Nicht wenige Großhändler aus dem KMU-Segment nutzen die Möglichkeiten des Multichannel-Vertriebs noch nicht oder nur unzureichend. Das passt ins Bild vom allgemeinen Rückstand vieler Unternehmen in Sachen Digitalisierung, von dem immer wieder die Rede ist.
Das Unternehmen …
Das Unternehmen Maschinen Stockert GmbH wurde 1972 gegründet, heute wird es in zweiter Generation geführt und handelt mit Werkzeugen und Maschinen. Angesiedelt ist es in Hohenbrunn bei München, etwa 50 Mitarbeiter sind beschäftigt. Innerhalb von 10 Jahren hat sich das Unternehmen von einem klassischen regionalen Anbieter zu einem europaweit aktiven B2B/B2C-Händler entwickelt.

… und seine Kunden
Zu den Kunden gehören Unternehmen des Bauhaupt- und Baunebengewerbes: Dachdeckereien, Schlossereien, Sanitär- und Heizungsinstallation, Metallbau, Stahlhallenbau und Blechverarbeitung.
Systemauswahl
2015 stand die Auswahl eines neuen ERP-Systems an. Dieses hatte vier wesentliche Anforderungen zu erfüllen:
• Standardmäßige Abbildung der warenwirtschaftlichen Handelsprozesse
• Integriertes CRM
• Hochgradige Flexibilität und Anpassungsfähigkeit (in Eigenregie!), volle Updatefähigkeit
• Hohe Integrationsfähigkeit zu anderen Systemen (E-Mail-Integration, Versandanbindung, MS Office-Anbindung) und zu Marktplätzen. Weitestgehend offene Schnittstellen
Die Wahl fiel auf ALPHAPLAN ERP mit CRM und Rechnungswesen. Im Einsatz sind knapp 35 Concurrent User im ERP und vier User im Rechnungswesen.
Anpassungen
Insgesamt wurden etwa 260 kundenspezifische Dialoge sowie 40 Formulare in Deutsch und Englisch durch Stockert und CVS erstellt und gepflegt. Sonder- oder Änderungsprogrammierungen wurden seit 2018 nicht mehr in Auftrag gegeben, sondern vom Unternehmen selbst durchgeführt. Die gesamte Projektzeit für die Einrichtung der Komponenten Warenwirtschaft, CRM, Rechnungswesen sowie der beschriebenen Anbindungen und Integrationen betrug 10 Monate.
Die Artikelbasis
Insgesamt sind heute über 600.000 Artikel verfügbar und lieferbar, größtenteils durch den Einkaufsverband E/D/E. Da nur ca. 10.000 Artikel im eigenen Lager geführt werden (auf knapp 2.500 qm Lagerfläche), wird ein großer Teil des Geschäfts mittlerweile per Crossdocking abgewickelt.
Crossdocking
Vorteile: Zeitgerechte Lieferung auch ohne eigene Lagerung, direkt durch den E/D/E. So werden eigene Bestände, Lagerplatzbedarf und Lagerhaltungskosten gering gehalten. Wurden in der Vergangenheit lediglich Aufträge erfasst, die aus dem eigenen Lagerbestand bedient werden konnten, können nun über die Crossdocking-Funktionalität Aufträge gebucht und ausgeführt werden, wenn der eigene Artikelbestand 0 ist – auch in Kombination mit eigenen Aufträgen. Die daraus resultierenden Bestellungen werden automatisch als Crossdocking-Aufträge im ERP abgewickelt. Ein Mehraufwand entsteht nicht, da die Vorgänge vollautomatisch abgearbeitet und per EDI zweimal täglich übertragen werden.
Ebay, Amazon, Rakuten und zukünftig auch Otto
Früher mussten Artikelstämme und Verkaufspreise exportiert und in die dafür vorgesehenen Ebay-Turbolister o.Ä. und die Amazon-Plattform übertragen werden. Die Ergänzung um Mediadaten, Artikel-Attribute und Auktionszeiträume bei diesen beiden Plattformen war aber immer eine manuelle Tätigkeit und zeitaufwändig. Der damit verbundene hohe Aufwand war ein begrenzender Faktor für die erzielbaren Umsätze auf diesen Kanälen. Das änderte sich grundlegend mit der Einführung von ALPHAPLAN und Speed4Trade.
Omnichannel-Integration: ALPHAPLAN + Speed4Trade
Durch das reibungslose Zusammenspiel beider Systeme konnte der Automatisierungsgrad deutlich erhöht und die Stammdatenpflege um über 75% reduziert werden. Die Zahl der Auktionen wurde erheblich gesteigert, die Anzahl der Artikel bis Mitte 2023 auf 12.000 erhöht. Waren zuvor nur wenige hundert Artikel bei Ebay und Amazon gelistet, sind es nunmehr fast tausend bei Ebay, über zehntausend bei Amazon und knapp tausend beim zwischenzeitlich hinzugekommenen Rakuten.
Die Plattform Otto.de wird gerade vorbereitet und geht dieses Jahr noch an den Start.
Erwähnenswert ist noch der Bestandsabgleich über alle Kanäle hinweg. Bei einem vollständig verkauften Artikelbestand werden auf allen Kanälen die Auktionen beendet bzw. die Artikel auf “nicht verfügbar” gesetzt. Die Versandsoftware (UPS und DHL) wird vom ERP mit den notwendigen Daten beliefert, die Sendungsnummern werden dann von der Versandsoftware aus an Speed4Trade und von dort weiter an den Marktplatz übertragen. Die Attributverwaltung ist je nach Marktplatz unterschiedlich: Amazon reicht der EAN-Code und stellt die Produktdaten bereit; bei eBay und Rakuten muss der Händler die Produktdaten selbst an die Plattform liefern, was eine entsprechende Verwaltung erforderlich macht. Die Verkaufspreise können sich je Marktplatz unterscheiden, sie werden im ERP hinterlegt.
Fazit
Die Netto-Umsätze konnten seit Einführung von ALPHAPLAN ERP mehr als verdoppelt werden. Die IT-Abteilung wurde um eine eigene eCommerce-Abteilung erweitert, um den starken Zuwachs des eCommerce-Geschäfts in zukünftig vier Kanälen weiter auszubauen.
Es ist offensichtlich, dass die Anforderungen eines Multichannel-Geschäftsmodells weit über das hinausgehen, was manuell bei der Nutzung verschiedener Vertriebskanäle leistbar ist. Automatisierung ist also eine Voraussetzung, gut gepflegte Produkt-/Artikelstammdaten eine weitere und natürlich ein anpassungsfähiges und hochflexibles ERP. Selbstverständlich müssen die Unternehmen Regeln und Logik von Plattformen wie Amazon genau kennen. Die Einschaltung einer „vermittelnden Instanz“ („Middleware“) kann für KMU einen guten Einstieg in den digitalisierten Multi-/Omnichannel-Vertrieb darstellen. Die wichtigsten Akteure im Hintergrund sind die Schnittstellen, mit denen das E-Commerce-System (bspw. mit Speed4Trade als Middleware) in die warenwirtschaftlichen Prozesse integriert wird – sie sind eine zwingende Voraussetzung für zuverlässige, automatisierte Prozesse in Vertrieb, Lager und Logistik, die zudem in einem hohen Tempo ablaufen und dafür eine stabile technische Basis brauchen: höchste Verfügbarkeit des Systems, Erfüllung höchster Anforderungen an die Datensicherheit und auch an den Datenschutz. Dass diese Rückgratfunktion eines ERP-Systems bei einer Vernetzung mit externen Systemen (Marktplätzen) eine entscheidende Rolle spielt, liegt auf der Hand.
Kontakt:
Robert Lüers (Vertriebsleiter) CVS Ingenieurgesellschaft mbH Otto-Lilienthal-Straße 10
28199 Bremen
Tel.: +49 421 35017-0
E-Mail: vertrieb@cvs.de
Web: alphaplan.de/stkt
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