Neulich hatte sich Doktor ERPel in dieser Kolumne bereits über einen CRM-Anbieter aufgeregt, der nahezu jede zusätzliche Funktion seiner Software mit zusätzlichen Kosten belegt hat. Inzwischen hat sich der Softwaremarkt weiterhin sehr erfinderisch gezeigt. Insbesondere ein Anbieter hat neue Spitzenwerte im Abzocker-Ranking erreicht.
Spitze beim Abzocken
Das Lizenzmodell dieses Anbieters basiert auf Geschäftsvorfällen. Daran ist prinzipiell nichts auszusetzen. Allerdings scheint es der Anbieter ein wenig zu übertreiben, denn bei jedem Geschäftsvorfall ist folgendes lizenzpflichtig: der Umsatz, die dabei erzeugten Dokumente, die notwendigen Lagerbewegungen und – überraschenderweise – auch die genutzte Software.
Viermal kassieren, einmal liefern?
Sie lesen richtig: Der Softwareanbieter verdient an jedem einzelnen Geschäftsvorfall gleich vierfach. Wenn Ihnen das zu undeutlich ist, hier ein Beispiel: Wenn ein Händler sich entschließt, aus praktischen Gründen einen Prospekt im Versandkarton als lagergeführten weiteren Artikel einzulegen, dann verdient der Software-Anbieter mit jedem eingelegten Prospekt mehr, als dieser überhaupt kostet.
Wolf of Wall Street war ein Waisenknabe
Wenn Sie jetzt glauben, dass diese Gier kaum noch gesteigert werden kann, dann liegen Sie falsch! Der Softwareanbieter lässt sich mit einer frechen Selbstverständlichkeit unterschreiben, dass seine Wartungsgebühren sich natürlich jedes Jahr um 3,3 % erhöhen. In fünf Jahren sind das weitere schlanke 18 % zusätzliche Kosten, ohne dass dem ein entsprechender zusätzlicher Nutzen gegenüber steht.
Doktor ERPel meint: je gieriger der Softwareanbieter, umso attraktiver die Konkurrenz. Der Anbieter schaufelt sich so langfristig sein eigenes Grab: Es wird immer attraktiver für seine Wettbewerber, ihm Paroli zu bieten. Kein Monopol kann auf Dauer aufrechterhalten werden.
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