Digitalisierung

Kein Zurück mehr – Wie ein Kabelhändler mit einem neuen WMS seine Logistik in die Zukunft katapultiert

Vom ERP-Engpass zur Logistikinnovation
15.04.2025
Lesedauer:  4 Minuten
Logistik
© Pixabay/marcinjozwiak

Als der Kabelhändler vor der Einführung seines neuen ERP-Systems stand, war die Zielrichtung klar: Prozesse vereinfachen, Transparenz erhöhen und die Weichen für künftiges Wachstum stellen. Doch bald zeigte sich: Besonders die logistischen Anforderungen sprengten den Rahmen des Machbaren. Die ERP-Standardlösung konnte die Komplexität der Lager- und Versandprozesse nicht ohne massive Eingriffe abbilden. Die initialen Aufwandsschätzungen des ERP-Anbieters – ohnehin sportlich – wurden schnell veraltet. Eine vertiefte Prüfung zeigte: Der Anpassungsaufwand würde den ursprünglichen Plan um den Faktor 7 übersteigen.

Gleichzeitig wurde deutlich: Der ERP-Anbieter konnte keine belastbaren Aussagen zu den Folgekosten machen. Ein Risiko, das in einem dynamischen Marktumfeld zur echten Wachstumsbremse werden kann. Im Logistikbereich des Kabelhändlers hatte sich in der Zwischenzeit viel getan: Interne Workshops, Analysen und der feste Wille zur Prozessautomatisierung hatten neue Anforderungen hervorgebracht – und vor allem ein neues Selbstverständnis: Logistik ist nicht nur operativer Rückgrat, sondern strategischer Erfolgsfaktor.

Die Erkenntnis reifte: Statt sich in komplexe ERP-Anpassungen zu verrennen, war es an der Zeit, über einen grundsätzlichen Richtungswechsel nachzudenken. Gemeinsam mit Potsdam Consulting wurde der Entschluss gefasst, ein dediziertes Warehouse-Management-System (WMS) zu evaluieren. Der Anspruch war hoch: Es sollte nicht nur die heutigen Anforderungen erfüllen, sondern eine echte Plattform für zukünftige Prozessinnovationen bieten.

Strukturiert zur besten Lösung

Die Systemauswahl gliederte sich in mehrere Phasen. Zunächst wurde ein tragfähiger Anforderungskatalog erstellt – gespeist aus Erfahrungswerten des ERP-Projekts, branchenspezifischen Anforderungen und konkreten Zielen der Logistikverantwortlichen. Ziel war es, ein System zu finden, das mit den besonderen Anforderungen des Großhandelsumfelds und der Vielfalt im Produktportfolio umgehen kann – von konfektionierter Ware über Trommeln bis hin zu Value-Added Services.
Eine erste Marktsichtung führte zu einer groben Vorauswahl. Mit klaren K.O.-Kriterien wurde der Markt gefiltert, die verbleibenden Anbieter wurden zur vertieften Prüfung eingeladen. Die vier besten Systeme kamen auf die Shortlist. Dabei zählten nicht nur technische Funktionen, sondern auch Referenzen, Branchenkenntnis und die Fähigkeit, flexibel auf kundenspezifische Prozesse einzugehen.

Der Reality-Check vor Ort

In Phase 2 wurde es ernst: Jeder Anbieter musste zeigen, wie gut seine Lösung zur Kabellogistik passt – zunächst in Webcasts mit Testdaten, dann vor Ort im Lager, anhand konkreter Szenarien und Geschäftsprozesse. Die Beteiligung war hoch: Neben der Projektleitung saßen Vertreter aus Logistik, IT, Geschäftsführung und operativen Einheiten am Tisch. Alle Anbieter nutzten reale Daten – etwa Lagerstruktur und Stammdaten –, um zentrale Prozesse wie Wareneingang, Kommissionierung oder Versand live zu präsentieren.

Die Ergebnisse wurden strukturiert bewertet – sowohl funktional als auch kaufmännisch. Potsdam Consulting führte die Angebote zusammen, forderte fehlende Informationen nach und erzeugte eine transparente Bewertungsgrundlage. Am Ende stand ein klarer Favorit, aber auch ein genaues Verständnis der Alternativen.

Tiefe Einblicke durch Prozessworkshops

Mit dem präferierten Anbieter ging es in die Tiefe: In dreitägigen Workshops wurden alle zentralen Prozesse durchgespielt – Lagerstruktur, Wareneingang, Kommissionierung, Value-Added-Services, Versand – und auf Machbarkeit im Standardsystem geprüft. Ziel war es, den Aufwand realistisch zu bewerten und ein belastbares Investitionsangebot zu erhalten. Parallel fand ein eigener Integrationstag mit dem ERP-Anbieter statt, um technische Schnittstellen und Datenflüsse konkret zu definieren.
Diese Workshops erwiesen sich als Schlüssel für die finale Entscheidung: Sie machten nicht nur die Systemvorteile greifbar, sondern zeigten auch, wie viel Anpassungsaufwand in beiden Szenarien – ERP oder WMS – wirklich steckt.

Mehr als Software – ein strategischer Schritt

Derzeit steht der Kabelhändler kurz vor der finalen Entscheidung. Die Bewertung erfolgt ganzheitlich: technische Funktionalität, Flexibilität, Integrationsfähigkeit, Aufwand, Kosten – und vor allem: Zukunftsfähigkeit. Die Total Cost of Ownership (TCO) fließt ebenso ein wie die potenziellen Effizienzgewinne im operativen Geschäft.

Doch die eigentliche Erkenntnis liegt tiefer: Ein dediziertes WMS ist kein isoliertes IT-Projekt – es ist ein strategischer Hebel, um die Logistik neu zu denken. Mit klaren Prozessen, hoher Transparenz und der Fähigkeit, auch morgen noch wettbewerbsfähig zu agieren.

Der Kabelhändler hat sich auf diesen Weg gemacht – strukturiert, mutig und mit einem klaren Ziel vor Augen: Die Logistik nicht nur zu digitalisieren, sondern zu transformieren.

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