Philipp Futterknecht, CEO von H&F Solutions, erklärt, warum klassische EDI-Lösungen an ihre Grenzen stoßen – und wie die KI-basierte Cloud-Lösung dara® nicht nur den Belegaustausch automatisiert, sondern ihn dank intelligentem Kontextverständnis auf ein völlig neues Level hebt. Einblicke in Herausforderungen, Sicherheitskonzepte und die Vision eines durchdachten Automatisierungsprozesses für Hidden Champions und mehr.
Was war die Motivation, H&F Solutions zu gründen?
In meiner Zeit als ERP-Berater haben wir in unseren Beratungsprojekten festgestellt, wie aufwendig und kostenintensiv der Belegaustausch oft ist. Herkömmliche EDI-Lösungen kommen hier an ihre Grenzen. Uns war schnell klar: Hier gibt es ein großes Problem, aber keine passende Lösung – das wollten wir ändern.
Bitte beschreiben Sie das Funktionsprinzip von dara®, Ihrer KI-basierten Cloud-Software.
dara® automatisiert mittels intelligentem Datenaustausch, auch Intelligent Data Interchange (IDI) genannt, den Belegaustausch zwischen ERP-Systemen. Klassische EDI-Systeme nutzen etwa Mapping, um Daten in Standards zu pressen. Unsere Cloud-Lösung geht dank KI intelligenter vor: Sie erkennt den Kontext jeder Information und wandelt Belege intelligent in das gewünschte Format des Empfängers um – automatisiert und präzise. So ist es möglich, nicht nur den Standard zu bedienen, so wie es gängige Technologien tun, sondern auf individuelle Kundenanforderungen einzugehen.
Was ist „intelligent“ daran und inwieweit gehen Sie über konventionelle Schnittstellen- bzw. EDI-Plattformen hinaus?
Unser Produkt nutzt KI, um Belege semantisch zu verstehen, Muster zu erkennen und den Kontext jeder Information zu interpretieren. Es passt Belege individuell an die Anforderungen des Empfängers an und verbessert die Datenqualität gezielt. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Informationen als strukturierte Daten (z.B. XML) oder unstrukturierte Daten (z.B. PDFs) vorliegen. dara® ist darauf trainiert, mit allen relevanten Belegaustausch-Formaten umzugehen.
In der Anlernphase bezieht sie vermehrt aktiv den Anwender ein, lernt aus dessen Feedback und verbessert kontinuierlich ihre Genauigkeit. Die KI hinter unserer Technologie beherrscht ein spezifisches „Wörterbuch“ für EDI-Formate und PDF-Layouts. Damit wird eine hohe Transformationsqualität erreicht, die in diesem Umfeld gefordert ist – ein entscheidender USP gegenüber generischen LLMs, die diese Präzision und Verlässlichkeit bislang nicht bieten können.
Was konkret können Sie besser als z.B. Lobster oder myOpenFactory?
Unsere Lösung dara® ist nicht nur Integrator oder Daten-Transformationstool, sondern betrachtet den gesamten Prozess aus Anwendersicht. Das Ziel ist es, nicht nur die „elektronische Datenverarbeitung“ zu ermöglichen, sondern einen gesamtheitlichen Automatisierungsgrad in der Belegverarbeitung sicherzustellen. Dabei berücksichtigen wir auch komplexe Szenarien mit Daten niedriger Qualität oder vielfältigen Prozessen – etwa wenn ein Partner kein EDI nutzt und stattdessen eine PDF-Bestellung per E-Mail schickt. Wo Technologien wie EDI, RPA, IDP, etc. an Ihre Grenzen kommen – kann dara® alle Belegkanäle ohne aufwendige IT-Projekte bedienen und ermöglicht skalierbare Anbindungen der Teilnehmer auf Knopfdruck.
Und konkret: wie erreichen Sie es, dass die KI nicht aus den „falschen“ Belegen lernt?
Unsere Softwareingenieure haben Algorithmen entwickelt, die anhand externer und interner Quellen, Kundendaten und Anwender-Feedback die Datenqualität sowie die Ergebnisse in ihrer Validität bewerten. So gewährleisten wir eine kontinuierlich hohe Güte der verarbeiteten Daten und Resultate.
Sie verarbeiten die Daten in der Cloud. Deutsche Mittelständler sind sehr sicherheitsbewusst. Wie verhindern Sie, dass die Daten in die falschen Hände geraten?
Wir gehen gezielt auf die Anforderungen unserer Kunden ein, wie den Wunsch nach einer europäischen Cloud. Auch die Einhaltung der hohen Standards für Informationssicherheit, Cybersicherheit und Datenschutz gemäß der ISO 27001-Zertifizierung ist für uns zentral. Diese Richtlinien setzen wir konsequent um und stellen so sicher, dass entsprechende Datenschutzvorschriften langfristig erfüllt werden.
Wie sieht Ihre Zielgruppe aus und wie sieht Ihr Preismodell aus?
Unsere Zielkunden sind Unternehmen, die sich im Bereich der Hidden Champions und Enterprises bewegen. Dabei ist die Zielgruppe weitgehend branchenunabhängig – ausgenommen stark regulierte Bereiche wie die Energiewirtschaft. Unser Preismodell besteht aus einer Transaktionsgebühr pro Beleg sowie einer monatlichen Gebühr für den Softwarebetrieb.
Was für eine Infrastruktur muss beim Kunden vorhanden sein? Spielt das ERP-System eine Rolle, d.h. können Sie Informationen für unterschiedliche ERP-Systeme unterschiedlich verarbeiten?
Das ERP-System des Kunden sowie die Zielsysteme der Handelspartner spielen für uns grundsätzlich eine untergeordnete Rolle. Wir benötigen lediglich eine Art Postfach – etwa ein E-Mail-Konto, einen SFTP-Server oder ein klassisches EDI-Protokoll -, aus dem wir Daten in beliebigem Format abholen oder ablegen können. Dabei sind wir nicht auf ERP-Systeme beschränkt, sondern integrieren auch Plattformen, Shops oder Buchhaltungssysteme.
H&F Solutions
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