Neulich besuchte Dr. ERPel einen sehr erfolgreichen Maschinenbauer. Dieser nutzt seit vielen Jahren ein spezialisiertes ERP-System. Allerdings mit hohem Aufwand und nur mäßigem Erfolg, denn zwischen einzelnen Prozessschritten, die gut durch das ERP-System abgebildet werden, gibt es immer wieder Ergebnisse von Prozessschritten, die dann manuell ins System übertragen werden müssen. Zahlreiche ERP-Anwender sind nur für diese manuellen Zwischenschritte zuständig.
Keine Doku: gut für den Anbieter
Der Maschinenbauer versucht nun mit viel Engagement, diese Prozesslücken zu schließen. Eine der ersten Fragen ging an den Anbieter: Zeig mal die Dokumentation Deiner Standardprozesse. Äußerst elegant konterte der Anbieter: „Die hast du doch vor zehn Jahren selbst erstellt“. Darauf der Maschinenbauer: „Aber du hast doch danach circa 100 Erweiterungen in das System eingebaut, wo sind dafür denn die Unterlagen?“
Kein Standard: gut für den Anbieter
Ganz leichtfüßig kontert der Anbieter, dass es diese Unterlagen nicht gäbe. Aber wenn man etwas wissen wolle, stände gern ein Berater zur Verfügung. Daraufhin der Maschinenbauer etwas konsterniert: „Aber wofür zahle ich denn Wartung?“ Darauf der Anbieter: „Damit wir dir Fehler beseitigen können.“
Der Anbieter kassiert, der Kunde zahlt
Dr. ERPel ist der Ansicht, dass sich hier der Anbieter in eine zunächst komfortable, aber dennoch auch sehr gefährliche Lage manövriert hat. Jede einzelne Nachfrage des Kunden wird mit einer zu vergütenden Beraterleistung abgegolten. So hat der Anbieter über 20 Consultants beim Maschinenbauer zum Einsatz gebracht!
Irgendwann hat der Kunde die Schnauze voll
Jetzt ist aber offenbar die Schwelle des Zumutbaren überschritten. Die Zusatzprogrammierungen werden zurückgefahren und die Prozesslücken geschlossen. Wenn jetzt der Anbieter nicht aufpasst und seine schier unglaubliche Gier nach undokumentierter Consulting-Leistung zurückfährt, kann es sein, dass der Anwender irgendwann genug von den hohen monatlichen und jährlichen Zahlungen hat und sich von diesem Anbieter komplett abwendet.
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