ERP-Betrieb

Dr. ERPel und der überforderte Steuerberater

Wie ein kleines Software-Detail fast zum Desaster führte
13.12.2023 - von Norbert Gronau ORCID Icon
Lesedauer:  2 Minuten
ERP

Buchhaltung ist selten lustig, doch meistens notwendig. Finanzbeamte und andere unangenehme Personen wollen wissen, was man das ganze Jahr über gemacht hat. Weil niemand die Flut der zumeist sinnlos überregulierten und völlig unverständlichen Steuergesetze in Deutschland versteht, bedient man sich zweckmäßigerweise eines Steuerberaters.

Der Steuerberater war fix angeheuert und lächelte milde bei einem Belegvolumen von circa 2.500 Belegen im Jahr. Er sagte: „Nehmen Sie doch einfach die Software X und erfassen da Ihre Belege und schreiben darin Ihre Rechnungen, den Rest machen wir!“ Gesagt, getan, und alles war prima bis zum Jahresabschluss.

Das Erschrecken war groß, als die vorläufige Bilanz, die der Steuerberater mithilfe einer weißrussischen Hilfskraft aufgestellt hatte, auftauchte. Aus dem sicher geglaubten Gewinn war ein kräftiger Verlust geworden. Der Steuerberater zuckte mit den Achseln und verwies auf seine weißrussische Hilfskraft; diese habe alles richtig gemacht.

Eine hastig anberaumte Zoom-Sitzung offenbarte das Problem. Die weißrussische Hilfskraft hatte die von der Software angebotene Frage „Wollen Sie auch festgeschriebene Buchungen übernehmen“ ignoriert. Damit waren wesentliche Umsätze nicht in der Buchhaltung gelandet. Nachdem Steuerberater und Hilfskraft überzeugt werden konnten, dass auch festgeschriebene Umsätze übernommen werden, konnte die Buchhaltung schnell ins Reine gebracht werden.

Dr. ERPel meint: Es ist stets hilfreich, wenn man sich mit der Software, die man seinen Kunden empfiehlt, auch mal selbst auseinandersetzt. Dies gilt sicherlich auch für diesen Steuerberater.

Lesen Sie auch diese Kolumne von Dr. ERPel


Das könnte Sie auch interessieren

Adaptive Service Level Agreements

Adaptive Service Level Agreements

Wie flexible Verträge Innovation ermöglichen und welche Risiken sie bergen
Klassische SLAs sichern Stabilität –doch genau das macht sie oft zur Innovationsbremse. Anpassungen werden aufgeschoben, Chancen bleiben ungenutzt. Wie lassen sich Verträge so gestalten, dass Veränderung nicht stört, sondern systematisch ermöglicht wird? Der Beitrag zeigt, wie adaptive SLAs als „Living Contract“funktionieren und Innovation schon während der Laufzeit fördern –praxisnah und direkt umsetzbar für IT- und ERP-Verantwortliche.
Zehn ERP-Praktiker über Projekterfolg

Zehn ERP-Praktiker über Projekterfolg

Was in Auswahl, Implementierung und Betrieb wirklich zählt
ERP-Projekte scheitern selten an der Software selbst, sondern an unklaren Prozessen, fehlender Vorbereitung und mangelnder organisatorischer Einbindung. Zehn erfahrene ERP-Praktiker aus Deutschland und der Schweiz berichten aus ihrer Projektpraxis und zeigen, welche Faktoren bei Auswahl, Einführung und Betrieb von ERP-Systemen wirklich entscheidend sind – von der oft unterschätzten Phase Null bis zur realistischen Einordnung von KI.
Von ERP bis Non-ERP: fünf Reifegrade beim KI-Einsatz

Von ERP bis Non-ERP: fünf Reifegrade beim KI-Einsatz

Warum KI-Agenten das alte ERP-Paradigma radikal verändern
sponsored
ERP-Systeme waren lange reine Verwaltungssoftware im Hintergrund. Mit agentischer KI ändert sich das grundlegend: Aus einem System of Record wird ein System of Action, das Prozesse aktiv steuert und Entscheidungen unterstützt. Der Artikel zeigt, wie Agentic AI ERP Unternehmen produktiver macht, Kosten senkt und neue Wettbewerbsvorteile schafft –und warum Führungskräfte dieses Thema jetzt im Blick haben sollten.
Die Zukunft der ERP-Systeme

Die Zukunft der ERP-Systeme

Strategisch statt operativ: ERP etabliert sich als Top-Management-Thema
ERP ist längst Chefsache. Wer es weiterhin als reines IT-Thema einordnet, unterschätzt seinen strategischen Hebel. Vorausschauende Unternehmen verankern ERP-Kompetenz in ihrer Governance und nutzen sie als Wettbewerbsvorteil. Moderne ERP-Systeme entwickeln sich zu intelligenten, offenen Architekturen –getrieben von Cloud, KI und Automatisierung. Das verlangt von der Unternehmensführung ein tiefes Verständnis von ERP.
Grenzenlos stark im DACH-Markt

Grenzenlos stark im DACH-Markt

ERP-Systeme als Treiber für Effizienz
Die DACH-Region stellt Unternehmen vor besondere Herausforderungen, wie Lieferengpässe, Nachfrageschwankungen und grenzüberschreitende Regularien erfordern flexible Strukturen. Moderne ERP-Systeme bieten modulare Lösungen, die Produktion, Finanzen und Vertrieb standortübergreifend vernetzen, Prozesse optimieren und Transparenz für schnelle Entscheidungen schaffen. Sie ermöglichen eine werksübergreifende Planung. 
Raus aus der Krise mit dem richtigen ERP-Management

Raus aus der Krise mit dem richtigen ERP-Management

Warum Unternehmen trotz guter ERP-Systeme an Handlungsfähigkeit verlieren
ERP-Systeme wurden ursprünglich eingeführt, um mehr zu leisten als die reine Abbildung von Geschäftsprozessen. Sie sollten Transparenz schaffen, Zusammenhänge sichtbar machen und Unternehmen in die Lage versetzen, fundierte Entscheidungen auf einer einheitlichen Datenbasis zu treffen. In der Praxis zeigt sich jedoch zunehmend, dass diese wichtigen Gestaltungshebel nicht oder nur ungenügend genutzt werden.