Digitalisierung

Folge 7: Make-or-buy-Entscheidungen

Lesedauer:  3 Minuten
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Univ.-Prof. Dr.-Ing. habil. Norbert Gronau ist Inhaber des Lehrstuhls für Prozesse und Systeme an der Universität Potsdam. Er ist häufiger Key- note Speaker und Gründer der auf Trusted Advisory spezialisierten Potsdam Consulting Advisory GmbH. Zu seinen Kunden zählen Familienunternehmen wie Bahlsen und die Meyer Werft, Konzerne wie Universal Music, Daimler und Lufthansa Technik sowie öffentliche Einrichtungen wie die Landeshauptstadt München und das Land Niedersachsen. Er hat Bücher zu Geschäftsprozessmanagement, ERP und Wissensmanagement verfasst und ist Mitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften ACATECH. E-Mail advisor@potsdam-consulting.de

In einem großen Reorganisations- oder IT-Projekt stehen nicht nur am Anfang, sondern auch während der Projektlaufzeit eine Vielzahl von Entscheidungen an, bei denen die Alternative „make or buy“ heißt. Damit verbindet sich die Frage, ob eine Leistung von den Mitarbeitern im eigenen Haus erbracht oder am Markt eingekauft werden sollte.

Wenn die Frage schnell und eindeutig zu entscheiden ist, ist das kein Thema für den Trusted Advisor. In der Praxis ist die Gemengelage jedoch häufig komplizierter. Hilfreich ist es daher, die verschiedenen Alternativen (gelegentlich gibt es auch mehrere „make“ oder „buy“-Alternativen) nach einheitlichen Kriterien zu bewerten. Für eine Entscheidung in Richtung „make“ gehört dazu, dass im Haus genügend Kapazität und Wissen verfügbar sind, um die Leistung termingerecht erstellen zu können. Auch muss über die gesamte Nutzungsdauer der erstellten Leistung hinweg entweder intern Wartung erbracht oder extern Service eingekauft werden. Diesen Punkt können externe Anbieter oft leichter sicherstellen.

Für eine „buy“-Entscheidung spricht zunächst, wenn bereits eine vollständige Konzeption der zu erbringenden Leistung vorliegt, die auch von Externen verstanden wird. Die zu beauftragenden Externen müssen ebenfalls zeitnah Kapazitäten zur Verfügung stellen. Intern verbleibt in jedem Fall die Verpflichtung zur Abnahme der Leistung, für die stets Zeit eingeplant werden muss. Ich betone dies, weil in den von mir betreuten Projekten bei der Kapazitätsplanung durch den Projektleiter gelegentlich solche Verpflichtungen „vergessen“ werden.

Das Geltendmachung von Mängeln setzt die vollständige Beschreibung des Werkes voraus; von pauschalen Beauftragungen nach dem Motto „Macht mal und schreibt die Tage auf“ kann der Trusted Advisor nur abraten. Dies führt mit Sicherheit zu einer drastischen Überschreitung der geplanten Kosten. 

Ein aktueller Fall: Dieses Beispiel betrifft den Aufbau eines Data Warehouses. Dieses wurde in einigen (nicht allen) Dimensionen bisher vom Anbieter der Software erstellt. Nun liegen einige Standardberichte vor; weitere fehlen, ebenso wie einige für das Kerngeschäft des Kunden wichtige Auswertungsdimensionen. Diskutiert werden die Übernahme dieser Arbeiten durch die IT des Auftraggebers, die Übergabe an einen weiteren Data Warehouse-Dienstleister oder die weitere Bearbeitung durch den bisherigen Anbieter.

Entzündet hatte sich diese Diskussion an der äußerst unkomfortablen Wartungsmöglichkeit des Data Warehouses, die auf kryptischen Textdateien basiert, für die kein angemessenes Pflegewerkzeug zur Verfügung steht. Auch wurden des öfteren die Mitarbeiter des Softwareanbieters dabei beobachtet, wie sie verschiedene Wege durch Editieren der Textdateien ausprobierten – und dabei gelegentlich das Data Warehouse lahmlegten. Grundsätzlich ist hier nach Ansicht des Trusted Advisors die Eignung der Data Warehouse Software als solche in Frage zu stellen. Ein Vergleich der drei oben geschilderten Alternativen zeigte dann, dass der weitere Aufbau des Data Warehouses durch den Softwareanbieter und die anschließende Übergabe der Pflege in die Hände der Kunden-IT den richtigen Weg darstellt. Das Abfragen der angelegten Dimensionen unter Berücksichtigung historischer Daten ist damit durch die Endanwender selbst problemlos möglich.


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