ERP-Auswahl, ERP-Beratung

Wenn Anbieter freiwillig dumm bleiben wollen

Dr. ERPel und das geheime Rezept für erfolgloses Benchmarking
27.08.2023 - von Norbert Gronau ORCID Icon
Lesedauer:  2 Minuten
ERP

Stellen Sie sich vor, Sie wären gemeinsam mit mehr als 100 Mitbewerbern in einem stark umkämpften Verdrängungsmarkt tätig. Sie haben ein kleines Marketingbudget und können sich keine Anzeigen in der Wirtschaftswoche leisten. Nun kommt jemand, der bietet Ihnen ein 50-seitiges Benchmarking Ihres Produktes gegen Ihre wichtigsten Wettbewerber an.

Der Haken: Die Information kostet 1.000 €, und Sie müssen 20 Kundenadressen liefern, damit eine neutrale Forschungseinrichtung den Vergleich mit Ihren Konkurrenten vornehmen kann.

Doktor ERPel ist sich sicher, Sie würden ein solches Angebot sofort annehmen. Eine unabhängige Kundenbefragung sichert die Objektivität der Ergebnisse, und die 1.000 € verschwendet Ihr Vertrieb in weniger als einer Woche mit ergebnislosen Interessentenbesuchen.

Doktor ERPel ist lange genug in der Branche, um sich zu fragen, woher es kommt, dass von mehreren Hundert ERP-Anbietern nur ein gutes Dutzend an einem Benchmarking – immerhin definiert als Vergleich mit den Besten – interessiert ist.

Es muss daran liegen, dass der ERP-Vertrieb immer noch nach dem Prinzip eines Pferdehandels funktioniert. Die Persönlichkeit des Vertrieblers macht den Umsatz. Die langfristige Zufriedenheit des Anwenders ist irrelevant. Lieber verkauft der Anbieter noch zahlreiche Individualanpassungen und sorgt damit dafür, dass der arme Anwender nie wieder upgraden kann. Derweil freut sich der Anbieter über jahrelange Wartungszahlungen, ohne irgendetwas dafür tun zu müssen. Ein Blick auf die Konkurrenz würde da nur stören.

Doktor ERPel findet nur Beruhigung in der Tatsache, dass immer mehr Anwender aufwachen und sich nicht länger von ihren ERP-Anbietern bevormunden lassen wollen.

Lesen Sie auch diese Kolumne von Dr. ERPel


Das könnte Sie auch interessieren

Den richtigen SAP-Partner finden

Den richtigen SAP-Partner finden

Neue Marktstudie beleuchtet Profile und Kompetenzen von 45 SAP-Partnern
ERP-Systeme fungieren heute als zentrales Nervensystem moderner Betriebe. Die Auswahl der richtigen ERP-Lösung und des passenden IT-Dienstleisters ist in vielen Unternehmen eine kritischen Weichenstellung. Insbesondere die Wahl eines passenden SAP-Implementierungspartners ist aufgrund des großen SAP-Partnerökosystems eine große Herausforderung. Eine neue Marktstudie des Fraunhofer IML bietet hier Orientierung innerhalb des SAP-Partnermarktes.
Executive Briefing: ERP Anwender Lounge Special 

Executive Briefing: ERP Anwender Lounge Special 

Von Experten für Entscheider: Strategische Insights von der Hannover Messe
Wer die ERP Anwender Lounge mit Impuls-Vorträgen und Networking auf der Hannover Messe verpasst hat, sollte sich den Termin für 2027 vormerken. Die ERP Lounge Insights bieten eine fundierte Verdichtung zentraler Trends, strategischer Perspektiven und bewährter Best Practices. In 3 min. Impact Keynotes gaben führende Experten hochverdichtete Einblicke, u.a. ohne eine belastbare ERP-Grundlage bleibt das Potenzial von KI weitgehend ungenutzt.
Wissen im richtigen Moment verfügbar

Wissen im richtigen Moment verfügbar

RAG als Brücke zwischen Dokumenten, Systemen und Nutzerfragen
Wie wird Wissen in ERP- und MES-Umgebungen genau dann verfügbar, wenn es gebraucht wird? Der Beitrag zeigt, wie integrierte Retrieval-Augmented Generation natürliche Fragen versteht, quellenbasierte Antworten liefert und Prozesse direkt im laufenden Betrieb unterstützt. Warum dabei Integration, Nachvollziehbarkeit und Datensouveränität entscheidend sind – und weshalb RAG im industriellen Umfeld weit mehr ist als nur ein KI-Trend.
Adaptive Service Level Agreements

Adaptive Service Level Agreements

Wie flexible Verträge Innovation ermöglichen und welche Risiken sie bergen
Klassische SLAs sichern Stabilität –doch genau das macht sie oft zur Innovationsbremse. Anpassungen werden aufgeschoben, Chancen bleiben ungenutzt. Wie lassen sich Verträge so gestalten, dass Veränderung nicht stört, sondern systematisch ermöglicht wird? Der Beitrag zeigt, wie adaptive SLAs als „Living Contract“funktionieren und Innovation schon während der Laufzeit fördern –praxisnah und direkt umsetzbar für IT- und ERP-Verantwortliche.
Requirements-Engineering bei „lebenden“ ERP-Systemen

Requirements-Engineering bei „lebenden“ ERP-Systemen

Ein Framework zur Unterstützung des Requirements-Engineerings durch Fachabteilungen
Das grundlegende Problem: mehr Pflege als Neuentwicklung Wertet man Pressemitteilungen als Indikator, so kann man den Eindruck bekommen, dass Start-Ups, technische Innovationen und große Projekte mit wegweisenden Weichenstellungen den Alltag beherrschen, begleitet von neuen IT-Systemen und innovativen Cloud-Anwendungen, die man einfach nur herunterladen müsse, um eine neue Stufe der „Digitalisierung“ zu erreichen. Auch in der Informatikausbildung ist die Ausrichtung auf neue Systeme vorherrschend: Das „Requirements Engineering“ (RE), also die Erhebung, die Analyse und das Management von Anforderungen, wird oft anhand von kleinen Projekten in der Neuentwicklung geschult.  Dieser Fokus auf neue Systeme ist aus Sicht der Medien und Technikanbieter zwar nachvollziehbar,  verstellt allerdings den Blick darauf, dass die meisten Unternehmen eben doch schon einige Jahre oder Jahrzehnte auf dem Markt sind und die grundlegenden betriebswirtschaftlichen Prozesse mit vorhandener ...
Zehn ERP-Praktiker über Projekterfolg

Zehn ERP-Praktiker über Projekterfolg

Was in Auswahl, Implementierung und Betrieb wirklich zählt
ERP-Projekte scheitern selten an der Software selbst, sondern an unklaren Prozessen, fehlender Vorbereitung und mangelnder organisatorischer Einbindung. Zehn erfahrene ERP-Praktiker aus Deutschland und der Schweiz berichten aus ihrer Projektpraxis und zeigen, welche Faktoren bei Auswahl, Einführung und Betrieb von ERP-Systemen wirklich entscheidend sind – von der oft unterschätzten Phase Null bis zur realistischen Einordnung von KI.