ERP-Einführung

Dr. ERPel und der Vertraulichkeitswahn

Wenn Geheimniskrämerei absurde Ausmaße annimmt
02.09.2022 - von Norbert Gronau ORCID Icon
Lesedauer:  2 Minuten
ERP

Dr. ERPel arbeitet beruflich mit Beratungsunternehmen zusammen. Deshalb versteht er, dass ein großer Teil der Informationen, mit denen Beratungsunternehmen  umgehen, vertraulich behandelt werden muss. So mag niemand die herausgefundenen Schwachstellen des eigenen Unternehmens an die Öffentlichkeit gezerrt wissen oder Details der eingesetzten Methoden, die das intellektuelle Kapital der Beratung darstellen. Auch Businesspläne und die diesen zugrunde liegenden Annahmen müssen vertraulich bleiben.

Gute Vertraulichkeit und doofe Vertraulichkeit

Leider passiert es immer wieder, dass dieser nachvollziehbare Wunsch nach Vertraulichkeit übertrieben wird – zumeist von Mitarbeitern der Beratung, die leider keine glanzvolle Karriere hinlegen, sondern eher in die Kategorie Hilfsdienste einzuordnen sind. So begab es sich, dass Dr. ERPel eine Vertraulichkeitserklärung unterschreiben musste, in der er versicherte, keine Details zu einem internen Verfahren des Beratungsunternehmens preiszugeben. Allerdings handelte es sich nicht um irgendeines der oben genannten Dokumente oder Informationen, sondern – ganz schlicht – um das Verfahren, wie Reisekosten abgerechnet werden. Sehr große Stirnfalten erschienen bei Dr. ERPel, als er darüber nachdachte. Wenn es jetzt um die Inhalte konkreter Reisekostenabrechnungen gegangen wäre, dann hätte sogar Dr. ERPel das noch verstanden.

Champagner im Privatjet

Nicht jeder Top-Berater mag aufschlüsseln, woraus sich seine Reisekostenabrechnung zusammensetzt. Musste es unbedingt Champagner sein? Hätte man Freiburg im Breisgau nicht auch mit der Bahn oder dem Mietwagen erreichen können anstatt mit dem Privatjet? Das alles waren Fragen, deren Antworten sicherlich vertraulich bleiben sollten.

Was um Himmels Willen ist daran vertraulich?

Aber hier, bei dieser Beratung, ging es nur um den Prozess der Reisekostenabrechnung. Was daran zwingend vertraulich sein muss, das erschließt sich Dr. ERPel so gar nicht. Daher vermutet er, dass diese Beratung in der Kernkompetenz „Aufgeblasene Wichtigtuerei“ unterwegs ist und niemand dort das Wichtige vom Unwichtigen unterscheiden kann. Den Namen dieser Beratung kann Dr. ERPel jedoch nicht verraten: streng vertraulich!

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