Digitalisierung, ERP-Digitalisierung

Digitalisierungsgrad im Mittelstand

Studie zum Digitalisierungsgrad kleiner und mittelständischer deutscher Unternehmen
Lesedauer:  3 Minuten
Andreas Dahmen (l) und Kerem Sargut
Andreas Dahmen (l) und Kerem Sargut

Vor dem Hintergrund zunehmend digitaler Prozesse und Dokumentation dieser, wurde im Rahmen einer Studie der Digitalisierungsgrad von 214 kleinen und mittelständischen deutschen Unternehmen untersucht. Davon sprachen 96 % den digitalen Technologien eine besondere Rolle für ihr Geschäftsmodell zu. Besonders im Bereich Finanzen und Controlling wurden systemgestützte Prozesse und ihre Dokumentation für wichtig befunden – mit 93  % und 90  % respektive. Jedoch gaben die Unternehmen an, dass in den verschiedenen Funktionsbereichen nur 15 % bis 20 % bereichsübergreifende IT-Systeme bereits verwenden und nur 21 % bis 29 % der Prozesse in vollkommen digitaler Form vorliegen. Da die Überbrückung dieser entdeckten Distanzen, zwischen Anspruch und tatsächlichem Digitalisierungsgrad, fachspezifisches Expertenwissen und Erfahrung voraussetzt, ist die Einbindung externer Unterstützung empfehlenswert.

Die „Digitalisierung“ ist und bleibt eine immerwährende Herausforderung für deutsche Unternehmen. Auch wenn sich die meisten von ihnen inmitten eines Transformationsprozesses ihrer Geschäftsmodelle befinden, spüren sie, dass das notwendige operative digitale Fundament in den Geschäftsprozessen nach wie vor eine komplexe Herausforderung darstellt.

Der Digitalisierungsgrad dieser Studie ist insofern ein „interner“ Digitalisierungsgrad, da sich die Studie auf die internen IT-­ bzw. ERP-­Systeme sowie Prozesse fokussiert, um „spitz“ für einen betrachteten Ausschnitt der Digitalisierungsdiskussion Studienergebnisse möglichst konkret formulieren zu können. Digitalisierung im Zusammenhang mit der Internetfähigkeit des Unternehmens sowie seiner Daten sind nicht Gegenstand der Studie.

Rahmendaten der Studie

An der Online-Befragung haben insgesamt 214 Unternehmen teilgenommen. Nach Bereinigung der Datensätze bilden 185 weitgehend beantwortete Fragebögen die Basis dieser Auswertung von denen 97 Unternehmen aus der Dienstleistungsbranche kommen.

Mehr als die Hälfte der Befragten gehören der ersten Führungsebene in den Unternehmen an, welche sich hauptsächlich in Umsatzgrößen zwischen 10 und 100 Mio. € bewegen, wobei auch Unternehmen mit über 200 Mio. € vertreten sind. Die Anzahl der Mitarbeiter der Unternehmen liegt zwischen 20 und 250 Mitarbeitern.

Ergebnisse der Studie 

Wie zu erwarten war, schätzen rund die Hälfte der befragten Entscheider die Bedeutung der digitalen Technologien für ihr Geschäftsmodell als hoch relevant ein. Die andere Hälfte misst diesem Thema ebenfalls eine entscheidende Bedeutung zu.

Dokumentation kaufmännischer Prozesse

Bei der Dokumentation kaufmännischer Prozesse zeigt sich, dass eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit besteht.

Auffällig ist, dass die Unternehmensprozesse in vollkommen digitaler Form (DMS) nur bei einem sehr geringen Anteil der Unternehmen in dokumentierter Form vorliegen, obwohl die Wichtigkeit dokumentierter Prozesse als hoch eingestuft wurde. In vollständig digitaler Form teilen sich Finanzen/Controlling sowie Einkauf und Logistik mit 29 % respektive 28 % „voll und ganz“ oder „überwiegend“ dokumentierter Form, den höchsten Digitalisierungsgrad.

GHK Studie Abb4
Bild 1: Frage zur Bedeutung digitaler Technologien
für die Geschäftsmodelle (n=180, Einfachauswahl).

Es kann also festgehalten werden, dass eine auffällig starke Abweichung zwischen der Einschätzung der Wichtigkeit, kaufmännische Unternehmensprozesse zu dokumentieren und dem tatsächlichen Dokumentierungsgrad vorliegt. So halten beispielsweise 93 % aller Befragten die Dokumentation von Prozessen im Bereich Finanzen/Controlling für wichtig, tatsächlich liegen diese allerdings zu 64 % in Papierform, zu 84 % in proprietär digitaler Form (PDF, Word) und lediglich zu 29 % in vollkommen digitalisierter Form vor.


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