Um eine höhere betriebswirtschaftliche Effizienz erreichen zu können, ist eine Reduktion der Kosten – gleichzeitig verbunden mit einer Steigerung der eigenen Leistung – notwendig. Ein Weg zur Erreichung dieses Ziels ist die Nutzung und Integration eines ERP-Systems. Eine elementare Überlegung bei der Auswahl eines ERP-Systems ist die Frage nach Flexibilität und Integrationsfähigkeit. Doch welches System ist für meine Anforderungen das beste System?
Am Markt gibt es seit geraumer Zeit Lösungen von den größten IT-Playern wie bspw. SAP, Microsoft oder Oracle. Darüber hinaus haben sich einflussreiche Anbieter wie SAGE, DATEV, Infor, proALPHA oder Xentral am Markt etabliert. Analysiert und strukturiert man seine Anforderungen, ermöglicht das, unter der Vielzahl der Anbieter die für seine Zwecke passende Lösung zu finden. Damit eine nahtlose Integration des ERP-Systems an im Unternehmen implementierten Systemen funktioniert, werden Schnittstellen benötigt. Diese Schnittstellen ermöglichen teils extreme Steigerungen in der Produktivität. In der Possehl-Gruppe, einer Unternehmensgruppe mit einer Stiftung als Gesellschafterin und über 4,4 Mrd. € Umsatz im Jahr 2021, sind ERP-Systeme nicht mehr wegzudenken. Da teils überholte oder nicht für mittelständische Strukturen geeignete ERP-Systeme eingesetzt werden, steht hier ein struktureller Wandel bevor.
Überblick über das ERP-System
Der Fokus eines ERP-Systems liegt darin, die wirtschaftlich relevanten Parameter wie bspw. Produkte, Lagerbestand, Lagerwert, Werkstoffe, Kapital, Betriebsmittel, Arbeit und Personal zu erfassen und in ihrer Effizienz zu steigern. Dieses hierarchisch übergeordnete IT-System konzentriert sich als solches auf die Produktionsplanung, meist mit einem Planungshorizont von einem Jahr, ist aber heute für viele weitere Bereiche wie Vertrieb, Logistik, Beschaffung und ganz besonders für Finanz-/Rechnungswesen relevant. Die Kommunikation des ERP-Systems erfolgt in vielen Unternehmen mit externen Systemen wie CRM (Customer Relationship Management) und HR-Systemen (Personal).
Für das Management werden relevante Wertgrößen aggregiert und für das Finanz- und Rechnungswesen aufbereitet. Mit höherem Detailgrad und kürzerem Planungshorizont werden die erzeugten ERP-Pläne bspw. an die Produktion über das MES (Manufacturing Execution System) weitergegeben. Ziel ist, für alle Geschäftsanforderungen eine führende Rolle zu übernehmen.

Was zeichnet das beste ERP-System aus?
Um zu den besten ERP-Systemen zu gehören, steht vor allem eine Funktionalität im Fokus: die volle Integrationsfähigkeit. Das ERP-System muss flexibel sein und darf in seinen Funktionalitäten nicht streng an ein anderes System gebunden sein. Das ERP-System sollte modular erweiterbar sein, damit es für spezielle Anforderungen angepasst werden kann. Durch eine intelligente Automatisierung können geschäftskritische Abläufe effizient ausgeführt werden. Das perfekte ERP-System ermöglicht in Echtzeit einen detaillierten Einblick in jegliche Rollen im Unternehmen, am besten auf Basis von KI und Analysen.
Auf dem Markt der ERP-Systeme sind vor allem bekannte Player aus dem IT-Bereich vorherrschend: SAP, Microsoft und Oracle. Darüber hinaus gibt es noch einflussreiche Anbieter wie SAGE, DATEV, Infor, proALPHA oder Xentral. Das Angebot von SAP ist mit über 550 Add-on-Lösungen besonders vielseitig, aus diesem Grund ist SAP nicht nur in Deutschland, sondern weltweit bekanntlich Marktführer. Sollte der Fokus auf Masterplanung, Produktionsprogrammplanung, Kundenbedarfsplanung oder Business Warehouse liegen, gibt es diverse ausgeklügelte Lösungen, wie bspw. SAP IBP, die auf dem SAP-ERP-System aufbauen.
Welche Herausforderungen kommen mit der Implementierung eines ERP-Systems?
Durch die Einführung eines ERP-Systems entstehen Zeitaufwand sowie Kosten für die Anschaffung, Implementierung, Wartung und Datenkonvertierung. Im laufenden Betrieb können planerische Schwierigkeiten innerhalb des MES zum Heranziehen von Mengen als Ersatz für Leistungs- und Kostenziele führen. Dies ist besonders in der kurzfristigen Planung von Relevanz.
Kontrollrückmeldungen aus der Produktion sind ebenso eingeschränkt wie der Datenaustausch zwischen MES und ERP. Ab einem bestimmten Grad der Abweichung von der in der Realität vorliegenden Komplexität kann die Produktionsbedarfsplanung des ERP im MES zu Problemen führen. Insbesondere bei Störungen müssen diese mit hohem Aufwand erstellten Pläne im ERP neu berechnet werden. Eine der größten Schwächen von SAP APO (Advanced Planner & Optimizer) ist die hohe Nervosität bei geringfügigen Datenänderungen. Diese lösen eine umfangreiche Planungsrevision aus, die fälschlicherweise an Symptomen und nicht an den Ursachen ansetzt.
Anwendung innerhalb der Possehl-Gruppe
Die Produktionsprogrammplanung wird innerhalb der Possehl-Gruppe teils noch durch das ERP-System SAP APO abgebildet. Das ERP-System enthält klassische Funktionen der Absatzplanung, Bestands- und Ressourcengrobplanung, Sekundärbedarfsermittlung und Beschaffungsartenzuordnung. Das mittlerweile durch SAP IBP (Integrated Business Planning) ersetzte ERP-System erhält noch bis 2027 Support, allerdings sollten sich Nutzer schon jetzt mit einem Nachfolgemodell auseinandersetzen. Da nicht alle Funktionen in SAP IBP integriert, sondern an SAP S/4HANA ausgelagert wurden, lohnt sich ein Vergleich verschiedener Lösungen, die für die eigenen Anwendungszwecke relevant sind.
Aktuell haben sich mit Oracle NetSuite, SAP S/4HANA, Sage 100 ERP, Xentral ERP, proALPHA ERP, Oracle Cloud ERP oder Microsoft Dynamics 365 Business Central verschiedene Lösungen auf dem Markt etabliert. Possehl Electronics setzt auf SAP ERP 6.0. Für die Masterplanung wird aufbauend auf SAP die Software Board verwendet, Gantt für die Produktionsprogrammplanung, Ctp für die Kundenbedarfsplanung und BI für das Business Warehouse. Bei der Kundenbedarfsplanung folgt nach Primärbedarfsplanung und Sekundärbedarfsplanung der Fertigungsauftrag.
Gantt plant die komplexe Lieferkette bei Possehl Electronics von der Vorstufe aus Stanzen und Galvanisieren über Kunststoffspritzen, der Montage sowie der Endstufe aus Prüfung und Lager. Dabei hat Gantt eine Rückwärtsorientierung, das heißt, die Endstufe bekommt erst die Bedarfe, dann folgt eine Rückrechnung, welche wiederum die Bedarfe auslöst.
Anbindung intelligenter Schnittstellen
Für ERP-Systeme gibt es verschiedene Schnittstellen, die in die Finanzbuchhaltung, in einen Webshop ins E-Commerce, in ein Warenwirtschaftssystem oder in ein CRM-System verlinken. Es handelt sich dabei meist um bidirektionale Schnittstellen, Daten werden also sowohl aus dem ERP-System gesendet als auch empfangen. Als die Open-Catalog-Interface-(OCI-) Schnittstelle als Standardschnittstelle für den Austausch von Produktinformationen zwischen unabhängigen Systemen erstmals von SAP vorgestellt wurde, konnte schnell der effizienzsteigernde Faktor für die Industrie festgestellt werden.
Aus dem ERP-System heraus kann der Benutzer über die OCI-Schnittstelle in ein E-Commerce-System, wie bspw. den Online-Marktplatz der Possehl Gruppe MyPossehl, Artikel in den Warenkorb legen und diese im nächsten Schritt nach einem Freigabeprozess bestellbar machen. Der Benutzer benötigt dafür keinen gesonderten Account im E-Commerce-System, sondern kann sich als OCI-Nutzer frei auf dem Online-Marktplatz bewegen. Im ERP-System wird eine BANF (Bestellanforderung) erzeugt. Beim Kunden starten die üblichen Prozesse wie beispielsweise ein Genehmigungsverfahren und eine Anpassung der Produktverfügbarkeiten. Der Einkauf wird abschließend im ERP-System verbucht.
Durch die vielfältigen Einsatzbereiche und Schnittstellen zu externen Systemen bieten ERP-Systeme auch eine große Menge Daten an. Diese Daten enthalten ein großes Potential, um daraus Informationen und somit Optimierungsansätze für Geschäftsprozesse und Produktion zu erhalten. Diese Datenauswertungen können direkt im ERP-System oder auch in weiteren externen Systemen, wie bspw. MyANTS von Possehl Analytics, erfolgen.
Über die Autorin

Dr. Myriam Jahn
hält einen Master in Elektrotechnik,
studierte Wirtschaftswissenschaften (WHU)
und promovierte in Wirtschaftsinformatik.
Sie ist Geschäftsführerin des Geschäftsbereichs
Possehl Digital. Fokus ist, die Digitalisierung
in der Gruppe voranzutreiben.
Co-Autor

Vincent Laenen
studierte Wirtschaftswissenschaften
an der Universität Augsburg. Er ist
Marketing Manager bei Possehl Online Solutions.
Das Corporate Startup der Possehl-Gruppe
hat sich auf B2B-E-Commerce spezialisiert.
Branchen: branchenübergreifend