekt erfolgreich zum Ziel geführt werden kann.

ERP-

Woran erkennt man, dass ein ERP-Projekt in Schieflage geraten ist? 

Wenn in offiziellen Terminen, wie zum Beispiel einem Lenkungsausschuss, offensichtlich wird, dass Budget- und Zeitpläne nicht mehr gehalten werden können, dann ist das ERP-Projekt schon in einer sehr kritischen Phase. Hier macht es Sinn, direkt in das im Folgenden beschriebene „Vier-Punkte-Programm“ einzusteigen und eine ERP-Recovery anzustoßen.

Entscheidender als die für jeden Beteiligten offensichtlichen Kriterien des Scheiterns, sind die frühen Warnsignale oder Frühindikatoren, die es ankündigen. Denn wenn solche Signale frühzeitig erkannt werden, kann ein ERP-Projekt wesentlich schneller und effektiver wieder auf Kurs gebracht werden. 

johanning1
Bild 1: Beispielhafte Ergebnisse des ERP-Assessment.

Doch was sind diese frühen Alarmzeichen und woran erkennt man sie? Hier die „Klassiker“ unter den Warnsignalen: 

  • Es kommt im ERP-Projektteam immer wieder zu Diskussion über den Scope
  • Die ERP-Berater des Systemhauses versprechen seit Wochen Besserung, aber es passiert nichts
  • Wichtige Stakeholder des ERP-Projektes nehmen nicht mehr an Terminen teil oder sagen diese sogar ab
  • Geplante Projektpuffer werden schon in frühen Phasen durch unerkannte Risiken genutzt
  • Es kommt in der Kaffeeküche beim Thematisieren des Projektes zu heftigen Diskussionen oder Teilnehmer wenden sich ab
  • Es gibt Aufgaben im ERP-Projekt, die schon seit längerer Zeit fast fertig sind, aber einfach nicht zum endgültigen Abschluss kommen

Dies sind alles Frühindikatoren, die nicht zwangsläufig ein Scheitern anzeigen, sind aber Signale, die aufhorchen lassen. Gerade, weil die Geschäftsleitung in frühen Phasen noch effizient und beherzt eingreifen kann. Oftmals sind diese frühen Warnzeichen auch beim ERP-Systemhaus deutlich zu erkennen. Daher ist es ratsam, auch bei den Beratern oder dem Management des ERP-Systemhauses auf die folgenden Frühindikatoren zu achten:

  • Die Kostenseite ist nicht mehr unter Kontrolle. Es liegt an vielen Faktoren, aber der Kunde sieht den Berater oder Manager als Schuldigen. Dessen ganze Argumentation wird zwar gehört, aber vom Kunden nicht mehr angenommen.
  • Der Projektleiter des ERP-Systemhauses ist beim Kunden „verbrannt“. Eventuell schon der Zweite oder Dritte.
  • Das Vertrauen im Lenkungskreis und zur Geschäftsführung leidet massiv und e wurde schon einiges versucht, um die Wogen zu glätten – aber die Chemie passt einfach nicht mehr.
  • Die ERP-Experten haben so langsam keine Lust mehr auf den Kunden. Ständig sind die ERP-Berater an allem Schuld, der Kunde sieht seine eigenen Verantwortlichkeiten aber überhaupt nicht.

Es ist schon am Anfang des ERP-Projektes wichtig, sehr sensitiv auf die Frühindikatoren zu achten, denn der häufigste Fehler bei Rettungsaktionen von ERP-Projekten wurde schon vor deren Beginn gemacht: Es wurde zu lange gewartet, bevor gegengesteuert wird. Als ERP-Projektleiter, Mitglied des Lenkungsausschusses, aber auch als Management des ERP-Systemhauses gilt daher: Lieber zu früh als zu spät reagieren! Denn wenn die genannten Lücken wie Budget- oder Zeitüberschreitung offensichtlich werden, braucht es sehr viel mehr an Aufwand als in frühen Phasen. 

Vorgehensmodell zur ERP-Sanierung 

Wenn die Erkenntnis im Management dazu geführt hat, dass eine Restrukturierung des ERP-Projektes unumgänglich ist, …

Zum Weiterlesen klicken Sie hier


Das könnte Sie auch interessieren

Zehn ERP-Praktiker über Projekterfolg

Zehn ERP-Praktiker über Projekterfolg

Was in Auswahl, Implementierung und Betrieb wirklich zählt
ERP-Projekte scheitern selten an der Software selbst, sondern an unklaren Prozessen, fehlender Vorbereitung und mangelnder organisatorischer Einbindung. Zehn erfahrene ERP-Praktiker aus Deutschland und der Schweiz berichten aus ihrer Projektpraxis und zeigen, welche Faktoren bei Auswahl, Einführung und Betrieb von ERP-Systemen wirklich entscheidend sind – von der oft unterschätzten Phase Null bis zur realistischen Einordnung von KI.
Ohne ERP-System keine KI-Transformation im Mittelstand

Ohne ERP-System keine KI-Transformation im Mittelstand

Im Mittelstand entscheidet das ERP über Tempo und Wirkung von KI
Künstliche Intelligenz gilt als Treiber der digitalen Transformation –doch im Mittelstand entscheidet nicht der Algorithmus, sondern das ERP über Tempo und Wirkung. Gut gepflegte ERP-Systeme liefern die verknüpften, kontextualisierten Daten, die KI erst produktiv machen. Sie bilden die Basis für Prozessoptimierung, Automatisierung und neue Geschäftsmodelle. Wer nachhaltige Innovation realisieren will, muss beim ERP ansetzen.
„Der Fokus muss auf Individualisierungen liegen, die ein Unternehmen einzigartig machen“

„Der Fokus muss auf Individualisierungen liegen, die ein Unternehmen einzigartig machen“

Im Management-Talk mit enventa CEO Daniel Plohnke
Was bedeutet die Auszeichnung „ERP-System des Jahres“ für Sie? Es ist toll, dass die Energie und die Leidenschaft, die unser Team in das Produkt steckt, ausgezeichnet werden. Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind, und es ist eine Anerkennung für alle, die über die Jahre daran mitgewirkt haben. Was unterschied Ihre Lösung von den anderen Finalisten? Unser Produkt hat einen klaren Branchen-Fokus auf die Bekleidungs- und Lifestyle-Branche – und ist dazu eine echte Standard-Lösung. Welchen Kundenmehrwert konnten Sie im Wettbewerb am besten zeigen? Die Durchgängigkeit und Transparenz über das gesamte Unternehmen hinweg. Die verschiedenen Geschäftsmodelle, die ein Modeunternehmen heutzutage beherrschen muss, sind eine Herausforderung. Ihre Orchestrierung in einer Lösung erlaubt unseren Kunden, diese mit maximaler Effizienz zu bewältigen. Wie tragen Cloud-Technologien zur Lösungs strategie bei? Speziell in unserem Zielmarkt gibt es häufiger ...
Fünf teure Stolpersteine bei der ERP-Einführung

Fünf teure Stolpersteine bei der ERP-Einführung

Mit diesen Empfehlungen bewältigen Unternehmen solche Hürden
Den meisten Mittelständlern ist längst klar, dass sie im Zuge des digitalen Wandels ihre Prozesse vernetzen müssen. Kaum ein Weg führt dabei an ERP-Systemen vorbei – sie sorgen für Geschwindigkeit und vor allem Transparenz. Doch die Angst vor hohen Kosten, komplexen Projekten und Unruhe in der Belegschaft bremst viele Unternehmen aus. Fünf Hürden gilt es zu umgehen, um das Potenzial voll auszuschöpfen.
RICE-Scoring bringt Struktur in ERP-Entscheidungen

RICE-Scoring bringt Struktur in ERP-Entscheidungen

Mit einer simplen Formel treffen KMU klare Projektentscheidungen
KMU stehen oft vor der Herausforderung, zu viele Digitalisierungswünsche mit zu wenig Ressourcen unter einen Hut zu bringen. Häufig entscheiden Bauchgefühl oder Abteilungsdruck, was umgesetzt wird – mit teuren Fehlstarts als Folge. Das RICE-Scoring bietet eine einfache Formel zur objektiven Priorisierung: Anhand von Reichweite, Wirkung, Zuversicht und Aufwand erkennen Unternehmen, welche ERP-Projekte den größten Nutzen bringen.
Methoden-Toolkit für bessere Entscheidungen

Methoden-Toolkit für bessere Entscheidungen

Mit Argumentenbilanz, Nutzwertanalyse und Co. Alternativen bewerten und Risiken erkennen
Entscheidungstechniken machen den Unterschied zwischen Bauchgefühl und fundiertem Urteil. Sie strukturieren Informationen, zeigen Alternativen auf, gewichten Argumente und machen Folgen transparent. Ob Argumentenbilanz, Nutzwertanalyse, Entscheidungsbaum oder Business Case – die Methoden liefern Entscheidern nachvollziehbare Grundlagen. Am Ende gilt: Gut vorbereitete Entscheidungen zahlen direkt auf den Unternehmenserfolg ein.
Dieser Eintrag wurde in Allgemein gepostet und markiert .