ERP-Einführung

Exklusiv: Auszug aus den Wettbewerbsunterlagen der PSI SE

Kategorie Hightech-Fertigung
22.10.2022
Lesedauer:  6 Minuten
Verleihung der Siegerurkunde an Karl Tröger, PSI (Bild Mitte)
Verleihung der Siegerurkunde an Karl Tröger, PSI (Bild Mitte)

Der weltweite Wettbewerb zwingt die Unternehmen, alle Potentiale des Marktes auszuschöpfen. Dazu gehört auch die gezielte Globalisierung der Fertigung und der Beschaffung. Gerade der Markt für Elektronik- und Hightech-Produkte steht unter hohem Wettbewerbs- und Kostendruck.
Es kommt daher darauf an, bereits frühzeitig im Engineering-Prozess die spätere Wirkung von Design-Entscheidungen zu beurteilen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Dazu gehören auch die Auswahl von geeigneten Lieferanten und das Finden entsprechender Produktionsstandorte. Die Prozesse zwischen den Produktionsstandorten und der lokalen Beschaffung müssen nahtlos und medienbruchfrei funktionieren. Die ausgereifte und vor allem konfigurierbare Multisite-Lösung in PSIpenta/ERP setzt dabei Maßstäbe.

Den Unsicherheiten der Beschaffungs- und Absatzmärkte wird mit einer adaptiven Planung für die Produktion und den Einkauf begegnet. Auf der Basis von Absatz- und Bedarfsprognosen wird kontinuierlich die Fertigungssteuerung und die Beschaffung parametriert und das Bestandsniveau bzw. die Vorproduktion geregelt. Störungen oder Abweichungen in den Abläufen werden sehr schnell erkannt. Damit wird der Weg frei für ein effizientes Störungsmanagement in allen wertschöpfenden Prozessen. 

Die flexible Einplanung der Aufträge in der Fertigung auch bei veränderlichen Terminen und immer wieder veränderten Mengen als Ergebnis der adaptiven Planung wird durch grafische Feinplanungsinstrumente unterstützt. Verschiedenartige und automatisiert ablaufende Einplanungsstrategien unterstützen die bestmögliche Auslastung des Produktionssystems auch bei unterschiedlichen Randbedingungen. Für höchste Anforderungen und die Berücksichtigung auch konkurrierender Ziele an die Einplanung kann, durch KI unterstützt, ein optimierter Produktionsplan ermittelt werden. Mit PSIpenta/ASM (Advanced Scheduling and Monitoring) steht hierzu ein leistungsfähiges und integriertes Werkzeug zur Verfügung.

Gerade bei hohen Durchsätzen durch die Fertigung ist es enorm wichtig, jederzeit den Zustand des Produktionssystems und den Auftragsfortschritt zu kennen und ggf. bei Um- oder Einplanungen zu berücksichtigen. Die automatisierte Rückmeldung von Maschinen via Maschinendatenerfassung wird von der Gesamtlösung genauso unterstützt wie die manuelle Erfassung operationaler Daten im Shopfloor. Neben der Rückmeldung von Auftragsdaten (Mengen, Status, Störungen, Qualität …) kann gleichzeitig auch eine aktivitätsorientierte Werkerführung genutzt werden. Die Aktivitäten (z. B. Montagearbeiten, Prüfungen, Teileentnahmen …) erweitern die Arbeitsfolgen und unterstützen das Personal in der Fertigung bei der qualitätsgerechten Ausführung der notwendigen Arbeitsschritte. Die konkreten Abläufe und Reaktionen auf die Rückmeldungen können durch die integrierte Workflow-Engine gesteuert werden.

Die Rückverfolgbarkeit der Erzeugnisse von der Herstellung oder Beschaffung der Baugruppen bis zum Endprodukt wird durch eine werksübergreifende Chargen- und Seriennummernverwaltung abgesichert. Ein Vorteil des werksübergreifenden Ansatzes ist beispielsweise die Möglichkeit der Spezialisierung einzelner Standorte auf bestimmte Technologien, ohne den Zusammenhang der Chargen oder Seriennummern zu verlieren.

Ein echtes ERP für die Hightech- und Elektronikindustrie muss vielen Anforderungen gerecht werden. Die Anforderungen an die Nachverfolgbarkeit (Genealogie) und das in den Herstellungsprozess integrierte Qualitätsmanagement sind typisch für diese Industrie. Stabile Prozesse und die vollständige horizontale standortübergreifende und die vertikale Integration sind das Rückgrat einer erfolgreichen Auftragsabwicklung.

Technologie und Integrationsfähigkeit

Ein wesentliches Element des Gesamtsystems ist die „Built-in-Integrationsarchitektur“. Hiermit können sowohl Hardware-Komponenten wie Sensoren, Aktoren und Steuerungen als auch komplette Softwaresysteme oder Teile davon integriert werden. Die Integrationsarchitektur PSIbus verbindet nicht nur Daten und Ereignisse mit den Softwaresystemen und Benutzerschnittstellen, sondern enthält darüber hinaus eine Workflow-Engine für die Steuerung der Prozesse. Individuelle Abläufe müssen nicht mehr programmiert, sondern können mittels der BPMN 2.0 Beschreibungssprache (Business Process Management Notation) deklariert werden. Die Ablaufsteuerung ist in allen ERP- und MES-Komponenten der PSI Automotive & Industry integriert.

PSIbus ist skalierbar, multiplizierbar (dedizierte Nutzung mehrerer Instanzen), Plug-in-fähig für neue Protokolle und unterstützt Real-Time-Kommunikation. Der Nachrichtenaustausch kann asynchron erfolgen (gepuffert) und die Netzwerkverbindung wird durch „Keep-alive“-Methoden aufrechterhalten bzw. überwacht. Darüber hinaus unterstützt die Technik Auto-Reconnect (z. B. bei Cloud-Anbindungen) und verschiedenste Standardprotokolle (TCP, UDP, Filetransfer, JDBC, SAP …) über Plugins. Das Mapping der Daten zwischen Quell- und Zielsystem für die Konnektoren wird grafisch unterstützt. 

PSIpenta verfügt sowohl über eine RESTful als auch eine SOAP-Webservice-API. Diese API wird für alle Anbindungen (auch Drittsysteme) via PSIbus verwendet. Das Verhalten bei Anfragen an die API ist konfigurierbar, d. h. es können Dateninhalte und Ausgabeformate (XML, JSON) individuell festgelegt werden. Die Schnittstelle kann asynchron oder direkt synchron mit dem Standardvokabular (http-Methoden) genutzt werden. Webshops mit oder ohne Konfigurationsmöglichkeit werden typischerweise über einen ESB (Enterprise Service Bus) angebunden. Hierbei werden verschiedenste Deployment- und Replikationsoptionen unterstützt.

Die Client-Architektur basiert auf OSGi ™, Eclipse E4 und JavaFX und ist vollständig generisch. Das bedeutet, dass diese weitestgehend unabhängig von der Serverversion oder Anpassungen ist. Das Deployment wird auf diese Weise extrem vereinfacht (teilweise wird auch Hot Deployment unterstützt). Im Client selbst ist eine Groovy-basierte Skripting-Engine integriert. Die Skripte laufen als Java-Bytecode in der Java Virtual Machine des Servers ab. Groovy ist einfach zu erlernen und ideal für die Umsetzung von zusätzlicher Geschäftslogik. Durch den Aufsatz auf der Standardfunktionalität sind diese Erweiterungen vollständig releasefähig. Die nutzbaren Bibliotheken sind als Java Docs dokumentiert und stehen Kunden zur Verfügung. Prozesse und Workflows können auch hier gestartet werden und vereinfachen die ggf. notwendige Individualisierung der Gesamtlösung.

Datenstrukturen werden mit Hilfe einer DSL (Domain Specific Language) modelliert. Der Entwurf der Dialoge erfolgt mit dem „JavaFX SceneBuilder“. Die unterschiedlichen Sichten (Filter, Tabellen, Details, Strukturen) werden ebenfalls mit diesen Werkzeugen entwickelt. Der Client ist vollständig generisch (keine Client-Entwicklung notwendig). 

Neben der klassischen EDI-Kopplung wird auch der my­OpenFactory-Standard unterstützt
(DIN PAS 1074). Durch die Integration mit dieser Kommunikationsplattform werden weitere Standards wie openTrans, OCI und viele andere zugänglich und die Prozesse zwischen Kunden und Lieferanten können, ggf. automatisiert, abgebildet werden.

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Drei Fragen an Karl Tröger,
Business Development Manager,
PSI Software SE

Welche Trends sehen Sie im ERP-Bereich?

Die zukünftigen Trends bzw. Herausforderungen der Zukunft sind Schnelligkeit, Flexibilität sowie Wandelbarkeit durch Softwaresysteme. Wer auf diese Trends nicht reagiert, wird langfristig nicht mitspielen können. Idealerweise sollten Systeme in lauffähige Module zerlegt werden, die über Schnittstellen beliebig integriert werden können.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung des ERP-Marktes?

Die Entwicklung des ERP-Marktes ist anhand der zunehmend verschwimmenden Systemgrenzen zwischen klassischen Anwendungen wie ERP, CMS oder DMS erkennbar. Langfristig bewegen wir uns auf eine vollständig integrierte Unternehmensarchitektur basierend auf Services zu, die flexibel, plattformgesteuert, remote, lokal oder aus der Cloud zugänglich sein wird.

Was steht in Ihrer Systemroadmap für die Zukunft?

Um den Trends und Entwicklungen des ERP-Marktes gerecht zu werden, haben wir unser ERP-System mit granularen und fein atomisierten Services ausgestattet, die über eine integrierte Workflow-Engine miteinander verbunden werden können. Wir bieten eine höherwertige Funktionalität, indem wir Prozesse und Workflows durch entsprechende Funktionen kombinieren und komplette Workflows generieren. Das klassische Beispiel an dieser Stelle ist der Genehmigungsworkflow. Wir sehen das Spektrum der möglichen Workflow- und Funktionskombinationen als frei definierbar an und forcieren an dieser Stelle den Wettbewerbsvorteil für unseren Kunden.

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