ERP-Einführung, ERP-Digitalisierung, ERP-Beratung

Dr. ERPel und der stumme ERP-Anbieter

Von Inkompetenz und ungelösten Problemen
Lesedauer:  2 Minuten
ERP

Dr. ERPel weiß, dass in Projekten Dinge schieflaufen. Die AV hat keine Zeit, um die Stammdaten durchzuarbeiten für das neue ERP-Projekt. Übrigens, weil sie noch kein neues ERP-System haben und daher sehr viele Daten erneut mühsam eingeben müssen. Der Anbieter hat leider wieder nur Herrn Meier für das Customizing der Finanzabteilung geschickt, obwohl bekannt ist, dass er nur aufgrund seiner langen Firmenzugehörigkeit noch dabei ist, nicht weil er so kompetent ist.

„Manchmal kracht es dann auch gehörig“

Irgendwann wird es dem Auftraggeber dann zu bunt. Das Projekt geht nicht vorwärts, während bereits große Summen des Geldes an den Anbieter geflossen sind. Der Eigentümer macht Druck. Dass die eigenen Leute nicht genug Zeit haben, will er dann meistens nicht hören. Es kommt zu Sitzungen des Lenkungsausschusses, in denen gestritten wird. Ein hoher Vertreter des Anbieters kommt hinzu und verspricht, er werde sich das alles sorgfältig ansehen.

„Monate vergehen, ohne dass es etwas passiert“

In der Zwischenzeit schleppt sich das Projekt vorwärts. Mühsam werden Hindernisse aus dem Weg geräumt. Man erfreut sich an Kleinigkeiten. Der hohe Vertreter des Anbieters kommt wieder in den Lenkungsausschuss und macht Vorschläge, aus denen die blanke Unkenntnis der Situation spricht. Ablehnung. Herr Meier customized immer noch die Finanzbuchhaltung. Die Zahl der Abstimmungsbuchungen geht in die Tausende inzwischen.

„Jetzt reicht es dem Kunden“

Dem Eigentümer reißt endgültig der Geduldsfaden. Er stellt die Zahlungen an den Anbieter ein. Es gibt Krisengespräche und finanzielle Rückforderungen werden erhoben. Diese werden durch eine neunköpfige Kommission des Anbieters auf dem Firmengelände geprüft. An der Spitze ein fröhlicher Mensch, der erklärt, er sei speziell für solche Gelegenheiten beim Anbieter angestellt.

„Alle fragen sich: Hat jedes Projekt dieses Anbieters solche Probleme?“

Der fröhliche Mensch verspricht eine Antwort des Anbieters binnen weniger Wochen. Diese Wochen vergehen. Das Projekt wird nur noch auf Sparflamme fortgeführt. Der Projektleiter schmeißt hin. Der fröhliche Mensch erklärt nach drei Monaten, jetzt werde es nicht mehr lange dauern. Zwei Monate später: immer noch keine Reaktion des Anbieters.

Dr. ERPel meint: Das Softwareprodukt des Anbieters ist gut, aber ein Projekt zur Einführung dieser Software muss unbedingt von einem Systemhaus durchgeführt werden. So viel Inkompetenz in einer Organisation, das hat selbst Dr. ERPel noch nie erlebt.


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