Digitalisierung, ERP-Auswahl, ERP-Einführung

Die Zeit ist reif: Ein neues ERP-Auswahlverfahren

Lesedauer:  3 Minuten
Titelbild Die Zeit ist reif

Seit etwa 20 Jahren werden nach scheinbar bewährten Prinzipien ERP-Auswahlverfahren durchgeführt. Zahlreiche Berater haben sich etabliert und schwören auf die jeweils von ihnen favorisierte Art, ein neues ERP-System für ein Unternehmen oder eine öffentliche Einrichtung auszuwählen. Doch die Annahmen, unter denen früher Auswahlverfahren durchgeführt wurden, lassen sich kaum noch halten. Immer mehr Probleme treten mit Versprechungen auf, die von den Anbietern in der Auswahlphase gegeben werden und die dann zu erheblichen Kosten- und Zeitüberschreitungen in der Einführungsphase führen, weil sie sich als nicht stichhaltig erwiesen haben. Gemeinsam mit der Unternehmensberatung Potsdam Consulting, die im Rahmen ihrer Prozess- und Strategieberatung auch zahlreiche ERP-Auswahlprozesse begleitet hat, hat das Center for Enterprise Research an der Universität Potsdam nun einen neuen ERP-Auswahlprozess entwickelt, der die zahlreichen Fehler der Vergangenheit vermeidet und zudem wesentlich besser als früher an die individuellen Bedürfnisse der Unternehmen anpassbar ist, die ein ERP-System suchen.

Probleme im Auswahlverfahren

Als falsch hat sich erwiesen, bereits ohne Kenntnis des Zielsystems eine Sollprozessgestaltung anzustoßen. Ebenso falsch ist es, eine komplette Modellierung des derzeitigen − und vermutlich bald abzulösenden − Ist-Zustandes vorzunehmen. In beiden Fällen wird hoher Aufwand verursacht, obwohl Timing und Ergebnisnutzen nicht stimmen.
Um sich ein Bild vom Anbieter und seinem System zu machen, sind Präsentationen in der Auswahlphase unerlässlich. Um nicht in wenig sinnvolle Standardpräsentationen des Anbieters hineinzulaufen, müssen knappe Szenarien aus den wichtigsten Unternehmensbereichen konzipiert werden, die Stammdaten und auswahlentscheidende Funktionen des Systems miteinander verknüpfen. Bei Zeitknappheit im Bereich der Anforderungsanalyse besteht die Gefahr, die falschen Aspekte zu Szenarien zu verdichten.
Da jedes Unternehmen und jede Organisation anders ist, laufen Auswahlverfahren, die ausschließlich auf internetbasierten Merkmalslisten mit Tausenden von Einträgen basieren, häufig in die falsche Richtung: Hier gewinnt meist das funktionsstärkste System, nicht aber das am besten passende.
Allerdings erkennen die führenden Mitarbeiter der Kunden diese und andere Probleme der Auswahlphase häufig nicht (Bild 1). Die so genannte „ERP-Reife“ der Unternehmen bestimmt sehr stark die Notwendigkeit einzelner Schritte im Auswahlprozess. Die ERP-Reife wird auf der Basis mehrerer Aspekte individuell ermittelt, u. a.:

  • Gibt es eine (aktuelle) Prozessdokumentation und entsprechen die tatsächlichen Abläufe zumindest grob dieser Dokumentation?
  • Wird schon prozessorientiert gearbeitet (abteilungsübergreifend und auf die Erzielung eines Wertes für einen Kunden hin)?
  • Besteht ein Bewusstsein für die Bedeutung des Stammdatenmanagements und existiert sogar ein Prozess, mit dem die Qualität der Stammdaten sichergestellt wird?
  • Existieren Support- und Wartungsstrukturen, sowohl auf Anbieterseite als auch unternehmensintern (Key User)?
  • Sind Erfahrungen mit ERP-Systemen vorhanden oder wird bisher überwiegend mit Tabellenkalkulationen und Textprogrammen gearbeitet?
  • Wie qualifiziert sind die beteiligten Mitarbeiter für ERP-Systeme?
  • Gibt es eine IT-Strategie, die ggf. sogar in die Unternehmensstrategie und das Geschäftsmodell eingebettet ist?

Whitepaper anfordern

Mehr erfahren über


Das könnte Sie auch interessieren

Zur Nutzung und Potentialen von Augmented und Virtual Reality für KMU 

Zur Nutzung und Potentialen von Augmented und Virtual Reality für KMU 

Herausforderungen der Digitalen Transformation mit Hilfe neuer Technologien meistern
AR und VR werden bereits in vielen Unternehmen eingesetzt, sind jedoch gerade für KMU mit Herausforderungen wie finanziellen Hürden und fehlendem Know-how verbunden sind. Was sind Chancen und Barrieren, die KMU bei der Einführung dieser Technologien erwarten, und gibt es praxisorientierte Empfehlungen, wie Unternehmen diese Zukunftstechnologien erfolgreich integrieren können?
Weitsicht statt Stillstand: ERP als Schlüssel zum Erfolg

Weitsicht statt Stillstand: ERP als Schlüssel zum Erfolg

Lassen Sie sich von der Krise nicht ausbremsen!
sponsored
Ressourcenknappheit, Fachkräftemangel und instabile Lieferketten setzen Unternehmen unter Druck. Zögern bei Investitionen ist verständlich – aber riskant! Wer jetzt strategisch handelt, sichert langfristig Stabilität und Wettbewerbsvorteile. Erfahren Sie, wie ein modernes ERP-System Ihnen hilft, Krisen zu meistern, Prozesse zu optimieren und Ihr Unternehmen zukunftssicher aufzustellen.
Zum Stand von RemoteWork in Deutschland

Zum Stand von RemoteWork in Deutschland

Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen aus einer quantitativen Fragebogenstudie
Das von den Universitäten Potsdam und Kassel erstellte Whitepaper bietet eine umfassende Betrachtung der aktuellen Entwicklungen im Bereich Remote Work. Es präsentiert die wichtigsten Erkenntnisse aus der Studie und der Literatur, um Unternehmen fundierte Entscheidungsgrundlagen an die Hand zu geben.
SAP BTP: Fundament für das Intelligent Enterprise

SAP BTP: Fundament für das Intelligent Enterprise

Wie Sie Ihre IT zukunftssicher gestalten und flexibel bleiben
sponsored
Ein starkes Haus braucht ein stabiles Fundament und muss gleichzeitig flexibel und anpassungsfähig bleiben. Die SAP Business Technology Platform (BTP) in Kombination mit einem Cloud-ERP-System ist das zentrale Werkzeug für kundenspezifische Erweiterungen und Integrationen. Sie hilft Ihnen, resiliente Geschäftsmodelle auf- und auszubauen, aus Ihren Daten verwertbare Erkenntnisse zu gewinnen und Innovationen schneller umzusetzen.
Entscheidungsfindung leicht gemacht

Entscheidungsfindung leicht gemacht

Die passende ERP-Lösung für Ihr Unternehmen
sponsored
Viele mittelständische Unternehmen erwägen eine Modernisierung ihres ERP-Systems – ein mutiger Schritt mit weitreichenden Folgen. Unternehmer stehen vor bedeutenden Entscheidungen, die mit Bedacht getroffen werden. Erfolg ist nicht garantiert, doch Mut ist entscheidend. Passende IT-Lösungen steigern den Erfolg eines Unternehmens. Anforderungen an ERP-Systeme variieren nach Größe und Branche, wobei verschiedene Aspekte wichtig sind.
Eingangsrechnungen in der Cloud bearbeiten

Eingangsrechnungen in der Cloud bearbeiten

mit EASY for Microsoft Dynamics 365 BC
sponsored
Auf Eingangsrechnungen, Daten und Unternehmensprozesse wirklich von jedem Standort aus zuzugreifen, dafür steht die Cloud. EASY for Dynamics 365 BC erweitert Ihr Microsoft Dynamics 365 BC ERP-System um Purchase-to-Pay-Funktionalitäten. Nutzen Sie es subskriptionsbasiert mit so vielen Nutzern und solange Sie wollen. Im Mittelpunkt von EASY for Dynamics 365 BC steht die Eingangsrechnungsverarbeitung. Optional beherrscht EASY for Dynamics 365 BC auch die vorgelagerten Prozesse wie Bedarfsmeldung und Bestellung.  Cloud first – das Microsoft-Mantra Innerhalb weniger Jahre – von 2014 bis 2020 – führte Microsofts CEO Satya Nadella eine neue Unternehmensstrategie ein. Weg von einer produktorientieren Denkart hin zu lösungsorientierten, plattformunabhängigen Services, in denen die Cloud eine zentrale Rolle spielt. So ist aus dem Mantra Realität geworden. Office 365 gehört nur zu den sichtbarsten Beispielen. Azure, Teams, Microsoft Dynamics 365 Business Central etc. ...