ERP-Einführung

ERP-Einführungsprojekte

Aufbau flexibler und hybrider Vorgehensmodelle
Lesedauer:  3 Minuten
© Adobe Stock / Blue Planet Studio
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Einführungen von ERP-Lösungen sind komplexe Projekte. Viele enden verspätet, mit Kostensteigerungen oder werden gar abgebrochen. Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist ein an das Vorhaben angepasstes Vorgehensmodell für situativ optimiertes Projektmanagement. In diesem Beitrag wird ein Baukasten zur Erstellung flexibler und hybrider Vorgehensmodelle vorgestellt. Die Anwendung dieses Baukastens wird anhand eines ERP-Einführungsprojekts erläutert. Auf diese Weise kann sowohl traditionell-planbasiertes, als auch agiles und hybrides Projektmanagement in einem Projekt eingesetzt werden.

ERP-Systeme sind das Fundament der IT-Landschaft vieler Unternehmen [1]. Sie werden entlang der Wertschöpfungskette eingesetzt und können Abläufe von Kunden und Lieferanten integrieren [2]. ERP-Systeme sind aktuell im Umbruch. ERP-Hersteller fördern den Wandel von monolithischen Systemen zu hybriden oder vollständigen Cloud-Lösungen [3]. In diesem Umfeld gewinnen ERP-Einführungsprojekte erneut an Bedeutung. Immer wieder scheitern große IT-Einführungsprojekte jedoch [4].

Phasenmodelle für die Softwareeinführung umfassen die Projektinitiierung, die Einführung und Adaption der Software, den Aufbau der Akzeptanz und die Nutzung im Alltag [5]. Andere Modelle legen Wert auf frühe Prototypen und einen begleiteten Pilotbetrieb. Erfolgsfaktoren sind eine fundierte Situationsanalyse und ein maßgeschneidertes Projektmanagement-Vorgehensmodell [3]. So spielen Vorerfahrungen der Mitarbeiter ebenso eine Rolle bei der Definition der richtigen Einführungsstrategie, wie auch Überlegungen, ob die Einführung in einem Schritt oder iterativ erfolgen soll.

In diesem Beitrag wird erläutert, wie auf systematische Weise Bausteine zu einem maßgeschneiderten Vorgehensmodell für eine ERP-Einführung kombiniert werden können.

Vorgehensmodelle

Ein Vorgehensmodell umfasst Phasen, Methoden und Prozesse für einen standardisierten Projektablauf. Gleich einem Kochrezept, soll es den Beteiligten eine Orientierung geben. Die Standardisierung ähnlicher Projekte hilft, Best Practices zu sammeln und in die verbesserte Bearbeitung künftiger Projekte einfließen zu lassen. Eine Standardisierung ist aber nur innerhalb ähnlicher Projekte sinnvoll. ERP-Einführungsprojekte haben andere Charakteristika als Projekte des Anlagenbaus oder der Fahrzeugentwicklung.

Allgemeine Vorgehensmodelle sind das seit den 1970er Jahren bekannte Wasserfallmodell, das V-Modell [6] oder das auf IT-Projekte spezialisierte V-Modell XT [7]. Diese Modelle fordern vorausschauende Planung und werden deshalb auch planbasierte oder traditionelle Vorgehensmodelle genannt. Gerade bei IT-Projekten ist eine langfristige Planung nicht immer möglich, weshalb sich seit den 1990er Jahren auch agile Vorgehensmodelle verbreiten. Diese zeichnen sich durch iteratives Planen und Umsetzen unter intensiver Beteiligung des Auftraggebers, beziehungsweise des Kunden, aus. Die verbreitetsten agilen Vorgehensmodelle sind Scrum und Kanban [8].

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Bild 1: Überblick über Bausteine zur Entwicklung von Vorgehensmodellen.

Seit 2016 existiert mit HyProMM ein Ordnungsrahmen für hybride Vorgehensmodelle des Projektmanagements [9]. Dieser unterstützt die Kombination unterschiedlicher Methoden zu individuellen Vorgehensmodellen. Allerdings können Vorgehensmodelle aus mehr als aneinandergereihten Methoden bestehen und auch strukturelle, prozessuale und funktionale Bausteine beinhalten. Bild 1 gibt hierzu einen Überblick.

Zu den strukturellen Bestandteilen gehören Projektphasen und Meilensteine. Prozessuale Bestandteile verbinden die Aktivitäten je Phase zu Abläufen. Zu den funktionalen Bestandteilen gehören Orientierung, Qualitätssicherung, Synchronisation, Kommunikation, Kollaboration, Wissensmanagement und Reflexion.

Die Orientierungsfunktion fördert die Kommunikation des geplanten Vorgehens an alle Beteiligten. Sie stiftet Identität und reduziert Ängste vor dem weiteren Projektverlauf.


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